
von Thomas Schneider
Nicht nur für Soldaten im Dreißigjährigen Krieg waren in der Region um Böhmen die Namen auf den Ortsschildern irritierend. Aus dieser Kriegszeit stammt die Redewendung, daß all die Schilderaufschriften für sie „böhmische Dörfer“ waren.
Meine Ehefrau und ich leben etwa 4,6 Kilometer Luftlinie entfernt zur tschechischen Staatsgrenze. Als DDR-Reisende nutzten wir die damalige ČSSR nicht nur zum Einkauf von Konsumgütern, Baumaterial usw. (alles Mangelware in der DDR), sondern auch zu heimlichen Treffen mit Freunden aus Westdeutschland. Nach der Friedlichen Revolution 1989/90 war es für uns ein Tabu, in Tschechien billig zu tanken, preisgünstig eine der grenznahen Gaststätten zu besuchen oder gar zum Friseur zu gehen. Wir hielten es für anständig, unsere ländliche Wirtschaft zu unterstützen. Nun hat sich inzwischen – zum Leidwesen des deutschen Volkes – Vieles verändert. Damals wie heute stehen wir zum Nachbarland vor einer unüberwindbaren sprachlichen Barriere: Tschechische Worte, Begriffe und Namen sind für uns wie „böhmische Dörfer“.
Für den einen sind Rechtsvorschriften „böhmische Dörfer“, für einen anderen Begriffe aus der IT-Branche. „Böhmische Dörfer“ sind ein Sinnbild für etwas, das der Mensch nicht versteht. Auch die Bibel spricht vom Verstehen und Nichtverstehen. Der von Gott geschaffene Mensch ist nicht allwissend, sein Verstehenkönnen ist begrenzt. Durch den Propheten Jesaja läßt Gott sagen: „Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR, sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.“ (Jes 55,8-9) Ob in wissenschaftlichen, wirtschaftlichen, politischen oder sozialen Fragen: Der Mensch stößt immer wieder an Grenzen des Verstehens und der Machbarkeit. Unverständnis gehört zum Leben des Menschen, ob er es nun wahrhaben will oder nicht.
Auch geistliche Wahrheiten bleiben für Menschen solange im Verborgenen, bis sie ihm durch Gottes Geist und Wort verständlich gemacht werden. Aus eigener Kraft wird ein Mensch Gottes Willen niemals verstehen können. Der Apostel Paulus schreibt, inspiriert durch den Heiligen Geist: „Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was vom Geist Gottes ist; es ist ihm eine Torheit und er kann es nicht erkennen; denn es muß geistlich beurteilt werden.“ (1Kor 2,14) Deshalb sind Texte der Bibel – für Menschen ohne Glauben an Jesus Christus – wie „böhmische Dörfer“. Sie lesen Gottes Wort, verstehen es aber nicht oder nur aus Sicht eines Geschichtshistorikers oder Philosophen. Es sei denn, auch sie werden bei Lesen der Bibel durch Gottes Geist zur Erkenntnis geführt, daß Gottes Wort die Wahrheit und nichts als die Wahrheit ist.
Das tiefe und wahre Verstehen der biblischen Botschaft schenkt allein Gott dann einem Menschen, wenn er dem Evangelium sein Herz öffnet. Dann betet er, wie der Psalmist: „Unterweise mich, daß ich bewahre dein Gesetz und es halte von ganzem Herzen.“ (Ps 119,34) Selbst die Jünger Jesu verstanden vieles von dem nicht, was ihnen Jesus lehrte. Immer wieder mußte ihnen der HERR auch anhand von Gleichnissen erklären, was Gott ihnen sagen will und welchen Auftrag sie haben. Nachdem Jesus von den Toten auferstanden war „öffnete er ihnen das Verständnis, so daß sie die Schriften verstanden.“ (Lk 24,45)
Die Redewendung „Das sind für mich böhmische Dörfer!“ kann durchaus ein Ausdruck von Resignation sein. Doch Gott warnt in Seinem Wort vor geistlicher Trägheit und ermutigt zum Verstehenwollen: „Weisheit mußt du mit Weisheit erwerben. Verschaff dir Einsicht mit allem, was du hast!“ (Spr 4,7) Sei also bereit zum Lernen und zum Hören auf Gottes Wort. Bist du wiedergeboren in Christus, dann wird dir der Geist Gottes das Verstehen Seines Willens schenken. Dann aber lege Hochmut und Überheblichkeit beiseite, denn nur Gott ist allwissend! „Verlaß dich auf den HERRN von ganzem Herzen, und verlaß dich nicht auf deinen Verstand, sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen.“ (Spr 3,5-6)
Ohne Gottes Offenbarung durch Jesus Christus im Heiligen Geist bleiben viele Fragen unbeantwortet: Wer ist Gott? Wer bin ich? Warum existiert das Böse? Wozu gibt es Leid in der Welt? Was geschieht nach dem Tod? Wie kann ein Mensch gerettet werden? Erst nachdem du dein altes Leben ohne Gott „zu den Akten“ gelegt hast und mit Jesus ein neues Leben beginnst, werden die Botschaften der Bibel für dich keine „böhmischen Dörfer“ mehr sein. Stück für Stück wirst du reicher an Erkenntnis. „Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Erkenntnis. Weisheit und Zucht verachten nur die Narren.“ (Spr 1,7)
