
von Thomas Schneider
Die sprichwörtliche Redewendung „Vornehm geht die Welt zugrunde“ kann auf keinen konkreten historischen Ursprung zurückgeführt werden. Sie beschreibt aber, die gesamte Geschichte hindurch, immer wieder die Einstellung und das Verhalten von Menschen, die selbst in schweren Krisen großen Wert auf Prunk und Schein legen. Beispielgebend ist der verarmte Adel Anfang des 20. Jahrhunderts.
Nicht nur in den zurückliegenden Jahrhunderten hielten sich Großköpfige zu Lasten des Volkes krampfhaft an ihren Privilegien fest. Auch heute hocken führende und einflußreiche Personen wie „Klimakleber“ auf Stühlen, die ihnen selbst in Krisenzeiten als Goldesel unverdienten Wohlstand mit einer kräftigen Portion Etikette sichern. Das immer mehr verarmende Volk scheint ihnen dabei völlig gleichgültig zu sein.
Insbesondere Menschen in Führungsebenen legen großen Wert auf Ansehen und (im Machtkampf unter ihresgleichen) auf ein luxuriöses Leben. Ein vornehmes Erscheinungsbild ist ihnen wichtiger als Ehrlichkeit und vernünftiges, verantwortungsvolles Handeln. Bestenfalls sitzen solche Menschen auf der Regierungsbank und werden vom steuerüberlasteten Volk finanziert.
Die Bibel verwirft unwürdiges, ehrloses Verhalten von Menschen, die darauf bedacht sind, nur sich und (wie es in einer anderen Redewendung heißt) „ihre Schäfchen ins Trockene bringen“. Wer nur darauf bedacht ist, seine Pfründe zu sichern, eigene Vorteile mit allen Mitteln zu verteidigen, wird am Ende scheitern (Spr 16,18). Über die religiösen Führer seiner Zeit sagt Jesus: „Sie binden schwere und unerträgliche Bürden und legen sie den Menschen auf die Schultern; aber sie selbst wollen keinen Finger dafür rühren. Alle ihre Werke aber tun sie, damit sie von den Leuten gesehen werden.“ (Mt 23, 4-5a)
„Vornehm geht die Welt zugrunde“ steht im Widerspruch zum Willen Gottes. Für Jesus Christus gilt nicht: Wahre den Schein, sei bedeutend und angesehen; sondern: „Wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein.“ (Mk 10, 43b) Nicht Selbstdarstellung und Selbsterhöhung, sondern Demut erwartet Gott von Seinen Menschen. Die Welt geht zugrunde, weil sie voller sündhafter Menschen ist. Genau deshalb ist Jesus gekommen, um die Sünde der Welt auf Sich zu nehmen.
„Der Schein trügt“, heißt es in einer anderen bekannten Redensart. Hast du auch schon die Erfahrung machen müssen, daß dein erster Eindruck von einer Sache oder von einer Person vollkommen falsch war, weil sie der Wirklichkeit nicht entsprach, also „mehr Schein als Sein“ war? Sei dir immer bewußt: Gott schaut hinter die Fassade. ER erkennt, was Heuchelei und was Wahrhaftigkeit ist. In der Endzeit fallen alle Masken, „denn die Menschen werden viel von sich halten … sie haben den Schein der Frömmigkeit“ (s. 2Tim 3). „Solche Menschen meide“, heißt es dort. Lebst du in der Wahrheit des Christus, dann brauchst du keine Maske!
