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Die Kleinen hängt man, die Großen läßt man laufen

Geschrieben von Thomas Schneider am 31. Oktober 2026

Foto: Modellbild

von Thomas Schneider

Fest steht: Bislang hat es keine Gesellschaftsordnung in dieser Welt gegeben, in der es vollkommen gerecht zugegangen wäre – weder in Monarchien, erst recht nicht im Nationalsozialismus oder im Kommunismus, aber auch nicht in einer Demokratie. Vollkommene Gerechtigkeit kann und wird es niemals geben, weil der Mensch als Sünder vor Gott das grundsätzliche Übel aller Ungerechtigkeit ist. Somit wird das bekannte deutsche Sprichwort „Die Kleinen hängt man, die Großen läßt man laufen“ bis zur Wiederkunft Christi seine traurige Gültigkeit haben.

Brach ein Kaiser oder König aus Ruhmsüchtigkeit einen Krieg vom Zaun, plünderte die Staatskasse oder ließ unliebsame Menschen ermorden, konnte er von keinem weltlichen Gericht verurteilt werden. Mit der Einführung von Verfassungen wurde zwar die Gleichheit vor dem Gesetz rein theoretisch verankert, in der Praxis aber blieb das System tief gespalten. Schon damals herrschte eine Klassenjustiz, die bis hinein in die heutige Demokratie greift, weil Gesetze mißachtet werden, Ideologien herrschen und Macht korrumpiert.

In allen Gesellschaftsformen fällt das Sprichwort „Die Kleinen hängt man, die Großen läßt man laufen“ ein berechtigtes Urteil: Einfache, mittellose Menschen werden oft hart bestraft; namhafte, einflußreiche, wohlhabende Menschen werden vor Bestrafung verschont. Mit anderen Worten: Die Geringen werden bestraft, die Mächtigen bleiben ungestraft. Dabei handelt es sich jedoch um keine allgemeingültige Wahrheit.

Die Bibel zeigt konsequent, daß weltliche Macht vor Gottes Gerechtigkeit nicht schützt. Vor Gott sind alle Menschen gleich. Könige und Herrscher unterliegen denselben moralischen Maßstäben wie jeder andere auch. Hochmut und Selbstvergötterung ziehen Gottes Eingreifen nach sich.

Der ägyptische Pharao (2. Mose 7-14) fragte spöttisch: „Wer ist der HERR, daß ich seiner Stimme gehorchen müßte?“ (2Mo 5,2). Daraufhin verhängte Gott zehn verheerende Plagen über Ägypten, am Ende ertrank das gesamte Heer des Pharaos bei der Verfolgung der Israeliten im Roten Meer. – König Nebukadnezar von Babylon (Dan 4) rühmte sich selbst mit den Worten: „Das ist das große Babylon, das ich erbaut habe zu einem königlichen Sitz durch meine gewaltige Macht und zu Ehren meiner Herrlichkeit!“ Noch während er sich rühmte, verlor er den Verstand und lebte sieben Jahre lang wie ein Tier auf dem Feld und fraß Gras. Erst als er Gottes Souveränität anerkannte, erhielt er Verstand und Thron zurück. – Auch Herodes wurde von Gott geschlagen (Apg 12,21–23) – Ahab und Isebel empfingen Gottes Gericht (1. Könige 21; 2. Könige 9). Um nur einige Beispiele zu nennen.

Gottes Wort begründet die sprichwörtliche Ungerechtigkeit „Die Kleinen hängt man, die Großen läßt man laufen“ nicht mit weltlichen Systemen und Gesellschaftsordnungen, sondern mit dem sündigen Herzen des Menschen. Nicht die Stellung des Menschen ist das eigentliche Problem, sondern seine Rebellion gegen Gott. Schon der Prophet Jeremia stellt fest und fragt: „Trügerisch ist das Herz, mehr als alles, und unheilbar ist es. Wer kennt sich mit ihm aus?“ (Jer 17,9) Gott kennt des Menschen Herz und weiß um alle Ungerechtigkeit und Schuld.

Wenn Regierungsbeamte oder politische Amtsträger Unrecht tun, dann deshalb, weil sie Sünder sind. Entscheidend ist, ob sie aus Unwissenheit oder mit Vorsatz sündigen. In 5.Mose 10,17 heißt es: „Denn der HERR, euer Gott, ist der Gott aller Götter und der Herr über alle Herren, der große Gott, der Mächtige und der Schreckliche, der die Person nicht ansieht und kein Geschenk nimmt…“ Der HERR aller Herren ist unbestechlich. Bei Gott gibt es keine Bevorzugung, kein Ansehen der Person (Röm 2,11). Vor Gott gibt es weder „Kleine“ noch „Große“, sondern nur Geschöpfe, die Gott gegenüber verantwortlich sind.

Aus diesen Gründen kann mit Fug und Recht gesagt werden: Das Sprichwort „Die Kleinen hängt man, die Großen läßt man laufen“ widerspricht dem Wesen Gottes. Die Sündigkeit des Menschen hat nicht das letzte Wort. Weltliche Gerichte können versagen, nicht aber das Gericht Gottes. Besonders Menschen auf Führungsebenen neigen sehr oft dazu, Gottes Gebote mit Füßen zu treten. Deshalb warnt ER: „Du sollst das Recht nicht beugen.“ (5Mo 16,19)

Was geht in deinem Herzen vor, wenn du das Sprichwort hörst: „Die Kleinen hängt man, die Großen läßt man laufen“? Bist du verbittert? Will sich Neid breitmachen? Richtest du deinen Blick auf das Weltliche? Unterstellst du vielleicht sogar Gott, ER sei ungerecht? „Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen heraus die bösen Gedanken…“ (Mk 7,21a). David beruhigt dein Herz im Auftrag Gottes: „Entrüste dich nicht über die Übeltäter, beneide nicht die, welche Böses tun!“ (Ps 37,1)

Das Endgericht Gottes kippt das Sprichwort „Die Kleinen hängt man, die Großen läßt man laufen“. Denn dann steht der König neben dem Bettler, der Bundeskanzler neben dem Flaschensammler, der Richter neben dem Angeklagten. Jeder wird nach Gottes vollkommenen, gerechten Maßstab gerichtet. Das Sprichwort ist nur eine vorübergehende, aber keine endgültige Wahrheit. Die Bibel lehrt nicht, daß „die Großen laufen gelassen werden“, sondern daß Gott jeden Menschen zur Rechenschaft ziehen wird und daß es bei IHM kein Ansehen der Person gibt.

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