
von Thomas Schneider
„Mit dem Rücken zur Wand stehen“ ist eine Redewendung, die darauf hinweist, daß sich eine Person, eine Personengruppe oder eine führende gesellschaftliche Kraft in einer extrem ausweglosen Situation befindet und ihr kaum noch Handlungsspielraum bleibt.
Kommt es beispielsweise zu einem totalen Staatsversagen, dann stehen Regierende „mit dem Rücken zur Wand“, können nach hinten nicht mehr ausweichen und sind gezwungen, entweder die heraufbeschworene Krise durch Reformen kurzfristig in den Griff zu bekommen oder dem Volk – wie ein in die enge getriebenes Raubtier – den Kampf anzusagen: Gesetze werden umdefiniert oder mißachtet, staatliche Behörden mißbraucht usw. Als letztes Mittel wird (vor dem kriegerischen „Verteidigungsfall“) der „Spannungsfall“ ausgerufen, der den Regierenden über „Notstandsgesetze“ sprichwörtlich die nötige „Luft zum Atmen“ verschafft, um beispielsweise Neuwahlen zu verhindern und bei Aufruhr nötigenfalls die Armee gegen das Volk einzusetzen.
So kann es auch im persönlichen Leben eines Menschen Situationen geben, wo er bedrängt wird und keine Rückzugsmöglichkeit mehr sieht. Dadurch ist er dem jeweiligen Zustand vollkommen ausgeliefert oder er handelt in einer Weise, die er im Normalfall nicht in Betracht gezogen hätte. „Mit dem Rücken zur Wand stehen“ wird für jeden Menschen erst in einer konkreten Lebenssituation deutlich: Die Rechnungen stapeln sich, es ist kein Arbeitsangebot in Sicht. In finanzieller Not kommen schnell Gedanken, wie sie aus einem Sprichwort bekannt sind: „Mir wächst gerade alles über den Kopf!“
Das alttestamentliche Buch 2. Könige berichtet im 4. Kapitel von einer Witwe, deren Ehemann verstorben ist. Nun kommt der Gläubiger und will für das Geld, das die Familie schuldet, die beiden Söhne der Witwe versklaven. Sie steht quasi „mit dem Rücken zur Wand“ und klagt ihre finanzielle Not dem Propheten Elisa. Das Einzige, was die Witwe besitzt, das ist ein Rest kostbares Öles. – Nun, es ist sehr lehrreich, daß der Prophet ihr nicht einfach das nötige Geld in die Hand drückt, sondern sie und ihre beiden Söhne in die Lösung der verfahrenen Situation einbindet. Also Hilfe zur Selbsthilfe. Er schickt die Witwe los, um von ihren Nachbarn leere Flaschen zu erbitten, die sie mit dem Rest des kostbaren Öles befüllen soll. Von dem Erlös des verkauften Öles kann sie ihre Schulden bezahlen, die Familie ernähren und verhindert die Versklavung ihrer Söhne. Bei diesem Geschehen fällt besonders auf, daß die eingesammelten Flaschen bis auf das Stück genau zum Befüllen mit Öl gereicht haben. Als die Witwe noch mehr Flaschen befüllen will und zu einem der Jungen sagt: „Gib mir noch eins!“ (so ist eben der Mensch!), da sagt er zu ihr: „Es ist keins mehr da.“ Und genau in diesem Moment hört auch das Öl auf zu fließen.
Es gibt weitaus mehr Beispiele, die einen Menschen „mit dem Rücken zur Wand“ stehen lassen. Die Diagnose des Arztes lautet Krebs, Ängste und Unsicherheiten treiben den Kranken „mit dem Rücken zur Wand“. – Streit in der Familie, die Ehe steht auf der Kippe, keine Versöhnung in Sicht: Eheleute und Kinder stehen „mit dem Rücken zur Wand“. – Falsch getroffene Entscheidungen: Sie drücken den „Rücken zur Wand“. Zu jedem der genannten Beispiele gibt es kein Versuchsmodell. Es handelt sich immer um dasselbe, nur in einem anderen Muster. Die Konrolle über sein eigenes Leben scheint verloren zu gehen, eigene Lösungen sind kaum greifbar. Die Zukunft ist verschwommen, oft sogar sehr bedrohlich.
Richte deinen Blick nicht zur Wand! Denn dann lebst du in Angst und Bitterkeit. Richte deinen Blick auf den Heiland und Retter Jesus Christus. Vertraue IHM, auch in ausweglosen Situationen. Wende dich zu IHM im Gebet mit Danken, Bitten und Flehen. Gerade in Zeiten der Not – finanzieller Bankrott, Krankheit, Sinnkrise, Schuld, zerbrochene Beziehungen usw. – läßt dich Gott erkennen, daß du dich nicht selbst aus dem Sumpf herausziehen kannst.
Glaubst du, daß dir der HERR helfen kann oder zweifelst du an Seiner Allmacht? Was du unter „Ich bin am Ende“ verstehst, ist für Gott – wie bei der Witwe – der Anfang der Nothilfe. Der HERR nutzt auch Notsituationen, um dir Gutes zu tun, weil du dich vielleicht auf einem falschen Weg befindest. Scheinen alle deine Möglichkeiten erschöpft, bleibt Gott treu und handlungsfähig. Vergiß dabei nicht: Gott greift nicht immer sofort ein, ER wartet oft darauf, wie du dich IHM gegenüber verhältst: ob für dich Ausweglosigkeit bedeutet, weil du dich von IHM verlassen fühlst oder ob du mit IHM gemeinsam nach den besten Lösungen suchst. Stehst du wirklich „mit dem Rücken zur Wand“, dann ist das deine Chance zu erkennen, daß alle Hoffnung bei Gott liegt. Selbst dann, wenn du dich in schlimmste Sünden verstrickt hast und du „mit dem Rücken zur Wand stehen“ solltest.
