
von Thomas Schneider
Die Redewendung „Kleider machen Leute“ stammt aus der Novelle des Schweizer Dichters Gottfried Keller (1819-1890) und beschreibt, wie Menschen in ihrer Umgebung wahrgenommen werden. Sie werden danach beurteilt, wie ihr Äußeres bei anderen ankommt, wobei Kleidung und Körperpflege eine entscheidende Rolle spielen. Daraus wird (manchmal auch irrtümlich!) ein gehobener sozialer Status abgeleitet, bei dem Wohlstand und innere Werte gleichgesetzt werden. Manch einer, der aus gehobener Stellung kommt und wirklich (nach einer anderen Redewendung) „etwas auf dem Kasten“ hat, präsentiert sich hingegen in der Öffentlichkeit – volkstümlich gesprochen – „wie ein Schluck Wasser“.
Trainer in Wirtschaft, Bildung und Handel sprechen von „nonverbaler Kommunikation“. Das heißt: Ohne nur ein Wort gesprochen zu haben, sei der erste Eindruck – welcher „Kategorie“ ein Mensch zuzuordnen ist – entscheidend für den Fortgang sich anschließender Gespräche und zukunftsweisender Entscheidungen.
An dieser Stelle ist bereits ein Achtungszeichen zu setzen. Elegante Kleidung und angenehmer Parfümgeruch können darüber hinwegtäuschen, daß sich hinter der noblen Fassade „ein anderer Mensch“ verbirgt. So mag die Redewendung „Kleider machen Leute“ einen positiven Klang haben, mahnt aber zugleich zur Wachsamkeit, das Erscheinungsbild tiefgründiger zu beleuchten, sich vom Äußeren nicht blenden zu lassen und es nicht mit dem inneren Kern des Menschen zu verwechseln.
Gott wählt Menschen nicht nach ihrem Äußeren, sondern nach dem Herzen. Im Krieg gegen die Philister hatte Saul vollkommen versagt. Samuel mußte ihm deshalb im Auftrag Gottes prophezeien: „Aber nun wird dein Königtum nicht bestehen. Der HERR hat sich einen Mann gesucht nach seinem Herzen, und der HERR hat ihn bestellt zum Fürsten über sein Volk; denn du hast das Gebot des HERRN nicht gehalten.“ (1Sam 13,14; Apg 13,22)
Die Bibel verleugnet nicht, daß der äußere Eindruck eines Menschen durchaus frappierende Wirkung zeigen kann. Nach dem Willen Gottes soll Saul nicht länger König sein über Israel und fordert den Propheten Samuel auf, nach Bethlehem zu reisen. Da Samuel Angst hat, Saul könnte ihn töten, tarnt er seine Reise als Einladung zum Opferfest für den HERRN. Als Samuel die Söhne Isais sieht, ist er von ihnen völlig beeindruckt und hält den „Eliab“ wegen seines äußeren Erscheinungsbildes für den Gesalbten. Doch Gott muß seinen Propheten korrigieren: „Sieh nicht an sein Aussehen und seinen hohen Wuchs; ich habe ihn verworfen. Denn es ist nicht so, wie ein Mensch es sieht: Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.“ Gott erwählt aus den sieben Söhnen Isais dessen jüngsten Sohn, David, zum König und läßt ihn vom Propheten salben (1Sam 16, 1ff.).
Die Korrektur Gottes in der Bewertung anderer Menschen gilt als Lehrstück auch für dich: „…der HERR aber sieht das Herz an.“ Kleidung und körperliche Schönheit mögen vor Menschen Eindruck machen, nicht aber vor Gott. Für IHN sind Charakter und Motive eines Menschen ausschlaggebend. Das sollte auch für dich maßgebend sein, sonst besteht die Gefahr, das äußere Erscheinungsbild mit innerer Wahrheit zu vertauschen oder (wie es in einer anderen Redewendung heißt: „in einen Topf zu werfen“. Solltest du in einem Alter sein, wo du auf Brautsuche gehst, dann erinnere dich an Gottes Wort und daran, daß „Kleider“ nicht immer „Leute“ machen. Lasse dir Zeit und schaue das Herz an. Das gilt übrigens auch für alle anderen Lebensbereiche.
