
von Thomas Schneider
Wenn der Mensch seine wahren Absichten, Pläne, Kalküle oder Strategien vor anderen geheim hält, dann greift die Redewendung: „Sich nicht in die Karten schauen lassen“. Sie hat ihren Ursprung im Kartenspiel und bedeutet, daß ein Spieler dann seinen strategischen Vorteil verliert, wenn er seine Karten offen zeigt. Manchmal wird diese Redensart auch für Geheimnistuerei, Vertuschung, Mauschelei oder Diskretion verwendet.
Die Blauäugigkeit so mancher deutscher Unternehmer, chinesischen Delegationen Entwicklungspläne und -muster für neue Produkte zu zeigen, hat sich meist schon nach kurzer Zeit bitter gerächt. Es wäre sehr klug gewesen, „sich nicht in die Karten schauen zu lassen“. So ist es, wenn keine gesunde Skepsis an den Tag gelegt wird, also wenn anderen nicht zugetraut wird, Vertrauen und Gutmütigkeit für eigene Innovationen und Gewinne zu mißbrauchen.
Wir leben in einer Zeit, in der die Regierenden mit teilweise unredlichen, gesetzwidrigen Mitteln versuchen, jedes Erstarken der Opposition im Land (ähnlich wie einst in der DDR) zu unterbinden. Der Hauptgrund: Die große Angst, eine neue Regierung könnte in ihre „Karten“ schauen, gegebenenfalls Korruption und Machtmißbrauch aufdecken und zur Anklage bringen. Aus welchem Grund sonst sollten Machtmittel auf undemokratische Weise zum Einsatz kommen?
Die Bibel, Gottes Wort, behandelt an vielen Stellen den Umgang mit Offenheit, aber auch mit Weisheit, Aufrichtigkeit, und Verschwiegenheit. Es kann – wie es am o.g. Beispiel mit chinesischen Delegationen deutlich wird – sehr weise sein, nicht alles preiszugeben. In Sprüche 12,23 heißt es: „Ein verständiger Mann trägt seine Klugheit nicht zur Schau; aber das Herz des Toren schreit seine Torheit hinaus.“ Auch Sprüche 17,28 beflügelt zum Nachdenken: „Auch ein Tor, wenn er schwiege, würde für weise gehalten und für verständig, wenn er den Mund hielte.“
Es gilt immer, im Umgang mit anderen Vorsicht walten zu lassen und „sich nicht in die Karten schauen zu lassen“. Es ist aus Sicht der Bibel legitim, nicht jedem alles anzuvertrauen – vor allem dann nicht, wenn der andere Anvertrautes nicht für sich behalten und es zum Stadt- oder Dorfgespräch oder sogar zur Gefahr werden kann. Als Jesus in Jerusalem beim Passafest war, da glaubten viele an seinen Namen, da sie die Zeichen sahen, die er tat. Weiter heißt es dazu im Johannesevangelium 2,24: „Aber Jesus vertraute sich ihnen nicht an; denn er kannte sie alle.“ Jesus wußte, daß man ihn später (wie es in einer anderen Redewendung heißt) „zur Strecke bringen“ will. In Matthäus 7,6 warnt Jesus: „Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben, und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen, damit die sie nicht zertreten mit ihren Füßen und sich umwenden und euch zerreißen.“
Gottes Wort unterscheidet also zwischen kluger Zurückhaltung und bewußter Täuschung und Heuchelei. Zum Negativen heißt es im Psalm 12,3: „Einer belügt den anderen. Mit ihren Worten schmeicheln sie und spielen doch ein doppeltes Spiel.“ – „Sich nicht in die Karten schauen lassen“ ist nicht biblisch, wenn es bedeutet: andere zu manipulieren, bewußt zu täuschen, falsch zu spielen. Das Grundkonzept der Bibel ist: Wahrhaftigkeit vor Gott und den Menschen. „Denn wir sehen darauf, daß es redlich zugehe nicht allein vor dem Herrn, sondern auch vor den Menschen.“ (2Kor 8,21)
Sei also klug und lasse dir vom HERRN die Weisheit schenken, Gutes vom Bösen zu unterscheiden, Manipulation und Täuschung zu durchschauen. Auch wenn du nicht alles sagst, darf das, was du sagst, nicht falsch noch irreführend sein. Jesus Christus schenke dir im Umgang mit der Redewendung „Sich nicht in die Karten schauen lassen“ rechte Wegweisung, Schutz und vor allem die Erkenntnis zur Wahrheit.
