
von Thomas Schneider
Es gibt sie, die knackige Redensart, bestehend aus nur einem einzigen Wort: „Flachzange“. Ursprünglich kommt dieser Begriff aus einer ganz normalen Werkstatt und beschreibt ein mechanisches Handwerkszeug mit zwei meist innen geriffelten Greifbacken. Eine Flachzange verhindert das Abrutschen der zu haltenden Teile, wie beispielsweise Bleche, Drähte, Schrauben oder Muttern.
In zwischenmenschlichen Beziehungen gilt „Flachzange“ als schmähliches Urteil. Bezeichnet ein Lehrer einen seiner Schüler als „Flachzange“, dann will er damit zum Ausdruck bringen, daß dieser unfähig sei, beispielsweise in seinem Schulranzen (übersetzt: Tornister, Schultasche…) Ordnung zu halten oder seine Hausaufgaben pünktlich und korrekt zu erledigen. – Spricht ein Meister über seinen Lehrling: „Na, du bist mir eine Flachzange!“, dann bringt er seinen Unmut darüber zum Ausdruck, daß sein Lehrling – wie es sprichwörtlich heißt – „nichts auf die Reihe bringt“. Unklar dabei bleibt, ob der Berufsanfänger wirklich unbegabt ist und er wohl besser einen anderen Beruf erlernt hätte oder ob er in Wahrheit nur träge ist und „keinen Bock“ (keine Lust) hat.
Von den deutschen Tugenden wie Pünktlichkeit, Fleiß, Pflichtbewußtsein, Ordnungssinn, Sparsamkeit, Disziplin und Ehrlichkeit wollen leider viele Menschen in unserem Land kaum noch etwas wissen. Einerseits werden diese Tugenden von einem bunten Konglomerat ideologisch aufgeladen und in die rechtsextreme Ecke manövriert. Andererseits hinterläßt auch die Überfremdung mit anderen Kulturen, Sitten und Gebräuchen deutlich ihre Spuren. Beides kann keine Entschuldigung für angepaßtes „Flachzangenverhalten“ sein.
Bezeichnet der Bürger Regierende und politisch Verantwortliche als „Flachzange“, dann handelt es sich zumeist um berechtigten Frust über deren Versagen, um grobe oder bewußt zugelassene oder gar initiierte Fehlentscheidungen zu Lasten des Volkes. Einen Politiker aufgrund seines gotteslästerlichen und volksfeindlichen Handelns als „Flachzange“ zu bezeichnen, ist zwar hart, aber nicht sündhaft. Gott fordert Gerechtigkeit und Wahrheit von jeder Obrigkeit: „Denn sie ist Gottes Dienerin, dir zugut.“ (Röm 13,4) Handeln Regierende nicht als Diener Gottes, sind sie gleich einer „Flachzange“.
Eine „Flachzange“ in der Politik ist ein Mensch, der sein Handwerk nicht versteht und mit dem falschen Werkzeug (eben mit einer Flachzange) große Hebelwirkung erzielen will. Ihm fehlt es an Kraft und Durchsetzungsvermögen. Zudem meint er, alles richtig zu machen und läßt Kritik wegen unverhältnismäßiger Maßnahmen im Keim ersticken oder einfach ins Leere laufen. Wenn Bürger die Redensart „Flachzange“ verwenden, zeigt das ihre tiefe Frustration, sie fühlen sich von der Obrigkeit nicht mehr ernst genommen und im Stich gelassen, sie verlieren vor ihr den nötigen Respekt.
Gott verlangt in Seinem Wort keineswegs Blindheit, Blauäugigkeit oder Vertrauensseligkeit gegenüber staatlicher Obrigkeit. Durch Seine Propheten ließ Gott viele Könige, Fürsten und Richter immer wieder wegen Unterdrückung der Menschen, Korruption und Rechtsbeugung anklagen. So beauftragte ER beispielsweise seinen Propheten Elia, dem Götzendiener Ahab zu sagen, daß dieser „des HERRN Gebote verlassen“ und „Israel ins Unglück gestürzt“ hat (1Kön 18,17-18). Johannes der Täufer tadelte die Blutschande (3Mo 18,16) von Herodes Antipas, der seinem Bruder Philippus die Ehefrau ausgespannt und dann selbst geheiratet hat. Für seine öffentliche Kritik an diesem Skandal gegen Gottes Ordnung wurde Johannes enthauptet. (Mt 14,1-12)
Regierende stehen nicht über Gott! Im Psalm 2 wird die Ordnung ausdrücklich bestätigt, daß alle Mächtigen unter Gottes Herrschaft stehen. Und Jesus sagt zu Pilatus in Johannes 19,11: „Du hättest keine Macht über mich, wenn es dir nicht von oben gegeben wäre.“ Politische Macht ist immer von Gott geliehene Macht. Jeder Politiker wird gegenüber Jesus Christus Rechenschaft geben müssen, wie er sie gebraucht hat. Das ist für alle, die von der Obrigkeit unterdrückt und mundtot gemacht werden, ein großer Trost. Möge jeder erkennen, daß Gott regiert und nicht der Mensch. Jeder Mensch, der diesen Grundsatz ins Gegenteil verkehrt, ist wahrlich eine „Flachzange“.
