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Zu Kreuze kriechen

Geschrieben von Thomas Schneider am 5. Juli 2026

Foto: Modellbild

von Thomas Schneider

Der Mitarbeiter eines Unternehmens kritisiert lautstark eine Entscheidung des Chefs. Als er merkt, dass seine Beförderung in Gefahr ist, nimmt er alles zurück, entschuldigt sich unterwürfig und stimmt dem Chef in allen Punkten zu. – Ein Politiker wettert gegen ein neues Gesetz. Sobald er jedoch merkt, dass seine eigene Partei ihn deshalb ausschließen will, revidiert er seine Meinung öffentlich und lobt das Gesetz plötzlich als „notwendigen Schritt“. Im Weltlichen bedeutet „zu Kreuze kriechen“, daß der Mensch nach anfänglichem Widerstand klein beigibt und sich demütig unterwirft.

Ihren wahren Ursprung hat die Redensart „zu Kreuze kriechen“ im religiösen Kult der Römisch-Katholischen Kirche. Sie vertritt die Irrlehre, sie sei die einzig wahre von Jesus Christus direkt gestiftete Gemeinschaft in ununterbrochener Nachfolge des Apostels Petrus. Das demütige „Kriechen“ oder Rutschen auf den Knien zum Kreuz war über Jahrhunderte, bis in die Neuzeit hinein, katholischer Opferritus zur Vergebung der Sünden, eine Art Ablaß und fester Bestandteil der Volksfrömmigkeit, insbesondere am Karfreitag. Wer schwere Sünden begangen hatte, mußte oft öffentlich „zu Kreuze kriechen“, um wieder in die Kirchengemeinschaft aufgenommen zu werden. Die katholische Kirche vertritt die Ansicht, daß die Seele durch die Demütigung des Leibes gereinigt werde. Obwohl die extreme, physische Form des „Kriechens“ auf harten Steinböden später durch Niederknien und Verneigung vor dem Kreuz abgeschwächt wurde, wird sie bis heute in manchen Karfreitagsprozessionen gepflegt.

Das Kreuz ist nach der Bibel kein Ort, zu dem man „kriechen“ muß, um gerettet zu werden, sondern der Ort des Leidens und Sterbens des Gottessohnes Jesus Christus, Seine völlige Hingabe zur Erlösung der Welt von ihrer Gottlosigkeit. Gott will nicht, daß der Mensch „zu Kreuze kriecht“; ER bietet durch das Blutvergießen Seines eigenen Sohnes die Vergebung der Sünden an. Der sündige Mensch bekennt vor Gott alle Vergehen, die er in Gedanken, Worten und Werken begangen hat (wodurch er den Zorn Gottes auf sich gezogen und Seine Strafe in Zeit und Ewigkeit verdient hat) und erfährt von diesem gnädigen, barmherzigen Gott durch Christus Vergebung. Das ist Gottes Liebe über Sünder! Menschen, die Seine Liebe in Ehrfurcht erwidern, werden am Ende – wie es in einem Lied von Peter Strauch heißt – „sein wie die Sonne, die aufgeht in ihrer Pracht“.

Die Bibel kennt Demut und Ehrfurcht vor Gott, aber kein erzwungenes „Kriechen“, Niederknien oder Verbeugen vor einem Kreuz. Für die ersten Christen war das Kreuz ein Zeichen der schändlichen Hinrichtung und nicht ein Gegenstand der Anbetung. Wiedergeborene Christen beten kein Kreuz an, sondern zu Jesus Christus, den gekreuzigten und auferstandenen Heiland, Retter und Erlöser. Die Prophezeiung im Philipperbrief 2,10, „daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind“, bezieht sich auf die Anbetung des Messias Jesus. Wenn der Apostel Paulus im Galaterbrief 6,14 betont, sich allein des Kreuzes Jesu Christi zu rühmen, dann bedeutet das die dankbare Annahme des Erlösungswerkes im Glauben und nicht die körperliche Niederwerfung vor einem Kreuz – noch dessen Verehrung.

Weder vor Menschen, noch vor einem Objekt sollst du „zu Kreuze kriechen“, sondern über die ehrliche Bußbereitschaft deines Herzens dem von den Toten auferstandenen Christus Ehre und Anbetung bringen. Dein geistlicher Brückenbau hin zu Gott gelingt einzig und allein über Jesus. Demütige dein Herz vor Gott, so wirst du nicht in die Abgrundtiefen dieser Welt fallen. Nur Jesus rettet dich von Sünde und ewigem Tod.


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