
von Thomas Schneider
Die Redewendung „sich an die eigene Nase fassen“ soll ihren Ursprung im altdeutschen Rechtssystem haben. Ein vom Gericht verurteilter Mensch musste sich bei einem durch Zeugen nachgewiesenen Tatbestand der Beleidigung oder Verleumdung rituell an die eigene Nase fassen. Damit musste er ein öffentliches Zeichen dafür setzen, dass er seine Anschuldigungen widerruft und sich bessert.
Heute fehlt es an solchen schlagkräftigen Gesten der Selbsterkenntnis. Insbesondere vom Staat finanzierte Denunzianten (NGO´s) sei das ins Stammbuch geschrieben. Eine Regierung sollte sich angesichts Deindustrialisierung, des Totalabstiegs in Bildung, Sicherheit, Gesundheit, Renten- und Sozialsystemen usw. „an die eigene Nase fassen“, bevor sie den Bürgern Fehlverhalten in Familie und Beruf und mangelndes Engagement für das Gemeinwesen unterstellt. Eine Regierung, die Kinder kriegstüchtig machen will, mit Steuergeldern Kriege finanziert, sich die eigenen Taschen füllt, Milliarden für Sinnlosigkeiten in den Sand setzt und die massenhafte Einwanderung in die Sozialsysteme vorantreibt, sollte dringend Selbstkritik üben.
In der Wirtschaft ist es nicht anders. Manche Chefetage muss sich angesichts miserabler Wirtschaftsdaten „an die eigene Nase fassen“ und die eigene Strategie überdenken, statt nur Arbeitern und Angestellten die Schuld zu geben, sie wären unfähig oder zu faul zum Arbeiten. Und bevor sich ein Mitarbeiter über die Unpünktlichkeit seines Kollegen beklagt, sollte er sich erst einmal „an die eigene Nase fassen“, wo er vielleicht das eine oder andere nicht auf die Reihe bekommt.
In Ehen und Familien müsste sich wohl des Öfteren so mancher „an die eigene Nase fassen“, wenn er hinter dem Rücken über einen anderen herzieht, ihn vis à vis beleidigt, ihm grundlos Vorwürfe macht. Selbstkritik beim Menschen setzt voraus, dass er sich nicht für etwas Besseres hält, sondern sein Gegenüber immer als Geschöpf Gottes sieht und ihm würdevoll begegnet.
Bist du bereit, dich selbst kritisch zu prüfen, eigene Schuld zu bekennen und Verantwortung für eigenes Fehlverhalten zu übernehmen, statt zuerst bei anderen Fehler zu suchen? Das biblische Prinzip lautet: Selbstprüfung vor Fremdbeurteilung. „Was siehst du aber den Splitter im Auge deines Bruders, den Balken aber in deinem Auge bemerkst du nicht?“ (Mt 7,3) Neigst du dazu, die Fehler anderer schnell zu sehen und die eigenen, oft größeren Fehler geschickt zu verharmlosen oder zu verbergen?
Der Apostel Paulus verstärkt diesen Gedanken: „Erforscht euch selbst, ob ihr im Glauben seid; prüft euch selbst!“ (2Kor 13,5) Das entspricht sehr genau dem Sinn der Redewendung „Sich an die eigene Nase fassen“. Lässt du von Jesus dein Herz, dein Denken und Handeln prüfen, dann ist das kein Selbstzweifel um seiner selbst willen, sondern ein Weg zur Wahrhaftigkeit vor Gott. Nimm im Blick auf deinen Nächsten die Worte ernst: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns vergibt…“ (1Joh 1,9) Es ist dem HERRN ein Wohlgefallen, wenn du vor IHM ehrlich wirst über dein eigenes Leben, bevor du über andere urteilst. Dazu schenke dir der HERR Jesus nötige Demut und Weisheit!
