
Thomas Schneider
Heute ist es zur geistlichen Unart verkommen, persönliche Befindlichkeiten, bedrückende Ereignisse und Intimitäten, die in eine seelsorgerliche Begleitung gehören, auf dem Podium der Öffentlichkeit vor aller Augen und Ohren auszubreiten. Besonders in charismatisch-pfingstkirchlichen Kreisen ist solche Unsitte anzutreffen, meist gepaart mit dem Drang nach Selbstdarstellung, Selbsterniedrigung (Kasteiung), bis hin zum Ergötzen an menschlichen Umtrieben.
Für einen Menschen, der Schlimmes erlebt hat, ist es notwendig, daß er ausspricht was ihn belastet. In erster Instanz soll er vor Jesus Christus, dem besten Seelsorger der Welt, „sein Herz ausschütten“. In zweiter Instanz ist es empfehlenswert, sich auf die Suche nach einem vertrauenswürdigen Glaubensbruder oder einer vertrauenswürdigen Glaubensschwester zu machen (je nachdem, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt). Seelsorge gehört weder auf Marktplätze noch in den Kaffeeklatsch oder an Stammtische!
Wenn dir beim Backen der Kuchen im Ofen verbrannt ist, da gehört das sicher nicht in ein Seelsorgegespräch mit dem HERRN. Da kannst du dir bestenfalls Rat von einer Glaubensschwester holen, die sich mit Backen auskennt oder du mußt beim nächsten Mal etwas besser aufpassen. Wenn du beim Rückwärtsfahren die Hauswand mitgenommen hast, das Auto eine Beule hat und du traust dich nicht, das deinem Ehepartner zu beichten, dann brauchst du keine Seelsorge von Jesus, sondern nur ein wenig Mut, der Wahrheit ins Auge zu sehen – und natürlich in die Augen deines Ehepartners.
Hast du aber beispielsweise eine sexuelle Beziehung, in der du ein Kind gezeugt hast und du weißt nicht, wie du mit dieser Situation umgehen sollst, dann bist du bei Jesus an der richtigen Stelle. Gottes Wort ist seelsorgerlich eindeutig klar: „Du sollst nicht morden.“ (2Mo 20,13) Ein Kind ist bereits vor seiner Zeugung ein Gedanke Gottes: „Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete…“ (Jer 1,5a)
In Klagelieder 2,19 heißt es: „…schütte dein Herz aus wie Wasser vor dem Angesicht des Herrn…“ Das Gebet ist der Ort des Ausschüttens. Der HERR antwortet durch Sein heiliges, seelsorgerliches Wort: „Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen laßt eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden!“ (Phil 4,6)
Klage und jammere nie ohne Zielorientierung, sondern immer mit Hinwendung deines Herzens zu Gott. In der Welt bedeutet „sein Herz ausschütten“: „Ich muß mir etwas von der Seele reden.“ Dabei geht es hauptsächlich um emotionale Entlastung. Psychologen und Psychotherapeuten können dir nicht wirklich helfen, weil deren Arbeit auf ein Weltbild baut, das dem der Bibel grundsätzlich widerspricht. Nach dem Wort Gottes ist nicht der Mensch die Mitte aller Seelsorge, sondern Christus.
Bei der samaritanischen Frau am Brunnen (Johannes 4) führt Jesus ein tiefes seelsorgliches Gespräch, das ihre Lebenssituation anspricht und ihr neue Hoffnung gibt. Jesus konfrontiert die Frau mit der Wahrheit, daß sie nicht nur keinen Ehemann hat, aber sexuelle Beziehungen mit mehreren Männern. Und dann sagt Jesus zu ihr: „Gott ist Geist, und die, die ihn anbeten wollen, müssen dabei von seinem Geist bestimmt und von Wahrheit erfüllt sein.“ Damit war für diese Frau klar, was sie zu tun hat.
Seelsorge ist bei Gott keine Einbahnstraße. Bringe deine Not, in der du steckst, ehrlich und aufrichtig vor den HERRN Jesus. Verlasse dich, wenn du zu IHM betest, nicht auf deine Gefühle, sondern allein auf Sein Wort und auf Seinen Plan mit deinem Leben. „Sein Herz ausschütten“ ist ein Akt des Glaubens und nicht menschlicher Emotionen. Eine Seelsorge, in der nicht die Wahrheit in das Licht Jesu Christi gebracht wird, taugt nicht und bleibt im Weltlichen hängen.
