
von Thomas Schneider
Die Redewendung „Farbe bekennen“ hat ihren Ursprung im Kartenspiel, beispielsweise beim Skat, Doppelkopf oder Schafkopf. Der Spieler muß „bekennen“, ob er die angespielte Farbe bedienen kann oder nicht. Wer Pik angespielt bekommt, muß Pik legen. Damit zeigt er offen, was er „auf der Hand“ hat. Aus solcher Spielregel entwickelte sich die Wertigkeit der Redensart „Farbe bekennen“: Der Mensch soll seine innere Haltung sichtbar machen.
Ist es heute überhaupt noch ratsam, die eigene Meinung öffentlich kundzutun – besonders dann, wenn eine bestimmte gesellschaftspolitische Menschengruppe das Recht auf Meinungsfreiheit für sich in Anspruch nimmt und ihr sich alle anderen Menschen unterzuordnen haben? „Farbe bekennen“ erfordert heute ausreichend Mut, Ausdauer und starkes Gottvertrauen, wenn jedes kritische Wort als strafwürdiges Vergehen eingestuft werden kann und Repressionen befürchtet werden müssen.
Mit dem Glauben an Gott ist es nicht anders. Ein Glaube, der nicht offen ausgesprochen wird, der ist tot, wie ein Körper ohne Atem. Ein wiedergeborener Christ kann gar nicht anders als „Farbe bekennen“ für seinen HERRN und Retter Jesus Christus. Jesus sagt im Matthäusevangelium (10,32-33): „Wer nun mich bekennt vor den Menschen, zu dem will ich mich auch bekennen vor meinem Vater im Himmel. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem Vater im Himmel.“
Das „Farbe bekennen“ für Christus stellt die Loyalität des Gläubigen unter Beweis. Wer Jesus ehrlichen Herzens als HERRN angenommen hat, wird sich in entscheidenden Momenten nicht für ihn schämen. Und erst recht dann nicht, wenn von Kirche und Welt Gottes heiliges Wort dem teuflischen Zeitgeist geopfert wird. Glaube im Herzen und Bekenntnis mit dem Mund gehören untrennbar zusammen.
„Farbe bekennen“ für den einen Gott, der sich im Vater, im Sohn und im Heiligen Geist offenbart, zeigt der sichtbaren und unsichtbaren Welt, wem du angehörst. Ein mutiges Bekenntnis stärkt die Gemeinschaft und gibt Menschen Orientierung, die nach dem Sinn ihres Lebens suchen. Wenn du klar Stellung beziehst, dann bist du weniger anfällig für Kompromisse mit zeitgeistgeprägten, falschen Lehren.
Wie kann „Farbe bekennen“ im Lebensalltag aussehen? Auf die Frage „Was hast du denn am Sonntag gemacht?“ kannst du freimütig antworten: „Ich war im Gottesdienst. Gottes Wort schenkt mir viel Kraft für die neue Woche.“ Wird in einem Gespräch Abtreibung nach dem Motto „Mein Bauch gehört mir!“ als freie Entscheidung dargestellt, kannst du getrost sagen, wie Gott darüber denkt: Kinder sind eine Gabe von Gott und gezeugtes Leben ist ein Geschenk von IHM (in Anlehnung an Ps 127,3). Verweise immer wieder auf Gottes Wort und bekenne mit einfachen Worten Farbe für deinen bibeltreuen Glauben.
Seit langem haben wir an der Fahrertür unseres Autos einen großflächigen Aufkleber mit der Aufschrift: „Jesus Christus spricht: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich“, zusammen mit dem Zitat von Hudson Taylor: „Gott hat uns keine ruhige Überfahrt verheißen, aber eine sichere Ankunft.“ Als meine Ehefrau von einem Krankenbesuch in der Klinik zum Parkplatz zurückkehrte, sah sie ein Ehepaar, das die Aufschrift las und den Aufkleber fotografierte. Auch so kommt man gut ins Gespräch und kann „Farbe bekennen“ für den Glauben an Christus.
