
von Thomas Schneider
Seit Jahrzehnten starten Gruppierungen innerhalb der evangelischen Kirche und in messianisch-jüdischen Bewegungen den Versuch, ihre Sichtweise zum Apostolischen Glaubensbekenntnis Christusgläubigen überzustülpen, mit der Begründung: Im Bekenntnis fehle der Bezug von Gottes Handeln an Israel.
Im Gottesdienstbuch, der Agende für die EKD und VELKD, gibt es bereits eine Alternativfassung zum Apostolikum, bei der man den ersten Artikel erweitert hat mit den Worten: „Wir glauben an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde, der Abraham berufen und Israel zu seinem Volk erwählt hat, der sich zu erkennen gab als der Gott der Gnade und der Treue.“ – So gibt es eine ganze Reihe anderer Umschreibungen, um messianischen Juden Genüge zu tun – wie beispielsweise im zweiten Artikel, zu Jesus ergänzend: „geboren aus dem Volk Israel“ oder „als Jude unter dem Gesetz“ aufgewachsen.
Hardliner unter diesen Bündnissen gehen sogar soweit, daß sie im Apostolischen Glaubensbekenntnis nicht nur eine Entwurzelung Jesu aus seinem jüdischen Kontext erkennen wollen, sondern Christen bewußt Antijudaismus unterstellen.
Dem Vorstoß, das Apostolische Glaubensbekenntnis neu zu fassen, schließt sich nun auch der eingetragene Verein „Sächsische Israelfreunde“ mit Sitz in Großschönau an. So heißt es in deren Rundbrief zur Zeitschrift „Zum Leben“, Ausgabe 1/2026: „Dieser Ausgabe liegt eine Karte mit dem Apostolischen Glaubensbekenntnis von Nicäa bei – mit einer kleinen, nicht unwesentlichen Korrektur: Die Juden sind wieder dabei.“ (Textänderungen siehe abgebildete Karte). – Nun wissen wohl die meisten Christen, dass das Apostolische Glaubensbekenntnis nicht (wie fälschlicherweise im Rundbrief erwähnt) von Nicäa stammt und es sich beim Vergleich von Apostolikum und Nizänum um zwei unterschiedliche Texte der christlichen Kirchengeschichte handelt, die sich aber beide auf die Dreieinheit Gottes berufen. – Aber das nur am Rande.
Was aber bewegt nun auch die „Sächsischen Israelfreunde“, sich dem Änderungswahn zum Apostolischen Glaubensbekenntnis anzuschließen? Für bibeltreue Christen braucht dieses Bekenntnis keine politische Korrektheit, die vielleicht manche aus einem zeitgeistigen Schuldkomplex ableiten. Die Feinheiten und Besonderheiten gehören in die Auslegung der gesamten Heiligen Schrift – auch das gesamte Buch vom Propheten Jesaja, aus dem geflissentlich der Abschnitt vom „leidenden Gottesknecht“ ausgeklammert wird bzw. man meint, in ihm nicht den Messias Jesus, sondern das Volk Israel erkennen zu wollen.
Wahre Liebe zum auserwählten Volk Gottes (das vom politisch geführten Israel strikt zu trennen ist!) entspringt dem wahren Glauben an Jesus Christus. Gottes Forderung „Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“ (1Mo 12,3) bleibt das feste Fundament christlichen Glaubens. Wer die Bibel in ihrer Gesamtheit (!) als geistgewirktes und irrtumsloses Wort Gottes versteht, liebt Gottes auserwähltes Volk, aus dem der Messias Jesus Christus im Fleisch hervorgegangen ist.
Es braucht keine Neuschreibung des Apostolikum, sondern eine persönliche Beziehung zum Heiland, Retter und Erlöser Jesus Christus. Möge ER all denen die Binde von den Augen nehmen, die Jesus Christus noch nicht als den Messias erkannt haben oder – leider Gottes – auf die Glorifizierung des Alten Bundes zurückgefallen sind.
