
von Thomas Schneider
Immer wieder begegnet man Menschen, die Worte wie „Ach du lieber Gott!“, „Oh mein Gott!“„Ohje!“ oder „Jesses!“ auf ihren Lippen haben. Ein solcher Ausruf ist oft eine spontane Reaktion aufgrund einer aufregenden oder auch erschütternden Nachricht.
Wo liegt das Problem? Der heilige Gott und Sein Sohn Jesus Christus werden mit einer solchen Redewendung nicht ernsthaft von Herzen angesprochen, sondern auf eine Floskel reduziert und damit gedemütigt. Im Psalm 111,9 heißt es: „Heilig ist sein Name, man gebraucht ihn mit Furcht.“ Der allmächtige Gott hat von seinen Geschöpfen Ehrfurcht verdient. Gottesfurcht ist bei den meisten Menschen leider völlig abhanden gekommen.
Der Mißbrauch des Namens Gottes wird bereits im Zweiten Gebot sehr deutlich angesprochen: „Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht mißbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen mißbraucht.“ Das Gebot stellt die Herzenshaltung des Menschen gegenüber Gott ins rechte Licht und weist darauf hin, welche Konsequenzen das Schindludertreiben mit seinem Namen hat.
Die floskelhafte Redesart „Ach du lieber Gott!“ unterscheidet sich von einem echten Anruf Gottes, wie er im Psalm 12,2 nachzulesen ist, wo David über die Macht des Bösen klagt: „Hilf, HERR! Die Heiligen haben abgenommen, und treu sind wenige unter den Menschenkindern.“ Auch Psalm 22,2 ist beispielgebend für Davids Ernsthaftigkeit und Tiefe seiner Gottesbeziehung: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.“ Auch im Neuen Testament geht es um ein bewußtes und auf Gott gerichtetes Anrufen Seines Namens. Ob es die kanaanäische Frau ist (Mt 15,22), der Vater des mondsüchtigen Sohnes (Mt 17,15) oder zwei Blinde am Wegesrand. Ihr „Herr, erbarme dich!“ kommt aus dem festen Glauben, daß Jesus der Einzige ist, der helfen kann.
Solltest du wieder einmal hören, daß jemand den Namen Gottes mißbraucht, dann verurteile ihn nicht, sondern erkläre ihm den Zusammenhang zwischen einem gedankenlosen Gebrauch des Gottesnamens und der von Gott erwarteten Ehrfurcht. Frage denjenigen, ob ihm bewußt ist, daß er mit Gott geredet hat und was er von IHM erwartet. Sage ihm, was zum Beispiel im Psalm 139,4 steht: „Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht alles wüßtest.“ Und mache ihn darauf aufmerksam, was in Matthäus 12,36 geschrieben steht: „Ich sage euch aber, daß die Menschen Rechenschaft geben müssen am Tage des Gerichts von jedem nichtsnutzigen Wort, das sie reden.“
Dasselbe gilt für den Mißbrauch des Namens Jesu. In Philipper 2,9 wird darauf hingewiesen, daß Gott Seinen Sohn erhöht und IHM einen Namen gegeben hat, „der über alle Namen ist“ und „daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, daß Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.“
Deine Sprache ist ein Spiegel deines Herzens. Nicht jede unbedachte Reaktion ist zugleich bewußte Rebellion gegen Gott. Aber sie kann zeigen, daß die notwendige Gottesfurcht verloren zu gehen droht. Die Bibel ruft zur Sensibilisierung im Umgang mit dem Namen Gottes auf: „Alles aber, was nicht aus Glauben geschieht, ist Sünde.“ (Römer 14,23b) Gott ist keine Floskel, sondern Person, der HERR aller Herren, der König aller Könige. Deshalb: Mach aus einer Floskel ein ernsthaftes Gebet.
