
von Thomas Schneider
Die Formulierung „Jemandem ein Dorn im Auge sein“ meint in der Alltagssprache, daß eine Person, eine Sache oder eine konkrete Angelegenheit für jemanden äußerst unangenehm, störend, ärgerlich oder sogar ein großes Hindernis sein kann. Auf gut Deutsch: Er, sie oder es geht „auf die Nerven“ und verursacht Verdruß.
Die Redewendung „Jemandem ein Dorn im Auge sein“ geht auf mehrere alttestamentliche Bibelstellen zurück: „Wenn ihr aber die Bewohner des Landes nicht vor euch her vertreibt, so werden euch die, die ihr übrig laßt, zu Dornen in euren Augen werden und zu Stacheln in euren Seiten und werden euch bedrängen in dem Lande, in dem ihr wohnt.“ (4Mo 33,55) – Und im Buch Josua (23,13) heißt es: „… so wißt, daß der HERR, euer Gott, nicht mehr diese Völker vor euch vertreiben wird, sondern sie werden euch zum Fallstrick und Netz werden und zur Geißel an euren Seiten und zum Stachel in euren Augen, bis ihr ausgerottet seid aus diesem guten Land, das euch der HERR, euer Gott, gegeben hat.“
Diese Worte spricht Gott zu Israel, nachdem ER es aus Ägypten hatte führen lassen und das Volk kurz davor steht, das verheißene Land einzunehmen. Die dort lebenden Völker sollen aufgrund ihres Götzendienstes und ihrer im Widerspruch zu Gottes Geboten stehenden Lebensweise nicht übernommen oder geduldet werden. Gott weiß: Diese Völker werden eine unaufhaltsame Störung („Dornen in den Augen“) sein, zum Abfall verleiten und großen moralischen und geistlichen Schaden anrichten.
Die Redewendung „Ein Dorn im Auge“ hat also einen sehr ernsten und mahnenden Ursprung. Sie ist kein bloßer Ausdruck für „genervt sein“, sondern steht im biblischen Kontext für eine geistliche Gefahr und deren Folgen von Ungehorsam gegenüber Gott. Solche „Dornen in den Augen“ sind anfangs sehr klein; erst reizen sie, doch schon bald verursachen sie große Schmerzen und sind nur mühevoll (wenn überhaupt) zu entfernen. Das Auge ist ein extrem empfindliches Körperteil, vergleichbar mit der Seele des Menschen.
Nicht beseitigte Sünde wird zur Dauerbelastung, die einen Menschen und ein ganzes Volk von Gott abbringen und zerstören kann. Duldet ein Volk in seiner Mitte Fremde, die als Götzenanbeter, Integrierunwillige, Gefährder oder Mörder ihr Unwesen treiben, wird es früher oder später von der Landkarte ausradiert. Dornenstreuer werden zu Fallstrick und Netz, übernehmen das Land und beherrschen es mit ihrer Religion, mit ihren Lebens- und Verhaltensweisen. Alle angestammten Menschen, die sich ihnen entgegenstellen, müssen sich entweder unterordnen oder werden sukzessive bedrängt und am Ende vernichtet.
Kompromisse führen zu geistlicher Blindheit, ob im Großen mit der Anwerbung von sog. türkischen Gastarbeitern in den 1960-er Jahren, der generellen Öffnung der Grenzen für fremde Religionen und Kulturen seit 2015 oder im Kleinen mit Ehen zwischen Christen und Moslems. Falsches Sozialempfinden trübt die Wahrnehmung von Wahrheit. Die klare Ausrichtung auf den lebendigen Gott der Bibel geht verloren. Dornen – werden sie nicht entfernt – reizen ständig.
Es geht nicht um persönliche, emotionale Abneigung gegenüber Menschen, sondern um die Konsequenzen von Ungehorsam gegenüber Gott, die zur dauerhaften seelischen und geistlichen Belastung werden – im Kleinen wie im Großen.
So bleibt festzuhalten: Die Hauptverantwortung für das Wirksamwerden von „Dornen im Auge“ liegt beim Menschen selbst – der Teil eines Volkes, einer Gesellschaft ist. Satan wirkt als Verführer und Verstärker einer solchen Entwicklung. Er überzeugt durch Lüge, verharmlost Sünde. Aus kleinen Zugeständnissen werden starke Bindungen. Wer dem Satan Raum gibt, muß sich über „Dornen im Auge“ nicht wundern.
Jesus verweist darauf, wie wertvoll das Auge ist und daß das Auge lauter und hell sein soll: „Dein Auge bringt deinem Körper das Licht. Wenn dein Auge klar ist, kannst du dich im Licht bewegen. Ist es schlecht, dann steht dein Körper im Finstern. Wenn nun das Licht in dir Dunkelheit ist, welch eine Finsternis wird das sein!“ (Mt 6,22-23)
