
von Thomas Schneider
Die Aussage „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“ steht im Matthäusevangelium (7,20) und stammt aus dem Munde Jesu. Er warnt vor den „falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe“.
Auch heute gibt es sie Zuhauf: Falsche Lehrer in Politik, Wirtschaft, Bildung und Kirchen. Im biblischen Sinn stehen „Früchte“ für sichtbare Ergebnisse des Wirkens eines Menschen. „Früchte“ werden an konkreten Handlungen und deren Folgen sichtbar. Nicht Worte, sondern das gelebte Leben offenbart Wahrheit. Das betrifft die Wahlversprechen eines Politikers genauso, wie die Fairneß eines Unternehmers gegenüber seinen Angestellten, der Umgang eines Lehrers mit seinen Schülern oder auch die Lehre eines Predigers in der christlichen Gemeinde.
Ergebnisse zählen mehr als Versprechen. Manche Früchte erscheinen in einer Momentaufnahme nach außen hin gut, können aber langfristig großen Schaden anrichten. Bei den Früchten geht es keinesfalls um ein Randthema.
Wenn Jesus die „falschen Propheten“ anspricht, dann weist er auf die Gefahren hin, die mit ihnen verbunden sind. Es geht um Menschen, die im Namen Gottes auftreten, für ihr Tun aber keine Berufung haben. Sie kommen „in Schafskleidern“, in Wirklichkeit aber sind sie „reißende Wölfe“. Äußerlich geben sie sich als fromm, intelligent und charismatisch, doch in ihrem Herzen treiben Eigennutz, Manipulation und Machtstreben teuflische Blüten. Die eigentliche Gefahr ist bei diesen Falschen nicht offensichtliche Bosheit, sondern getarnte Unwahrheit, die sich meist schleichend – und für viele „Schafe“ kaum spürbar – einnistet und meist die Spaltung und Zerstörung einer Gemeinschaft zur Folge haben.
Weiter sagt Jesus in diesem Zusammenhang: „So bringt jeder gute Baum gute Früchte; aber ein fauler Baum bringt schlechte Früchte. Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte bringen und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. Jeder Baum, der nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Darum, an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.“ Damit ist klargestellt, was mit einem Bundeskanzler geschieht, der sein Volk belügt und betrügt. Damit ist klargestellt, was mit einem Firmenchef geschieht, der seine Arbeiter ausbeutet. Damit ist klargestellt, was mit einem Pädagogen geschieht, der Kindern Schaden zufügt. Damit ist klargestellt, was mit einem Prediger geschieht, der den Gemeindegliedern das falsche Evangelium verkündigt.
Jesu Maßstab ist radikal einfach und zugleich tiefgreifend: Nicht das Auftreten eines Menschen ist entscheidend, sondern die Früchte seines Tuns: Demut statt Stolz, Liebe statt Kontrolle, Wahrheit statt Manipulation. Der Charakter entlarvt schließlich, was Worte verbergen. Wer Gottes Wort seinen menschlichen Gedanken anpaßt, formt es nach seinen Vorstellungen um. Sünde wird verharmlost, moralisch verwässert und führt anvertraute Menschen in die Orientierungslosigkeit.
Falsche Propheten sind daran zu erkennen, daß Lehre, Lebenswandel und daraus folgende Auswirkungen nicht mit der Bibel übereinstimmen. Die Lehre steht im Widerspruch zum Evangelium von Jesus Christus. Der Ruf zu Buße und Umkehr wird vernachlässigt. Gnade wird mißbraucht, Sünde bagatellisiert. Und vieles mehr. Unbarmherzigkeit, Lieblosigkeit und Feindseligkeit sind Instrumente Satans.
Prüfe also sorgfältig jede menschliche Lehre anhand der Bibel. Führe bei drohender Gefahr der Manipulation, Unterdrückung und Sektierertum respektvolle Gespräche und rufe gemeinsam mit bibeltreuen Brüdern und Schwestern zur Gemeindezucht. Wer die Gemeinde des HERRN Jesus spaltet oder einen Beitrag dazu leistet, der ist nicht Sein Nachfolger. Bei allem muß das Ziel Vergebung sein – aber nicht um den Preis der Wahrheit in Christus.
