
von Thomas Schneider
EVERMORE (IMMERMEHR) heißt die neue Strategie der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers. In 45 Sekunden wird dir – beginnend mit einem hell klingenden Gong – von einer erotisch hauchenden weiblichen Stimme erklärt, was du tun sollst, um „einen kurzen Moment der Entspannung“ zu erleben:
„Die Meditation besteht aus drei tiefen Atemzügen. Richte deine vollständige und doch sanfte Aufmerksamkeit auf das erste tiefe Ein- und Ausatmen. Mit einem langen Ausatmen entspanne deine Muskeln. Laß alle Anspannungen im Körper los. Frage dich bei deinem letzten Atemzug: Was ist jetzt wirklich wichtig?“
Auf der Kirchen-Seite evermore-app.de heißt es: „Evermore ist eine Achtsamkeits & Spiritualitäts-App, die deinen Alltag bereichert. 80 Meditationen, 60 Wertvollworte und 360 Inspirationsfragen stehen dir kostenlos zur Verfügung.“
Die Meditation mit dem Fokus auf das Ein- und Ausatmen (kurz: Atemmeditation) hat ihren Ursprung in den fernöstlichen Religionen. Im Hinduismus, der ältesten Quelle (etwa 1500 v. Chr.), und später in den Yoga-Sutras wird der Atem (Pranayama) als direkte Methode beschrieben, um die Lebensenergie zu lenken. Seit seiner Entstehung (etwa 500 v. Chr.) hat im Buddhismus die Atemmeditation ihren festen Platz. Buddha lehrte Anapanasati (Achtsamkeit auf den Atem) als eigenständigen Weg zur Erleuchtung.
Unter dem Einfluß dieser Religionen bahnte sich diese Form der Meditation, eine Form der Achtsamkeitspraxis, nach Europa einen Weg und schuf die Grundlage der Vermischung mit biblischer Lehre. Insbesondere der Zen-Buddhismus (eine Schule des Mahayana-Buddhismus) fand in christlichen Kirchen Unterschlupf und wurde wohlwollend – in Verknüpfung mit Mystik und Esoterik – integriert. Jeder Gedanke und alles Tun soll von Atemmeditation begleitet werden.
Mit der Atemmeditation soll der Mensch in seiner Wirklichkeit Erleuchtung erfahren. Dahinter steht die Lehre, daß die Wahrheit nicht durch Gottes Wort erklärt werden kann, sondern nur intuitiv – aus dem Bauch heraus, gefühlsmäßig und unterbewußt, ohne bewußt darüber nachzudenken. Der Glauben an den biblischen Gott bekommt eine Krücke: die tiefgreifende spirituelle Erfahrung, bei der ein Mensch eine Form von absoluter Wahrheit oder göttlicher Wirklichkeit erkennt, die dem Verstand verborgen bleibt.
Der Kern des Widerspruchs zwischen Atemmeditation und dem Glauben an Jesus Christus liegt nicht im Ein- und Ausatmen selbst (ein gesunder Mensch atmet täglich etwa 20.000-mal ein und aus), sondern in der religiösen Philosophie und den geistlichen Zielen, die mit diesen Techniken verbunden sind. Das Ziel der Atemmeditation ist das Leeren des Verstandes (bis hin zur Trance), um einen Zustand des Nichts zu erlangen. Im christlichen Glauben geht es darum, den Geist Gottes über das Lesen der Bibel (dem inspirierten und unfehlbaren Wort Gottes) anzunehmen und im Leben wirken zu lassen.
In der Atemmeditation, bei der viele Techniken auf Pantheismus (Gott ist in allem) oder Monismus (alles ist eins) basieren, sucht der Mensch das Göttliche nicht in Christus, sondern in sich selbst oder will mit einer unpersönlichen Energie verschmelzen. Ein totaler Widerspruch zum christlichen Glauben, wonach Gott eine Person ist (der Schöpfer), vor der der Mensch (das Geschöpf) steht und rechenschaftspflichtig ist. Entspannung, Heilung und innerer Frieden kommen nicht durch die Entdeckung eines „göttlichen Funkens“ in sich selbst, sondern durch die Versöhnung mit Gott durch Christi Blut.
Das EVERMORE der Hannoverschen Landeskirche beinhaltet folgendes Glaubensbekenntnis: „Wir glauben, daß EVERMORE mehr ist als Entschleunigung und Streßabbau. Es geht darum, wieder in der Tiefe bei sich selbst anzukommen und der eigenen Spiritualität in all ihrer Schönheit und Kraft Raum zu geben.“ Es geht nicht mehr um die Erkenntnis des dreieinen Gottes, sondern um das eigene ICH, das aus der Zusage des Teufels „Ihr werdet sein wie Gott“ emporgestiegen ist. Eine Kirche, die immer mehr (EVERMORE) will, nur nicht Christus allein verherrlichen und das Lehrgut fernöstlicher Religionen anpreist, sollte ihren Hut nehmen und Menschen nicht länger in die Irre führen!
