
von Thomas Schneider
Die Redewendung „Unsere Demokratie“ hat in ihrer Bedeutung in den letzten 10 bis 15 Jahren einen starken Wechsel vollzogen. War sie einst eine sehr nüchterne Zustandsbeschreibung einer weltlichen Herrschaftsform mit klarer Abgrenzung zum Nationalsozialismus und zur DDR-Diktatur, so wird sie nun von bestimmten Kreisen – verstärkt seit dem Jahr 2013 – als ein gesellschaftspolitischer Kampfbegriff mißbraucht.
Gruppierungen, die in der gesellschaftlichen Debatte von „Unsere Demokratie“ sprechen, erheben einen Exklusivitäts- und Besitzanspruch auf diese Herrschaftsform und verstoßen mit illusionären, gefährlichen Vorstellungen nicht nur gegen den Grundsatz einer Demokratie, sondern gegen Gott.
Es wird von ihnen suggeriert, daß die Demokratie nur jenen gehört, die auch ihre Weltanschauung, ihre Ideologie teilen. Wer anders denkt, wird aus einer von ihnen festgelegten (aber fehlgedeuteten) „Wertegemeinschaft“ verdrängt und ausgegrenzt. Solches Handeln hat diktatorische Züge. Demokratie ist ein das gesamte Volk betreffendes Regelwerk und kein Besitzstand einzelner Gruppen.
Die Bibel äußert sich nicht zu modernen Staatsformen wie „Demokratie“, da es sie zu jener Zeit schlicht und einfach nicht gab. Da die Bibel als Gesamtwerk von Gott inspiriert ist und „nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, daß der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt“ (2Tim 3,16), äußert sie sich sehr wohl zu den Grundprinzipien von Macht und Autorität und welcher Platz jedem Einzelnen zukommt.
Aus dem Wort Gottes sind uns die Stammesordnung (Richterzeit), die Monarchie (Israel unter Saul, David und Salomo, u.a.) sowie die Fremdherrschaft (Babylon, Persien, Rom) bekannt. Allen Mächtigen dieser Gebilde wurde sehr deutlich vor Augen geführt, wer die Welt, wer das gesamte Universum regiert. Auch in der Demokratie gilt: Keine Regierung hat absolute Autorität über Menschen, deren Leben Gott und nicht den Regierenden gehört. Keine Regierung hat absolute Macht über wiedergeborene Christen, denn für sie gilt: „Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ (Apg 5,29)
Die gehorsame Unterordnung des Christen unter eine weltliche Obrigkeit findet dort ihre Grenze, wo erlassene Verordnungen gegen Gottes Wort verstoßen, wo sich die Obrigkeit über Gott erhebt und wo der Götzenverehrung „Unsere Demokratie“ der rote Teppich ausgerollt wird. Der Christ hat der Obrigkeit Respekt zu erweisen – jedoch keine Vergöttlichung, die Menschen ausgrenzt, verfolgt, ihnen Schaden zufügt und sie ihrer Rechte beraubt.
Die heute von Gegnern wahrer Demokratie verwendete Redewendung „Unsere Demokratie“ wurde von diesen ideologisch und weltanschaulich monopolisiert. Menschen werden aus dem demokratischen Diskurs ausgeschlossen und delegitimiert, weil sie sich Gott und Seinen Geboten verpflichtet wissen und beispielsweise gegen die Ermordung von Kindern im Mutterleib oder gegen die Verehrung eines Klimagottes ihre Stimme erheben.
