
von Thomas Schneider
Es ist immer wieder erstaunlich, wie sich Biblisches im Volk „eingebürgert“ hat und bis heute im Sprachgebrauch erhalten geblieben ist.
Das Sprichwort „in Sack und Asche gehen“ beschreibt einen Zustand tiefer Reue, Buße und Demut. Es meint das bewußte Anerkennen eigener Schuld, das innere und äußere Zeichen ernsthafter Umkehr.
Sein Ursprung wurzelt im Alten Testament. Es handelt sich nicht um eine bloße Redewendung, sondern um eine konkrete geistliche und körperliche Handlung, mit der Menschen vor Gott ihre Zerbrochenheit und Reue ausgedrückt haben.
Der Sack war ein grobes Kleidungsstück aus Ziegen- oder Kamelhaar; er war unbequem, kratzig, demütigend und typisch für Trauer, Not und Buße. Bewußt wurde damit gute Kleidung ersetzt und signalisierte innerere Niedrigkeit und Verlorenheit.
Asche, die auf den Kopf gestreut wurde oder in die man sich hineinsetzte, stand für Vergänglichkeit, Tod und Gericht, aber auch für Wertlosigkeit des Fleisches. In 1. Mose 3,19b heißt es: „Denn Staub bist du, und zum Staub kehrst du zurück.“ Fleisch bedeutet in der Bibel, daß der Mensch ganz und gar von Sünde ergriffen ist, die über seinem Leben Macht ergriffen hat und ihn zum Tod führt (Römer 7,5-25).
Sack und Asche sind klare Zeichen der Buße. Der geplagte Hiob sprach: „Darum gebe ich auf und bereue in Staub und Asche.“ (Hiob 42,6) Auch ein Daniel ging in sich: „Und ich kehrte mich zu Gott, dem Herrn, um zu beten und zu flehen unter Fasten und in Sack und Asche.“ (Daniel 9,3) Auch bei Mordechai sehen wir: „Als Mordechai alles erfuhr, was geschehen war, zerriss er seine Kleider und kleidete sich in Sack und Asche und ging hinaus mitten in die Stadt und schrie laut klagend.“ (Esther 4,1)
Oder denken wir an das Geschehen in Ninive: Zeichen nationaler Buße. „Da glaubten die Leute von Ninive an Gott und riefen ein Fasten aus und zogen alle, Groß und Klein, den Sack zur Buße an.“ (Jona 3,5) Gott aber reagiert nicht auf das äußere Zeichen „in Sack und Asche gehen“, sondern auf das ehrliche Herz des bußfertigen Menschen. „Als aber Gott ihr Tun sah, wie sie umkehrten von ihrem bösen Wege, reute ihn das Übel, das er ihnen angekündigt hatte, und tat’s nicht.“ (Jona 3,10)
Sack und Asche sollten weder eigensüchtiger Selbstzweck noch Selbstdarstellung vor anderen Menschen sein. Gott verurteilt jede bloße äußere Frömmigkeit ohne Herzensumkehr: „Zerreißt eure Herzen und nicht eure Kleider und kehrt um zu dem HERRN, eurem Gott! Denn er ist gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Güte, und es reut ihn bald die Strafe.“ (Joel 2,13) Die nach außen gezeigte Reue war für Gott nur gültig, wenn sie echte Buße, Demut, Gottesfurcht und Schulderkenntnis im Leben nach sich zog.
„In Sack und Asche gehen“ beschreibt daher den Tiefpunkt des Menschen, an dem er erkennt: „Ich kann vor Gott nicht bestehen – ich brauche Seine Gnade“. Es braucht also Umdenken, Umkehren, Richtungs- und Herrschaftswechsel.
Im Neuen Testament wird das „in Sack und Asche gehen“ als gängige Praxis angeboten. Jesus sagt in den Weherufen über die galiläischen Städte: „Wenn in Tyrus und Sidon die Wunder geschehen wären, die unter euch geschehen sind, sie hätten längst in Sack und Asche Buße getan.“ (Matthäus 11,21) Damit bestätigt er die Echtheit, Ernsthaftigkeit und geistliche Bedeutung dieses Bußzeichens.
Doch nicht mehr das äußere Ritual steht im Mittelpunkt, sondern die Demut im Herzen vor Gott, das Eingeständnis und Bekenntnis zur geistlichen Armut: „Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Reich der Himmel.“ Oder nach einer anderen Übersetzung: „Glücklich die, die wissen, wie arm sie vor Gott sind! Sie gehören dem Himmelreich an!“ (Matthäus 5,3)
Heute sind wir nicht mehr dazu aufgerufen, das äußere Ritual „in Sack und Asche gehen“ zu pflegen. Es zählt vor Gott nicht, wenn du dich in einen Sack hüllst und dir (in Anlehnung an ein anderes Sprichwort) Asche aufs Haupt streust. Wir sind von Jesus dazu aufgerufen, unsere Sünde und Zerbrochenheit vor Gott zu bekennen und seine Heilsbotschaft in Christus anzunehmen. Halten wir es mit dem Psalmgebet: „Das Opfer, das Gott gefällt, ist ein zerbrochener Geist. Ja, ein gebrochenes und zerschlagenes Herz verachtest du, Gott, nicht.“ (Psalm 51,19)
Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit wären alle Sack-Läger leer, müßten die Menschen tatsächlich und für alle sichtbar „in Sack und Asche gehen“. Doch das Sprichwort erinnert uns daran, daß wir immer wieder Reue, Buße, Umkehr und Vergebung durch Christus nötig haben. – Übrigens: eine gute Grundlage für ein Glaubensgespräch. – Wer nicht bereit ist, in seines Herzens Tiefe „in Sack und Asche“ zu gehen, wird die Gnade Gottes nie wirklich begreifen – und auch nicht erlangen. Wer aber zerbrochen vor Gott tritt, wird von IHM aufgerichtet: „Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben“. (Psalm 34,19)
