
von Thomas Schneider
Jede Jahreslosung entsteht durch ein Auswahlverfahren der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen (ÖAB), die sich aus evangelischen und katholischen Verbänden zusammensetzt, von denen Vorschläge für Bibelverse zur Auswahl eingereicht werden. In geheimer Abstimmung wählen die Mitglieder der ÖAB die Jahreslosungen drei Jahre im Voraus.
Für das Jahr 2026 wurde die Jahreslosung aus dem letzten neutestamentlichen Buch Offenbarung gewählt, sie ist dem Vers 5 im 21. Kapitel entnommen und lautet: Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!
Das evangelische Sonntagsblatt schreibt u. a.: „Die Jahreslosung 2026 können wir als tröstliche Botschaft lesen: In einer Welt voller Krisen, Kriege und Unsicherheit bildet der Bibeltext von Johannes eine ganz neue Option, ein Gegenentwurf. Der Text erinnert uns daran, zu hoffen und zu vertrauen. Und er ruft uns dazu auf, die Welt mitzugestalten und zu verbessern. Die Vision des Reich Gottes bildet dabei keine ferne Utopie, sondern eine sehr konkrete Einladung, uns dieser Utopie ein wenig zu nähern – indem wir in unserem Umfeld für Frieden, Vergebung und Liebe sorgen. […] Wer nicht den Blick auf die großen Veränderungen richten mag oder will, kann die Jahreslosung 2026 auch im Kleinen anwenden – und versuchen, häufiger einen anderen Blickwinkel einzunehmen oder andere Meinungen zu suchen.“
Eine solche Auslegung des Gotteswortes geschieht dann, wenn der ausgewählte Bibelvers nicht im Kontext betrachtet wird – zur Jahreslosung 2026 konkret mit dem Endgericht, ein Kapitel zuvor. Wenn dann in dieser evangelischen Zeitung noch von Utopie die Rede ist, steht nicht das biblische Gottesreich im Vordergrund, sondern die Vorstellung eines idealen, perfekten Ortes oder einer Gesellschaft, in der alle sozialen, politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse zum Besten gelöst sind, aber in der Realität noch nicht existiert. Ihr Ziel: eine bessere Welt. Das ist humanistisches Gedankengut mit religiösem Sahnehäubchen. Jeder kann aus seinem Blickwinkel heraus nach eigener Fasson selig werden.
Vollständig steht im Kapitel 21, Vers 5: Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiß!
Zwischen der alten und der neuen Erde, zwischen dem alten und dem neuen Himmel wird der Mensch festgehalten. Er steht – wie einst Adam und Eva – in Scham und Schande nackt vor Gott. Nichts ist mehr da, wo er sich verstecken könnte. Das Licht hat in Christus die Finsternis durchbrochen. In dieser Zwischenzeit wird der Mensch vollkommen hilflos sein. Es sei denn, er hat sich in seinem Leben als Sünder erkannt und das Rettungsangebot von Jesus Christus angenommen.
Mit Blick darauf, daß Gott ALLES neu machen wird, ist es richtungsweisend für jeden Menschen, ob er sich für oder gegen ein Leben mit Jesus entscheidet. Für die Ewigkeit ist es entscheidend, Jesus Christus im Heute und Jetzt um Reinigung des Herzens und für alle Schuld um Vergebung zu bitten.
Viele wollen es nicht wahrhaben, aber ALLES ist von Gott festgehalten: Das gesamte Leben – als der Mensch noch ein Gedanke Gottes war, bis hin zu seinem letzten Atemzug. Alles ist in Gottes Büchern aufgeschrieben: auch jeder böse Gedanke (Mt 5,28), jedes böse Wort (Mt 12,36), jede böse Tat, jede falsche Entscheidung, jede Unterlassung (Jak 4,17).
Der Mensch ist schnell dabei, der Jahreslosung für 2026 zuzustimmen, in der es heißt: Siehe, ich mache alles neu! Dabei blendet er völlig aus, in welchem Zusammenhang diese Worte stehen. Erst muß all das, was der Mensch in seinem Leben gegen Gottes Willen getan hat, über seine Lippen kommen. Deshalb heißt es dreimal in der Bibel, im Buch des Propheten Joel (3,5); in der Apostelgeschichte (2,21) und im Römerbrief (10,13): Wer den Namen des HERRN anrufen wird, der wird gerettet werden.
Die Zusage Siehe, ich mache alles neu! setzt voraus, daß der Mensch dem, der das spricht, gehorsam ist. Gott macht für seine Kinder alles neu – nicht aber für die Kinder der Welt, die Gott nicht lieben. Die Gott lieben, werden sein wie die Sonne, die aufgeht in ihrer Pracht, heißt es in einem bekannten Lied. Ob es Menschen glauben wollen oder nicht, wir müssen es ihnen sagen: Der große Gerichtstag kommt. Da wird zusammengerechnet und ein Schlußstrich drunter gesetzt.
Wenn der Mensch nur das Siehe, ich mache alles neu! im Kopf hat, aber dabei das Endgericht Gottes nicht im Blick behält, dann werden biblisch gebotene Reue, Buße, Umkehr und Wiedergeburt vor den Augen Gottes ad absurdum geführt. Das große Neue – ein neuer Himmel und eine neue Erde (Offb 21,1) – werden nur die Menschen erleben, die in Christus neu geboren sind. Ihnen wird das geschenkt, woran sie im Leben geglaubt haben. Denn Gottes Wort ist wahrhaftig und gewiß!
