
von AG WELT
Mehrheitlich bibeltreue Christen verlassen die Organisation Kirche. Das, was seit vielen Jahren vermutet wird, ist nun von der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid) bestätigt worden.
Nach einer am 27. Oktober dieses Jahres veröffentlichten fowid-Umfrage sind in den letzten beiden Jahrzehnten mehr als 9 Millionen Menschen aus der Organisation Kirche ausgetreten, 4,6 Mio. Evangelische (EKD), 4,5 Mio. Römisch-Katholische.
„Kirchenferne“ versus Mitglieder mit „festerem Glauben“
Interessant ist, dass fowid zwischen „Kirchenfernen“ und Mitgliedern mit „festerem Glauben“ differenziert. Man macht also einen feinen Unterschied zwischen (wie es im Volksmund heißt) „religiösen Karteileichen“ und Christen, die – gegründet auf die Bibel – eine eher bibeltreue Ausrichtung im Glaubensleben haben.
„Die Annahme, dass damit die ‚Kirchenfernen‘ die Organisationen verlassen haben und nur noch Mitglieder mit ‚festerem Glauben‘ Mitglieder sind, hat sich nicht bestätigt“, heißt es im fowid-Umfrageergebnis. Der Anteil der „Kirchenfernen“, die in der Institution Kirche als Mitglieder verblieben sind, sei sogar „von 35 Prozent (2005) auf 53 Prozent (2025) gestiegen“. Im Umkehrschluss: Immer mehr Bibeltreue verlassen die Institution Kirche.
Zugleich bewertet das Umfrageinstitut korrekt, dass die großen Kirchen längst deutlich weniger Mitglieder hätten, „würden sie nicht auf die Kindstaufe zurückgreifen“. Das heißt, die Institution Kirche bindet ihre Mitglieder an die Taufe. Der Taufschein wird gewissermaßen als Eintrittskarte in den Himmel gehandelt. „Wer getauft ist, kommt in den Himmel“ ist eine der größten Irrlehren.
Was ein wiedergeborener, bibeltreuer Christ braucht
Kirchenmitgliedschaft hat mit Glauben, wie er in der Bibel beschrieben und vom Wort Gottes festgeschrieben ist, nichts zu tun. Immer wieder wird versucht, Menschen an eine Organisation zu binden – übrigens auch zunehmend im freikirchlichen Raum.
Was ein wiedergeborener, bibeltreuer Christ braucht, das ist eine feste, verbindliche Gemeinschaft von Glaubensgeschwistern, die sich an das geistgewirkte Wort Gottes gebunden weiß und Jesus Christus über allem zum Haupt hat. Christus selbst ist die höchste Autorität der Gemeinde. Keine menschliche Leitung darf an seine Stelle treten (s. Epheser 1,22-23; Kolosser 1,18).
Ordnung, Lehre, Gemeindezucht
Auch die Ordnung der Gemeinde und der Gottesdienste hat Gott in seinem Wort festgelegt (s. 1. Timotheus 3,1–13; Titus 1,5–9; Apostelgeschichte 14,23). Es gibt kein hierarchisches Priestertum, sondern Bruder- und Dienerleitung. Der Gottesdienst soll geordnet, friedlich und auferbauend sein, nicht chaotisch oder emotional unkontrolliert (s. 1. Korinther 14,26.33.40). Auch Lehre und Gemeindezucht sind biblisch fundiert (s. Apostelgeschichte 2,42; 2. Thessalonicher 3,6).
Die Gemeinde soll in der Apostellehre gegründet sein, falsche Lehre meiden und bei offenkundiger Sünde Gemeindezucht üben (s. Matthäus 18,15-17). Jedes Gemeindeglied dient mit seiner Gabe. Die Gemeinde ist ein lebendiger Leib, kein Zuschauerraum. Alle Glieder stehen untereinander in Liebe und gegenseitiger Verantwortung. Jeder wiedergeborene, bibeltreue Christ versteht sich als Glied des Leibes Christi und in Beziehung zu anderen Gläubigen (s. 1. Korinther 12,12–14). Wer sich dauerhaft von der Gemeinschaft trennt, ist geistlich gefährdet.
Ein Christ allein geht ein
Gott gebraucht die Gemeinschaft der Gläubigen, um die einzelnen Glieder zu ermutigen, zu ermahnen, zu stärken. Wer sich davon trennt, entzieht sich dem Schutz, den Gott für Brüder und Schwestern vorgesehen hat – nicht aus Gesetzlichkeit, sondern aus Liebe und geistlicher Fürsorge (s. Hebräer 10,24-25). Geistliches Wachstum geschieht durch gegenseitige Zurüstung, Ermahnung, Vorbild und Lehre.
Ein Christ allein wird oft einseitig, ungeprüft und geistlich schwach. Isolation birgt große Gefahren und kann einen Gläubigen entmutigen und zu Fall bringen (s. 1. Petrus 5,8). Gemeinschaft in Christus ist Ausdruck wahrer Nachfolge (s. Johannes 13,34-35). Selbst in Ausnahmesituationen (Verfolgung, Krankheit, Gefängnis) gilt Gottes Ordnung (s. Prediger 4,9-10). Ein Christ allein geht ein!
Ein wiedergeborener, bibeltreuer Christ braucht keine Mitgliedschaft in einer kirchlichen Organisation, sondern eine Gemeinschaft von wiedergeborenen, bibeltreuen Christen – im Gehorsam gegenüber dem Retter und Heiland Jesus Christus.
