
von Klaus Hildenbrand
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat in den letzten zwei Jahren die Aussage “Wir müssen wieder kriegstüchtig werden“ zu einem weitverbreiteten politischen Schlagwort werden lassen. Nach der Gründung der Bundeswehr im Jahr 1955 wurde der Zweck der Armee der Bundesrepublik Deutschland primär mit dem Begriff „verteidigungsfähig“ beschrieben. Dieses defensiv geprägte Wort ist nun durch das überaus offensive „kriegstüchtig“ ersetzt worden.
In einer Zeit, in der eine regelrechte linke Sprachpolizei immer neue ungeschriebene Vorschriften aufstellt, welche Wörter in diesem Land gesagt werden sollen und welche nicht ausgesprochen werden dürfen, ist es schon erstaunlich, dass ausgerechnet ein klassischer Propagandabegriff der Nazis aus dem II. Weltkrieg in die Kategorie ausdrücklich erwünschter Begriffe in den neuen Sprachgebrauch der BRD aufgenommen wurde. Die Propagandaaussage „Wir müssen wieder kriegstüchtig werden“ war nachweislich eine sehr beliebte Agitationsformel von NS-Propagandaminister Joseph Goebbels. So konnte man zum Beispiel am 9. Juli 1944 in der deutschen Wochenzeitung „Das Reich“ gleich in der Titelzeile auf Seite 1 diese Aussage lesen. Der darunter folgende Artikel stammt aus der Feder von besagtem Goebbels.
Von der Regierung Adenauer bis zur Regierung Schröder (möglicherweise sogar noch die Regierung Merkel) hätte ein Bundesverteidigungsminister, der solch einen markanten Nazi-Propagandabegriff wiederholt gebraucht hätte, nicht im Amt bleiben können. Er hätte wahrscheinlich schon bei der ersten Verwendung dieser Aussage zurücktreten müssen.
Hätte jedoch ein AfD-Politiker noch vor Pistorius die schräge Idee gehabt, das Wort „kriegstüchtig“ auch nur einmal in den Mund zu nehmen, hätte ihn wahrscheinlich jedes Gericht dieses Landes strafrechtlich verurteilt. Inzwischen unterscheidet Justitia „im besten Deutschland, dass wir je hatten“ (Frank-Walter Steinmeier) offensichtlich nicht mehr ohne Ansehen der Person, sondern nach Partei- oder Ideologiezugehörigkeit.
Julian Reichelt hat es in unnachahmlicher Klarheit und Logik auf den Punkt gebracht, wohin die derzeitige Propaganda der Kriegstüchtigkeit letztendlich führen wird: