
von Thomas Schneider
„Die Leiter des Volks sind Verführer; und die sich leiten lassen, sind verloren.“ Dieser Satz steht im Buch des Propheten Jesaja im 9. Kapitel, im Vers 15. Er steht im Kontext einer ernsten Gerichtsrede gegen das Volk Israel. Gott kündigt sein Gericht über das Nordreich an. Wieso tut Gott das? Weil das Volk in Hochmut, Unglauben, Götzendienst, verlogener Prophetie und sozialer Ungerechtigkeit verharrt. Damals wie heute gilt: Die Sünde des Volkes ist andauernd. Gottes Gericht wird konsequent und unausweichlich sein.
Die Leiter des deutschen Volkes sind für die Irreführung des Volkes verantwortlich, wenn sie ihm falsche Orientierung geben, wenn sie es verkehrt lehren und ausbeuten. Wie verhält sich dann das Volk? Die Mehrheit des Volkes folgt blind und gehorsam den gottlosen Führern und gibt sich und ihr Land dem Verderben preis.
Der Prophet Jesaja kritisiert im Auftrag Gottes nicht nur das Führungspersonal, sondern auch das Volk, das sich ohne Einsicht und Vernunft in die Irre führen lässt. Damit wird nicht nur eine doppelte Verantwortung deutlich, sondern auch eine doppelte Schuld.
Was erwartet Gott von den Leitern eines Volkes? ER erwartet, dass sie nach Wahrheit, Gerechtigkeit und Gottes Willen handeln. Wenn sie das nicht tun, sind sie besonders schuldig. Was erwartet Gott vom Volk? Das Volk kann sich nicht völlig aus der Verantwortung ziehen, wenn es falschen Führern folgt – vor allem, wenn es Gottes Wort kennt.
Jesaja ruft zu Buße und Umkehr. Seine Mahnung ist zugleich auch eine prophetische Kritik an unsere Gesellschaft, die sich sozial, politisch und geistlich von Gott entfernt hat. Die Folge ist Gericht, aber mit der Perspektive einer möglichen Wiederherstellung, wenn Buße und Umkehr geschieht. Denn im Vers 16 des Jesajawortes heißt es: „In dem allen lässt Gottes Zorn noch nicht ab; seine Hand ist noch ausgereckt.“
Noch wartet der allmächtige Gott in unbeschreiblicher Geduld darauf, dass sich die geistlichen und politischen Führer zu ihrem Versagen gegenüber dem ihnen anvertrauten Volk bekennen und sich das Volk vom blinden Gehorsam und gottloser Führung abwendet, um nicht verloren zu gehen.
Beten wir für eine Obrigkeit, die unser deutsches Volk führt und nicht in die Irre führt, indem sie falsche Sicherheit vermittelt, Gerechtigkeit verzerrt, Macht missbraucht und den in Jesus Christus geoffenbarten Gott ignoriert. Denn Irreführung führt letztlich zur Vernichtung.
Beten wir für unser deutsches Volk, dass es endlich damit aufhört, sich bereitwillig täuschen zu lassen und dass es seine Verantwortung vor Gott und den Menschen erkennt.
Bei den Führenden und bei den Geführten liegt gleichermaßen die Verantwortung. Hören weder Führung noch Volk auf den obersten Machthaber, der Himmel und Erde geschaffen hat, so wird ER – über kurz oder lang – ein gerechtes Urteil über Deutschland fällen. „Gottes Hand ist noch ausgereckt“, noch ist Zeit für Buße und Umkehr – noch! Doch es gibt ein Zuspät!