19. Oktober 2017

Doch nicht im Himmel – Millionen Christen belogen

Junge

Von Michael Kotsch

Weil viele Christen so gerne spektakuläre Geschichten lesen wollen, werden Jahr für Jahr zahlreiche Bücher veröffentlicht, in denen die Autoren vorgeben, weltbekannte Sportler oder Verbrecher gewesen zu sein, durch Wände gehen zu können, vom Tod aufzuerstehen oder mit Gott im Jenseits konferiert zu haben.

Verkauft wird so etwas dann als „wahre Geschichte“. Wieder einmal ist so ein Betrug aufgeflogen. Nachdem allein in Deutschland 5 Auflagen von „Der Junge, der aus dem Himmel zurückkehrte – Eine wahre Geschichte“ (Kevin & Alex Malarkey) erfolgreich bei Gerth Medien verkauft wurden, geben die Autoren jetzt zu, dass sie ihre Geschichte frei erfunden haben. In den 5 Jahren, in denen das Buch verkauft wurde, ist viel Geld geflossen. Zahlreiche Menschen waren begeistert und berichten, wie sie durch diese Veröffentlichung ermutigt wurden.

Aber auf Dauer ist es eben für Christen keine Option, für die Wahrheit zu lügen! Das wesentlichste und wichtigste Kapital evangelikaler Christen ist ihr Glaubwürdigkeit. Und die gerät durch solche ungeprüften Veröffentlichungen schnell in Verruf. Wer soll denn noch einem Pastor glauben, wenn in breiter Öffentlichkeit von Christen immer wieder gelogen wird? Und leider handelt es sich hier um keinen Einzelfall. Einige christliche Bücher von Wundern, Visionen und spektakulären Lebensgeschichten haben sich in den letzten Jahren als frei erfunden oder bewusst aufgebauscht herausgestellt. So auch hier.

Die Bibel ist die einzige Quelle der Wahrheit

Der vorgebliche Ausflug des kleinen Jungen in den Himmel hat gar nicht stattgefunden wie die Autoren jetzt zugeben. Immerhin wurde das von den Verantwortlichen jetzt auch zugegeben – aber leider ziemlich spät.
Was Christen schon lange hätten wissen können, sagt ihnen jetzt der Autor dieser frei erfundenen Himmelsreise. Malarkey meint, nur in der Heiligen Schrift könne man erfahren, wie es im Jenseits zugehe: „Die Bibel ist die einzige Quelle der Wahrheit.“ Nur durch Buße und die Vergebung der Sünden durch den Glauben an Jesus Christus könne man in den Himmel kommen – und nicht, indem man ein menschliches Werk lese. Alex Malarkey: „Ich möchte die ganze Welt wissen lassen, dass die Bibel ausreicht.“

Bin ich nun zu pessimistisch, wenn ich davon ausgehe, dass es nicht lange dauert, bis der nächste christliche Bestseller über irgendeine „vollkommen wahre“ Wunder- oder Jenseitsgeschichte angeboten und mit Begeisterung gelesen wird? Doch achten wir darauf, dass bei solchen Aktionen nicht zu viel geistliche Glaubwürdigkeit auf der Strecke bleibt. Am Ende machen wir so alle Gemeinden, Autoren und auch die Bibel angreifbar. Für die Wahrheit zu lügen ist eben keine gute Strategie!!

Kommentare

  1. Jemeljan Pugatshow meint:

    Ja, solche Scharlatanerien werfen tatsächlich ein schlechtes Licht auf ein Christentum, welches sich ohnehin in Europa „auf dem Rückzug“ und nur allzuoft in einer „Verteidigungsposition“ befindet, weil es sich dafür rechtfertigen soll, dass es eben noch nicht zu 100 Prozent verweltlicht ist. Wann immer solche „Bestseller“ kursieren, werde ich skeptisch, wie ich hier offen zugebe. Das „Allzuwunderbare“ mag zwar Staunen hervorrufen, aber zumeist offenbart sich Gott MIR ZUMINDEST in den kleinen Dingen. In den kurzen Begegnungen mit faszinierenden Menschen, in dem offenen Staunen über Akte Seiner Schöpfung etc. Die christliche „Szene“ ist aber auch von Verlagen, Autoren, Musikern etc. entdeckt worden, die für das vermutete Publikum produzieren. Und da „Geld nicht stinkt“ geht die Seriosität dabei allzuoft verloren. Wie schade. Bleiben wir bei dem, was wir sicher wissen: „Prüfet alles und behaltet das Beste.“