21. Oktober 2017

Ausländerbericht 2012 – Islam in Deutschland

Foto: Arno Bachert/pixelio.de

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(AG WELT) Der „9. Bericht der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland“ beschreibt auch den Islam in Deutschland.

So träfe die Situation von Muslimen in Deutschland, die aktuell durch mehrere Studien beleuchtet würden, „auf eine zum Teil kontroverse Resonanz in der Öffentlichkeit“. Dies gelte aktuell (nachzulesen in der Fußnote 630, Seite 340) etwa für die im Auftrag des Bundesministeriums des Innern (BMI) erstellte Studie von Wolfgang Frindte, Klaus Boehnke, Henry Kreikenbom und Wolfgang Wagner [„Lebenswelten junger Muslime in Deutschland – Ein sozial- und medienwissenschaftliches System zur Analyse, Bewertung und Prävention islamistischer Radikalisierungsprozesse junger Menschen in Deutschland“, Berlin 2011/2012].

Mehr als 4,3 Millionen Muslime in Deutschland

Es könne von einer Zahl zwischen 3,8 und 4,3 Millionen Muslimen in Deutschland ausgegangen werden. Dies entspreche einem Anteil von 4,6 bis 5,2 Prozent an der Gesamtbevölkerung. Die Zahlen habe man gegenüber einer von der Deutschen Islam Konferenz (DIK) in Auftrag gegebenen Studie um fast eine Million nach oben korrigieren müssen. Muslime ohne Migrationshintergrund seien durch die Studie aber nicht erfasst.

2.350 Moscheen und Gebetshäuser mit Imamen und Deden

Die vorliegenden Daten der aktuell erschienen Nachfolgestudie der DIK „Islamisches Gemeindleben in Deutschland“ des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und des Zentrums für Türkeistudien und Integrationsforschung (ZfTI) sprechen von 2.350 Moscheegemeinden und alevitischen Cem (Gebets)-Häusern in Deutschland. In etwa 93 Prozent der Gemeinden sei ein Imam oder, im Falle der Aleviten, ein Dede tätig. Fast alle islamischen Gemeinden böten „mehr als religiöse Dienstleistungen“ an.

„Islam… Religion der Intoleranz“

Nach den Ergebnissen der europaweiten Studie „Die Abwertung der Anderen – Eine europäische Zustandsbeschreibung zu Intoleranz, Vorurteilen und Diskriminierung“ seien die Europäer in ihrer „Ablehnung von Einwanderern und Muslimen… auffallend einig.“ Rund die Hälfte aller europäischen Befragten sei der Ansicht, es gebe zu viele Zuwanderer in ihrem Land. Rund die Hälfte hätten „den Islam pauschal als eine Religion der Intoleranz“ verurteilt. Bei etwa einem Drittel der europäischen Bevölkerung sei „eine rassistische Einstellung“ festzustellen. Auf einer Skala vom höchsten bis zum niedrigsten „Fremdenfeindlichkeitswert“ würden nach Ungarn die Länder Großbritannien, Polen, Italien, Deutschland, Portugal, Frankreiche und Niederlande rangieren. Eine andere Studie (“Transatlantic Trends: Immigration”) hingegen würde belegen, dass lediglich 28 % der Befragten der Auffassung seien, dass es zu viele Ausländer in Deutschland gebe (anders die vorgenannte Studie: 50 %).

„PI“ bedient islamkritisches Spektrum

Dem Ausländerbericht zufolge nehme die Islamfeindlichkeit im Internet zu. So sei das im Jahr 2004 gegründete Internet-Blog „Politically Incorrect“ (PI) „vermutlich eines der größten muslimfeindlichen Blogs in Europa“. Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes bediene sich aber „die überwiegende Mehrheit der Einträge auf PI… keiner klassischen rechtsextremistischen Argumentationsmuster“ und sei „im islamkritischen Spektrum“ anzusiedeln.