19. Oktober 2017

„Jahr der Stille“: Kritik am Impulsheft

Quelle: idea.de

Martin Kamphuis - Foto: Privat

Martin Kamphuis - Foto: Privat

Herborn/Schöffengrund (idea) – Kritik ist am Impulsheft zum „Jahr der Stille 2010“ laut geworden. Mehrere Evangelikale beklagen, dass in der Publikation Christentum und Esoterik vermischt werden.
 

Der Theologe und Ex-Buddhist Martin Kamphuis (Herborn/Mittelhessen) und seine Frau Elke – eine ehemalige Esoterikerin – äußern sich im Freundesbrief des Vereins GateWay (Torweg) irritiert über einige Vorschläge. Manche Übungen erinnerten „an unsere Zeit als Buddhisten und Esoteriker“. So heiße es in einer Meditationsanleitung: „Stille werden im Leib. Stille werden in der Seele. Stille werden im Geist. Nichts tun, nichts wollen, nichts denken, einfach nur da sein, ganz da sein im Augenblick, ausruhen in der bergenden Gegenwart Gottes, wie ein leeres Gefäß sein, sich Gott hinhalten: Hier bin ich, so bin ich, dein bin ich, fülle mich.“ Laut Kamphuis streben auch Buddhisten nach dem Zustand der Leerheit: „Sie meinen, wenn sie alle Gedanken, alles Wollen aufgeben und ein leeres Gefäß werden, im Zustand der Erleuchtung aufzugehen.“ Gott wolle dagegen „das bewusste Wollen nach ihm und keine leeren passiven Geschöpfe“. Der Verein GateWay, der das Ehepaar Kamphuis beschäftigt, will nach eigenen Angaben „in einer Zeit mit einem Wirrwarr an spirituellen Angeboten“ Orientierung geben und auf Jesus Christus hinweisen. Er arbeitet auf der theologischen Basis der Evangelischen Allianz. Als Vorsitzender amtiert Wilhelm Kammer (Korntal bei Stuttgart). Das „Jahr der Stille“ unter Vorsitz von Pfarrer Wolfgang Breithaupt (Weitenhagen bei Greifswald) wird von 90 Kirchen, Werken und Einrichtungen getragen. Die Initiative will helfen, ein gesundes Gleichgewicht zwischen Arbeit und Ruhe zu finden.

Evangelist: Innere Leere ist gefährlich

Auch der Evangelist und Publizist Alexander Seibel (Schöffengrund bei Wetzlar) übt Kritik an dem Impulsheft. Darin fänden sich „Ansätze von Techniken, die in ihrer Spiritualität an das Gottesbild des Buddhismus und Hinduismus erinnern“. Das Ziel, innerlich leer zu werden, ist aus Seibels Sicht gefährlich. Die Bibel betone immer wieder, dass die Nachfolge Jesu und das Gebet die Aktivität des Christen erforderten. Statt Passivität werde man in der Bibel zur Wachsamkeit aufgerufen. Die Überzeugung, Gott durch eine bestimmte Methode oder Technik, etwa mittels Atemübungen, zu erreichen, sei zudem eine magische Vorstellung. Der biblische Weg sei, sich vor Gott zu demütigen und Buße zu tun, wie es in Jakobus 4,7-10 geschildert werde. Seibel: „Von Atemübungen und einer passiven Stille ist da nichts zu lesen.“ Zwar enthalte das Heft auch manchen positiven und richtigen Ratschlag – wie beispielsweise den einführenden Artikel von Wolfgang Breithaupt zur „Stille in der Bibel“. Das Problem sei jedoch die Vermischung mit esoterischen Inhalten. Er unterstelle den Autoren die besten Absichten, so Seibel. Allerdings ergebe sich auch bei größtem Wohlwollen ein Bild, „das so ziemlich dem gleicht, was die Bibel im Zusammenhang mit Verführung in den letzten Tagen … vorausgesagt hat“.

Keine Stellungnahme der Initiatoren

Auch die Vereinigung Christlicher Kampfsportler, die sich auch mit dem Thema Esoterik auseinandersetzt, sieht Teile der Kampagne kritisch. In ihrem Newsletter heißt es im Zusammenhang mit dem „Jahr der Stille“: „Es scheint, wir bekommen vermehrt eine Mischung aus Esoterik und Christentum auf den christlichen Markt der Möglichkeiten geliefert.“ Von der Geschäftsstelle des „Jahres der Stille“ und dessen Vorsitzendem Breithaupt war auf idea-Anfrage keine Stellungnahme zu erhalten.

Lesen Sie auch: idea-Interview mit Wolfgang Breithaupt „Warum Stille lebensnotwendig ist“