18. Dezember 2017

Wann kommt der Weltuntergang?

PDF: Der Weltuntergang kommt

Weltuntergänge üben eine unglaubliche Faszination aus, zumindest solange sie nicht eintreten. Gerade wenn das eigene Leben überschaubar und sicher zu sein scheint, wirken Spekulationen über das ultimative Ende durchaus unterhaltend, zumal vom heimischen Wohnzimmer aus. Nach einem vollen und stressigen Arbeitstag entspannt sich der Normalbürger gerne mit einer Bedrohung bzw. Rettung der gesamten menschlichen Zivilisation, solange sie nur im Fernsehen stattfindet. Journalisten, die ihr Geschäft verstehen, freuen sich über Re-portagen zu globalen Katastrophen. Dabei gilt, je erschreckender je besser, zumindest für die Zuschauerquote: ein außerordentlich starkes Erdbeben, die Ölverseuchung der Karibik, die radioaktive Verstrahlung der Nahrung, der Kollisionskurs eines Meteoriten usw.

Auch Wissenschaftler spielen manchmal gerne mit dem Feuer, denn dadurch wird das Interesse einer großen Öffentlichkeit in besonderer Weise auf den eigenen For-schungsbereich gelenkt. Das verspricht Publicity und sichere finanzielle Versorgung. Immer wieder warten deshalb Biologen, Ökologen, Geologen oder Physiker vor endlichen Rohstoffen, Kriegen um Trinkwasser, vergifteter Nahrung oder klimatischen Katastrophen. Glücklicherweise sind schon einige Termine des prognostizierten Weltuntergangs glimpflich verstrichen.

Polarisierende Politiker malen gerne globale Katastrophen an die Wand, um dann besser ihre eigenen Vorhaben durchdrücken zu können. Jahrzehntelang fürchteten sich die Bürger deshalb vor dem die Welt beherrschenden Kommunismus, dann fehlte für einige Jahre ein passendes Feindbild. Nun gut, in wirtschaftlichem Bereich schreckte die Expansion der Japaner die heimische Industrie. Nachdem kurzzeitig Saddam Hussein und Slobodan Milošević als Feinde der Menschheit ausgemacht worden waren, rückten mit dem be-ginnenden 21. Jahrhundert zunehmend der islamische Extremismus und der globale Anspruch Chinas in den Focus. Damit soll natürlich nicht gesagt werden, dass diese politischen und wissenschaftlichen Prognosen vollkommen falsch oder frei erfunden waren. Aber Warnungen werden gerne aufgeblasen, damit die erwünschten Reaktionen etwas rascher erfolgen.

Unter Christen erfüllen Spekulationen über die nahende Endzeit oft die Funktion der Selbstvergewisserung und kritischen Gegenwartsbetrachtung. In allen politischen und gesellschaftlichen Krisen der vergangenen Jahrhunderte fehlte nie der Hinweis auf das nahe Weltende und das bevorstehende göttliche Gericht. Und tatsächlich gab es jede Menge Kriege, Krankheiten und andere Katastrophen.

Bedenklich für die Glaubwürdigkeit christlicher Aussagen ist die vorschnelle Fest-legung auf die Einzelheiten des ultimativen Eingreifens Gottes allemal. Wer in seiner scheinbar so sicheren Analyse der Gegenwart falsch liegt, auch wenn er göttliche Autorität für sich in Anspruch nimmt, verliert unweigerlich seine Glaubwürdigkeit auch in geistlichen Aussagen, wenn seine Prognosen nicht eintreffen oder er in der Vergangenheit immer wieder daneben lag. Christen sollten die Weisheit besitzen und nicht jedes Problem der Politik, Ethik, Religion, Natur oder Wirtschaft zu schnell auf das biblisch angekündigte Weltende zu beziehen. Überzeugte Christen sind sich sicher, das Weltende und das Gericht Gottes stehen bevor. Nur wann, darüber sollten sie angesichts vergangener Fehlprognosen besser schweigen und beten.

Anfang des 19. Jahrhunderts förderten aktuelle Endzeiterwartungen in Deutschland die Auswanderung nach Bessarabien, weil die Sehnsucht zahlreicher Christen in Süd-russland einen „Bergungsort“ sah. Vor allem 1817 war ein großer Chiliastenzug mit 14 Harmonien zu jeweils etwa 400 Personen zu verzeichnen, der sich auf der Donau auf Ulmer Schachteln einschiffte. In Bessarabien entstand aus den Auswanderern die Bevölkerungsgruppe der Bessarabiendeutschen.

Im 20. Jahrhundert griffen die Nationalsozialisten ursprünglich religiöse Begriffe wie „Drittes Reich“ oder „Tausendjähriges Reich“ für ihre Propaganda auf. In einer „historischen Mission“ wollten sie antreten, um das Endzeitliche Friedensreich aufzu-richten. Mit ihren religiösen Selbstinszenierungen konnten sie die Emotionen und Wünsche vieler Deutscher ansprechen.

Vorstellungen vom zukünftigen Untergang der Welt waren und sind zu allen Epochen, in allen Kulturen und Religionen verbreitet. Der Weltuntergang gilt zumeist als finaler Zeitabschnitt im Rahmen religiöser Heilserwartungen. Das Ende der bisherigen Welt und ihrer Kultur verläuft in den Prognosen der Religionen krisenhaft.
Globale Katastrophen kulminieren im Zusammenbruch menschlicher Zivilisation. Kurz vor dem ultimativen Ende greift Gott ein und ein neues Zeitalter umfassenden Friedens beginnt. Leiden und Mängel des gegenwärtigen Lebens finden dann ihr Ende. Vielleicht geht diese Zeit dann direkt in die himmlische Ewigkeit oder ins Paradies über. Religionen wie der Hinduismus sehen in einer solchen göttlichen Epoche allerdings nur einen Übergang zu einem neuen kosmischen Zyklus, in dem sich die Menschen erneut Stück für Stück von Gott entfernen und sich der Begrenztheit und dem Leiden zuwenden.

Es muss allerdings auch nicht notwendigerweise die Erde vollkommen vernichtet werden. Im weiteren Sinne sind Weltunter-gangsszenarien auch solche, die „nur“ das „Auslöschen“ des größten Teils der Menschheit und ihrer Lebensumgebung beschreiben, etwa durch Kriege mit Massenver-nichtungswaffen, gehäuftes Auftreten von Seuchen in Form von Pandemien, oder Umweltzerstörung mit der Folge weltweiter Hungersnöte und Verteilungskriege. Solche Szenarien beruhen auf realen Gefahren, gelegentlich aber auch auf faszinierenden Verschwörungstheorien.

Wissenschaftler versuchen, die Wahrschein-lichkeiten für ein Ende der Menschheit anhand einer Analyse der bestehenden Risiken zu beziffern. Die meisten dieser Schätzungen sind aber höchst umstritten. Naturwissenschaftliche Prognosen eines möglichen Weltendes beziehen sich auf einen Vulkanausbruch mit VEI-Stärke 7 oder 8, den Einschlag eines ausreichend großen Kometen oder Asteroiden, die massive Bahnstörung der Erde durch einen nahe vorbeifliegenden anderen Stern, eine Supernova in nächster kosmischer Nähe, einen Gammablitz (Gamma Ray Burst), der die Erde direkt trifft, die in rund 4 Milliarden Jahren zu erwartende Entwicklung unserer Sonne zu einem Roten Riesen und die selbstausgelösten Effekte der Globalen Erwärmung.

In entsprechenden Science Fiction-Szenarien werden noch weitere Gründe für einen möglichen Weltuntergang beschworen: die Zerstörung durch Außerirdische, die Selbstzerstörung der Menschheit durch sich verselbständigende künstliche Intelligenz (Computer, Maschinen, Mikroorganismen), die Selbstzerstörung der Menschheit durch einen globalen Krieg, die Zerstörung durch selbstvermehrende Nanoroboter, die Zerstörung durch allgemeine Naturkatastrophen.

2012 geht wieder einmal die Welt unter und wir dürfen zuschauen. Dies zumindest führt uns das Kino im Endzeitspektakel von Roland Emmerich vor Augen. Das passiert nicht zum ersten Mal. Auch in der Literatur vergangener Jahrhunderte beflügelten Untergangsprognosen die Fantasie.

Nostradamus und das Ende der Welt

Für viele Menschen ist Nostradamus das Paradebeispiel eines zuverlässigen und glaubwürdigen Propheten. Jedes Jahr erscheinen zahlreiche neue Interpretationen und Deutungen seiner rätselhaften Sprüche, die sich allerdings im Abstand einiger Jahre zumeist als vollkommen falsch herausstellen. Wie in vielen anderen Beispielen zukunftsorientierter Prophetie scheint die Zuverlässigkeit des Propheten, was die Vergangenheit angeht, hervorragend. Doch sobald bisher unbekannte Ereignisse aus der Zukunft vorhergesagt werden sollen, versagt die Intuition.

Mehr als 100 verschiedene Bücher zu den Zukunftsansagen des Nostradamus sind gegenwärtig in deutschen Buchhandlungen zu erwerben. Die meisten sind reißerisch aufgemacht, führen einige als eingetroffen interpretierte Vorhersagen als Beweis für ihre Entschlüsselungsmethode auf und prophezeien dann den nahe bevorstehenden Weltuntergang.

Nach den Attentaten auf New York und Washington sind „Die Prophezeiungen des Nostradamus“ in vielen deutschen Buch-handlungen ausverkauft. „Die Weissagungen des Nostradamus sind schon in fast allen Auflagen vergriffen”, sagte Hugendubel-Mitarbeiterin Doreen Frede von der Filiale an der Berliner Friedrichstraße. Bei Amazon stehen „Die Prophezeiungen des Nostradamus bis 2050“ auf Platz acht der Bestsellerliste. Bernd Harder sieht hinter der Konjunktur aktueller Nostradamus-Interpretationen das Bedürfnis des entkirchlichten Menschen nach einer akzeptablen Erklärung der als unübersichtlich und bedrohend empfundenen Welt: „Zweifellos herrscht in Krisenzeiten ein starkes Bedürfnis vor, das eigene Leben und Erleben einzubinden in einen überge-ordneten Weltenlauf, um die persönliche Hilflosigkeit, Isolation und das Erschrecken ein wenig abzumildern.” „Je verheerender die Krise, desto größer scheint das Bedürfnis nach einer ganz eigenen Weltsicht gleichberechtigt neben den neusten Agenturmeldungen. … Dahinter steckt weniger das Bedürfnis, die Zukunft zu enthüllen. Auch der eifrigste Nostradamus-Fan wird kaum ernsthaft behaupten, dass es je gelungen sei, mit Hilfe der rätselhaften Verse irgendein Ereignis, irgendeine Katastrophe vorherzusagen; stets erfolgt die Deutung retrospektiv, im Nachhinein. Nostradamus – das ist für viele der okkulte Lotse durch die Wirren der Gegenwart.” Dass die Szene der Nostradamus- Deuter eher von Spekulation und Leichtgläubigkeit als von historisch nachvollziehbarer Erforschung der Äußerungen ihres Propheten bestimmt wird, zeigte sich wieder einmal nach dem Terror-Anschlag auf das World Trade Center am 11.9.2001. Nur zwei Tage später stand in einem als E-Mail verbreiteten Kettenbrief folgender Ausspruch Nostradamus zu lesen: „In der Stadt Gottes wird es einen großen Donner geben. / zwei Zwillingsbrüder werden von dem Chaos auseinander gerissen. / Während die Festung hält, wird der große Führer dem Angriff erliegen. / Der dritte große Krieg wird beginnen, wenn die Stadt brennt.” Unabhängig davon, dass auch dieser symbolträchtige Text vielfältig interpretiert werden kann und ein 3. Weltkrieg bislang nicht stattgefunden hat, entging den mei-sten Lesern vollkommen, dass es sich bei diesem vorgeblichen Nostradamus-Text schlicht um eine Erfindung handelte. Nie hatte der französische Seher etwas ähnliches geschrieben. Dabei hätte schon die Datierung des Spruches auf 1654 aufmerksam machen sollen, starb der Prophet doch bereits 1566.

Im Folgenden wollen wir uns stellvertretend für zahllose andere einer in den vergangen Jahren weit verbreiteten Nostradamus-Deutung zuwenden. V.J. Hewitt stellt sich als Nostradamus-Spezialistin vor, die von Nostradamus selbst als erste Person erwähnt sein soll, die seine Prophezeiungen exakt entschlüsselt. Zusammen mit Peter Lorie verfasste sie 1991 das Buch „Nostradamus – The End of The Millenium” das noch im selben Jahr in der deutschen Übersetzung erschien: „Die unglaublichen Weissagungen des Nostradamus zur Jahrtausendwende”. Durch den Bertelsmann Club erhielt das Werk in kurzer Zeit eine weite Verbreitung. Der Klappentext verheißt: „Nicht nur die zukünftigen Ereignisse können … konkret benannt werden, auch Zeiträume und sogar exakte Daten wie Tage oder Stunden lassen sich mit der einfachen Methode Hewitts entschlüsseln.” Eine ganz neue Ära der Zukunftsvorhersage solle jetzt beginnen: „Mit dieser revolutionären Methode der Interpretation des Nostradamus können wir im wahrsten Sinne des Wortes neue Türen … aufstoßen – ein Bild dem nahezu keine Grenzen gesetzt sind …” ; und: „Alle bisherigen Interpretationen der Werke des Propheten waren falsch” weil Nostradamus warten wollte, „bis der richtige Zeitpunkt gekommen und das passende Entschlüsselungssystem entdeckt war. Diese Zeit ist nun endlich gekommen, und wir können das, was er uns zu enthüllen beabsichtigte, voll nutzen.”

Nach Quatrain X.74 soll sich die Pazifische Platte unter die leichtere Amerikanische Platte schieben und dabei enorme explosive Kräfte freisetzen, „die stärker sind als tausend Bomben von Hiroshima.” Das Beben soll alle bisherigen Naturkatastrophen an Heftigkeit bei weitem übertreffen. Dem großen Beben sollen 13 Tage weitere kleine folgen. „Die unter schwerem Polizeischutz lebenden Gesellschaften in den Städten werden wahr-scheinlich unter dem Zusammenbruch von Gesetz und Ordnung am meisten zu leiden haben. Eine Prophezeiung spricht von Morden und Plünderungen …” „Weite Teile Kaliforniens werden durch das Erd-beben überflutet. San Diego und weite Teile von Los Angeles sollen durch die Wassermassen zerstört werden. Haben sich die Hollywood-Studios noch kurz vorher über das angekündigte Erdbeben lustig gemacht, werden ihre Gebäude innerhalb von 33 Minuten dem Erdboden gleichgemacht. Auch San Francisco wird schwer in Mitleidenschaft gezogen. Die Golden Gate Bridge soll schwer beschädigt werden, sodass ihr Neuaufbau erst 1999 abgeschlossen sein wird, so Hewitt. Am 8. Mai werden zahlreiche Überlebende in den Flüchtlingslagern ihr Leben durch Tumulte und Krankheiten verlieren. Ströme von verängstigten Bürgern fliehen in die benachbarten Staaten. Bis zum 3.April 1993 soll eine Massenevakuierung aus dem weitgehend zerstörten Kalifornien stattfinden.“ „In all den Wirren der Katastrophe soll Tom Cruise in Kalifornien bleiben, um den Menschen patriotisch zu helfen. Es wird „große Unruhe herrschen, und Cruise wird helfen, die Menschen zu beruhigen.”

Gleichzeitig wird der Beginn einer Völkerwanderung von Russland und den anderen osteuropäischen Staaten in den Westen Europas prognostiziert. Beide fehlgeschlagenen Prophezeiungen beruhen wohl eher auf der Interpretation allgemein zugänglicher Daten zur Zeit der Abfassung des Buches als auf Einsicht in zukünftige Entwicklungen.

Die Erdbebengefährdung Kaliforniens ist seit Jahrzehnten bekannt und das starke Wohlstandsgefälle in Europa ließ manchen die Schlussfolgerung einer großen Ost-West- Wanderung ziehen.
Der Golfkrieg von 1991 sollte nach Informationen des Nostradamus die letzte große Schlacht der US-amerikanischen Truppen werden. Gleichzeitig soll der damalige Krieg Ausgangspunkt für einen nahe bevorstehenden dritten Weltkrieg werden. Nostradamus Spruch III, 65 soll ferner zeigen, dass Saddam Hussein sein Regime in der Zeit von 1996 – 1999 festigen und seinen Einfluss auf den ganzen nahen Osten ausdehnen wird. Zusammen mit Syrien und Ägypten solle er 1995 und 1996 einen Krieg gegen Israel führen, der mit der Auslöschung des kleinen Landes endet.

Endzeit 2012

In der esoterischen Szene ist der 21. Dezember 2012 ein ganz besonderes Datum. Man ist sich zwar noch nicht ganz einig, was genau dann passieren wird – aber dass etwas passieren wird, scheint sicher. An diesem Tag soll das Ende des Maya-Kalenders auch das Ende der Welt einläuten. Manche rechnen mit gigantischen Katastrophen (Asteroideneinschlag, Erdbeben, Flut, Angriff von Außerirdischen), andere erhoffen den Anbruch eines neuen spirituellen Zeitalters (Aufstieg der Erde in „höhere Sphären“).

Für die Betreiber der Internetseite „Ancient Mysteries“ besteht die Geschichte aus einer gigantischen Verschwörung. Eine geheime Weltregierung ließe alle Medien beruhigende Lügen verbreiten und den Menschen längst bekannte Medikamente gegen Krebs vorenthalten. Hätte man nicht Präsident Kennedy ermordet, wäre die Welt einer „Galaktischen Föderation des Lichts“ beigetreten. Leider sei die Erde 1998 in einen „12-bändigen gigantischen universellen Lichtwirbel“ eingetreten, den sie 2012 wieder verließe.
Der bekannte Ufologe Erich von Däniken glaubt, dass 2012 die Götter (d.h. Außerirdische) zur Erde zurückkehren werden.

Autoren der „Neuen Tafelrunde“ sehen für 2012 einen Aufstieg der Erde in die „fünfte Dimension“ voraus. Allerdings gilt, „nur wer seine Schwingung weit genug erhöht hat (d.h. liebevoll genug ist), wird ebenfalls in die 5. Dimension mitgenommen. Alle Anderen werden die Erde vorher verlassen müssen und werden vermutlich auf andere Planeten der 3. Dimension umgesiedelt.“ Bei dieser Transformation gehe es im Kern um den kosmischen Kampf zwischen Licht und Dunkel, bei dem Drachenwesen, Lichtkörper und Sternentore eine Rolle spielen. – Die durchs Internet geisternde Nachricht, in Norwegen würden bereits unterirdische Bunker gebaut um Eingeweihte vor dem Weltuntergang 2012 zu bewahren, ist reine Erfindung.

Astronomische Auffälligkeiten 2012

Esoteriker wollen wissen, dass die Verlängerung der Erdachse im Dezember 2012 genau ins Zentrum der Milchstraße weist. Das wird als Hinweis auf eine kosmische Katastrophe interpretiert. Tatsächlich bewegt sich diese Erdachse und beschreibt einen Kreis, wie die Drehachse eines Kreisels. Sie kann allerdings niemals auf das Zentrum der Milchstraße zeigen. Dazu müsste die Erde „umkippen“ – und das kann nur passieren, wenn sie mit einem annähernd gleich großen Himmelskörper zusammenstößt. So einen Himmelskörper auf Kollisionsbahn mit der Erde gibt es aber nicht. Etwa 25 800 Jahre dauert es, wenn unser Sonnensystem die Sterngruppen der Plejaden umrundet. Dann hat sich die Erdachse einmal im Kreis gedreht und beendet diesen Zyklus, den man auch als „platonisches Jahr“ bezeichnet. Die in der Milchstraße angesiedelten Plejaden („Sieben- Gestirn“) – sind auch mit bloßem Auge zu erkennen. Das Ende dieses Zyklus haben die Maya auf den 21. Dezember 2012 datiert, obwohl man natürlich Beginn und Ende des Zyklus‘ beliebig zu jedem anderen Zeitpunkt des Umlaufs festlegen könnte.

Esoterische Autoren verweisen für 2012 auf einen „Synchronisationsstrahl“ aus dem Zentrum der Milchstraße. Solche Strahlen sind in der Wissenschaft unbekannt. Der Begriff findet sich lediglich in Büchern esoterischer Autoren wieder. An der Strahlung, die aus dem Zentrum der Milch-straße kommt, ist nichts Außergewöhn-liches. Große Ausbrüche von Gammastrahlung („Gamma Ray Bursts“) sind immer wieder zu beobachten. Diese stammen allerdings aus extragalaktischen Quellen und haben keinen Bezug zum Jahr 2012.
Die Aktivität der Sonne ändert sich zyklisch; alle 11 Jahre ist sie besonders stark. Das nächste Aktivitätsmaximum wird für Mai 2013, nicht für 2012, erwartet und es soll eher schwach ausfallen. Erhöhte Sonnenaktivität kann auf der Erde z.B. zu Ausfällen von Stromleitungen oder Satelliten führen. Große Naturkatastrophen oder Revolutionen werden dadurch aber nicht ausgelöst.

Die Behauptung, dass eine erhöhte Sonnenaktivität politische Unruhen auf der Erde begünstige, lässt sich nicht belegen und muss eher zu den modernen Mythen gerechnet werden. Natürlich ist es durchaus möglich, bestimmte Ereignisse immer so auszuwählen und zusammenzustellen, dass daraus eine gewisse Regelmäßigkeit ab-geleitet werden kann. Mit einem solchen Vorgehen kann man alles und nichts beweisen. Politische Unruhen gibt es jedes Jahr irgendwo auf der Erde, ohne wirk-lichen Zusammenhang mit der Sonnen-aktivität.
Auch andere, außergewöhnliche Planeten-konstellationen sind im Jahr 2012 nicht zu erwarten.

Die Zeugen Jehovas und der Weltuntergang

Obwohl die Wachturmgesellschaft offiziell keinerlei konkrete Daten zum nahen Weltuntergang mehr gibt, ist die Erwartung „Harmagedon komme bald”, bei Jehovas Zeugen auch heute noch sehr ausgeprägt. Insbesondere auf den überregionalen Kongressen wird in den Referaten immer wieder auf die unmittelbare Nähe des Weltendes hingewiesen.
Seit nunmehr über 100 Jahren kündigt der Wachturm den Zeugen Jehovas an, dass „in Kürze“ die Welt ihrem Ende entgegengeht, die letzte Schlacht von Harmagedon geschlagen und das neue Reich Gottes auf Erden aufgerichtet werden solle. Hier einige Auszüge aus Publikationen der Wachturmgesellschaft ausgewählt aus den letzten 100 Jahren:
Die Zeit des Endes beginnt 1799: „Der Feldzug des großen Feldherrn Napoleon Bonaparte ist eine klare Erfüllung dieser‘ Prophezeiung . . . Der Feldzug ist kurz aber anschaulich in dieser Prophezeiung Vers 40-44 (in Daniel 11) beschrieben, und da dieser Feldzug 1799 zu Ende ging, so bezeichnet er, nach den eigenen Worten des Propheten den Beginn der ‘Zeit des Endes’ . . . Zwölfhundertsechzig Jahre von 539 nach Chr. bringen uns zum Jahre 1799 – ein weiterer Beweis, dass das Jahr 1799 genau den Beginn der ‘Zeit des Endes’ bezeichnet.” In seinem 1922 veröffentlichten Buch ‘Die Harfe Gottes’ ver-weist Rutherford auf 1799 als Beginn der Endzeit. Garant für die Wahrheit biblischer Prophetie „sind die drahtlose Telegraphie und Luftschiffe als Erfindungen neuerer Zeit und doch finden wir heute, wo sie entdeckt sind, dass Gott durch seine heiligen Propheten vor vielen Jahrhunderten schon die Benutzung solcher Erfindungen voraussagte. (Hiob 38:35, Jesaja 60:8) … Eisenbahnzüge sind weniger als hundert Jahre bekannt, und doch gab der Prophet Gottes vor vielen Jahrhunderten eine klare, eingehende Beschreibung des Eisenbahnzuges und der Art seines Betriebes und weissagte, dass solche Züge allgemein zur Zeit des Endes benützt würden, zu der Zeit, wo der Herr Vorbereitungen zur Einsetzung seines Königreiches trifft. (Nahum 2, 3-6)” „Diese physischen Tatsachen können nicht bestritten werden und sind genügend, jeden vernünftig denkenden Menschen davon zu überzeugen, das wir seit 1799 in der Zeit des Endes leben.”

1872 „In diesem Kapitel bringen wir den Schriftbeweis, für die Tatsache, dass mit dem Jahre 1872, sechstausend Jahre, seit der Erschaffung Adams, verflossen sind und das wir daher, seit dem Jahre 1872, der Chronologie oder Zeitrechnung gemäß, in das siebente Jahrtausend oder ins Millennium eingetreten sind.” Gemeint ist damit das Tausendjährige Friedensreich Gottes auf Erden.

Der Anbruch des tausendjährigen Reiches für 1873: „Hier erbringen wir nun den Nachweis, dass von der Schöpfung Adams bis zum Jahre 1873 n. Chr. sechstausend Jahre verflossen sind.”

Der Tag Gottes im Jahr 1914: „Man verwundene sich daher nicht, wenn wir in den nachfolgenden Kapiteln Beweise beibringen . . . . dass das Jahr 1878 die Zeit sei, da die Ausübung seiner Macht beginnen sollte, und dass der ‘Krieg des großen Tages Gottes des Allmächtigen’ (Offb. 16:14), der im Jahre 1914 zu Ende gehen soll, bereits angefangen ist.”

Schon Jahre vorher wird die Glaubwürdigkeit der Wachturmgesellschaft am Anbruch des Reiches Gottes im Jahr 1914 festgemacht: „Angenommen, dass Jahr 1914 würde unter ruhigen Weltverhältnissen vorübergehen und es würde sich herausstellen, dass die ‚Auserwählten‘ noch nicht alle ‚verwandelt‘ wurden, und ohne das die Wiederherstellung des natürlichen Israels in die Gnadenstellung unter dem neuen Bunde eingetreten wäre. (Röm. 11:12,15) Was dann? Würde das nicht beweisen, dass unsere Chronologie falsch ist? Ja bestimmt! Und würde nicht jenes sich als ausgesprochene Fehlerwartung er-weisen? Tatsächlich! Es würde nicht wieder gut zu machenden Schiffbruch bewirken für die Parallel-Heilzeitordnungen . . . Keine von diesen könnte weiterhin aufrecht-erhalten werden.” Noch 1914 werden die Wachturmleser auf das Ende der Zeit eingestimmt: „Die diesjährige Hauptversammlung in Barmen vom 10. bis 13. April dürfte die letzte ihrer Art sein. Das sagen wir im Glauben an das prophetische Wort.” Schon wenige Monate später werden die eigenen Prognosen relativiert: „Nichts desto weniger möchte der Schreiber alle Wachtturmleser darauf aufmerksam machen, … dass es nach seinem Urteil jetzt unangebracht scheint, während des gegen-wärtigen Jahres alles das zu erwarten, was wir unserer früheren Annahme gemäß vorausgesetzt hatten. … Hierdurch erweist sich die Chronologie nicht als falsch, noch auch beweist dies, dass die Zeiten der Nationen nicht mit diesem Jahre enden. Es kann sein, dass die Zeiten der Nationen enden, ehe die Kirchenherrschaft zu einer geistlichen Macht auswächst. Wir müssen abwarten und sehen.”

(ACHTUNG: QUELLENANGABEN NUR IN DER PDF-VERSION!)
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Auszug aus „Der Weltuntergang kommt“ von Michael Kotsch
(Quelle: Zeitjournal Jahresausgabe 2011) © AG Welt e.V.