
von Thomas Schneider
Die Redewendung „Zwei Seelen in einer Brust“ stammt ursprünglich aus dem literarischen Werk „Faust I“ von Johann Wolfgang von Goethe und lautet vollständig: „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust.“
Dieser Satz beschreibt das Erleben eines inneren Konflikts in einem Menschen, einen inneren Zwiespalt, aus dem sich eine gespaltene Persönlichkeit entwickeln kann. Goethe beschreibt das Getriebensein eines Menschen, völlig Gegensätzliches gleichzeitig zu tun.
Der Apostel Paulus beklagt die innere Zerrissenheit der menschlichen Natur mit den Worten: „Ich verstehe ja selbst nicht, was ich tue. Denn ich tue nicht das, was ich will, sondern gerade das, was ich hasse. … Denn ich weiß, daß in mir, das heißt in meiner Natur, nichts Gutes wohnt. Es fehlt mir nicht am Wollen, aber ich bringe es nicht fertig, das Gute zu tun.“ (Röm 7,15+19)
Augustinus von Hippo (354 – 430 n. Chr.) schreibt in seinem Buch „Confessiones“ (Bekenntnisse) den weltberühmten Satz: „Geschaffen hast du uns auf dich hin, o Herr, und unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir.“ Damit stellt Augustinus klar, daß ein Mensch nur dann tiefste Erfüllung und inneren Frieden finden kann, wenn er sein Leben Gott unterstellt. Die Grundlage für dieses Glaubensbekenntnis ist im Psalm 62,2 (NeÜ) zu finden: „Nur bei Gott wird meine Seele still, denn meine Hilfe kommt von ihm.“ (nach Martin Luther: „Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft.“)
Die Bibel spricht grundsätzlich nicht von zwei Seelen, sondern von einer Seele: „… da bildete der HERR, Gott, den Menschen aus Staub vom Erdboden und hauchte in seine Nase Atem des Lebens; so wurde der Mensch eine lebende Seele.“ Damit wird bezeugt: Der Mensch hat nicht eine Seele, sondern der Mensch ist eine lebendige Seele. Auch Jesus spricht von einer einzigen Seele (Mk 8,36). Gottes Wort beschreibt nicht zwei Seelen, sondern zwei sich widersprechende Ideale: Gutes und Böses. Im Jakobusbrief (1,17) steht: „Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts, bei dem keine Veränderung ist noch Wechsel von Licht und Finsternis.“ Im Gegensatz dazu heißt es in Johannes 8,44: „Der Teufel ist ein Mörder von Anfang an und steht nicht in der Wahrheit, denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er die Lüge redet, so redet er aus dem Eigenen; denn er ist ein Lügner und der Vater der Lüge.“
In einem Menschen kann entweder durch Christus der Heilige Geist wohnen oder Satan. Daran wird ersichtlich, wer ein Kind Gottes und wer ein Kind des Teufels ist. Ein Mensch, der Gott zum Vater hat, lebt nicht mehr in der Sünde, weil ER durch den Heiligen Geist in ihm wirkt. Deshalb kann der Mensch in seinem Leben keine Sünde mehr dulden. „Man kann also erkennen, wer ein Kind Gottes und wer ein Kind des Teufels ist: Wer nicht auslebt, was vor Gott recht ist, stammt nicht von Gott, und auch der nicht, dem die geschwisterliche Liebe fehlt.“ (1Joh 3,10)
Immer wieder will dich deine sündige Natur (die Bibel spricht von „Fleisch“) zu Bösem verleiten: „Denn die menschliche Natur widerstrebt dem Geist Gottes und der Geist Gottes ebenso der menschlichen Natur. Beide stehen gegeneinander, damit ihr nicht einfach macht, was ihr wollt.“ (Gal 5,17) Diesen inneren Konflikt kannst du selbst nicht lösen. Es braucht einen von Gott gesandten „Löser“: Jesus Christus. ER allein kann dich befreien von Sünde, Tod und Teufel.
Bist du in Christus wiedergeboren und eine neue Kreatur (Seele) geworden, dann zieht der Heilige Geist in dein Leben ein. Solange du in deinem alten Leben hängen bleibst (bildhaft: wie in schmutzigen Klamotten), bist du Eigentum Satans. Durch die geistliche Neugeburt in Jesus Christus wirst du zwar weiterhin im geistlichen Kampf stehen (vielleicht noch viel stärker, weil dich der Teufel nicht hergeben will!), doch dein „alter Mensch“ wurde mit Jesus auf Golgatha gekreuzigt, wodurch Satan keine Macht mehr über dich hat. Der Sieg über alles Böse kommt nicht durch menschliche Willenskraft oder Selbstüberwindung, sondern einzig und allein durch das Erlösungswerk des HERRN Jesus!