
von Thomas Schneider
Die Redensart „Zwei linke Hände haben“ findet in der Alltagssprache dann für einen Menschen Verwendung, wenn er sich im Umgang mit Handwerkszeug ungeschickt anstellt. Der Haken an der Phrase ist der, daß der Intellekt des Menschen niemals auf seine beiden Hände beschnitten werden sollte. So mancher Bauarchitekt bekommt keinen Nagel gerade in die Wand und mancher Dachdecker keine brauchbare Bauzeichnung aufs Papier. Gelernt ist gelernt und jeder Mensch ist mit einer anderen Gabe ausgestattet.
Wird der Blick auf den geschichtlichen Hintergrund gelenkt, galt immer die rechte Hand als die „gute“ und die linke Hand als die „schlechte“. Die Begründung hierfür ist sowohl in der Biologie als auch in Kultur und Religion zu finden. Es handelt sich nicht ausschließlich um eine Erscheinung im frühen Mittelalter. Bis in die 1980-er Jahre galt das Schreiben und Essen mit der linken Hand als unschön, Kinder wurden dafür oftmals bestraft. Bis heute gilt im Islam eine klare rituelle Trennung zwischen der rechten Hand (für ehrenvolle, reine Tätigkeiten) und der linken Hand (für den Toilettengang). Diese Trennung der beiden Hände geht auf die Überlieferungen des Propheten Mohammed zurück (Hadithen, Wudū‘-Regeln). Im Gegensatz dazu galt bei den Inkas (Indianerstamm) Linkshändigkeit als Zeichen von Glück. Schamanen (okkulte Heiler) waren meist Linkshänder.
Was sagt die Bibel (in der die Redewendung „Zwei linke Hände haben“ nicht zu finden ist) zur rechten und zur linken Hand? Die rechte Hand steht schon im Alten Testament symbolhaft für die Autorität, Allmacht und Stärke Gottes. So heißt es im 2. Buch Mose, Kapitel 15, Vers 6: „HERR, deine rechte Hand, herrlich an Kraft, deine rechte Hand, HERR, zerschlägt den Feind.“ Gott kann nicht nur jeden Feind als Fußbank unter Seine Füße stellen (Lk 20,43), sondern auch Bewahrung schenken: „Der HERR behütet dich; der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand …“ (Ps 121,5) Mehrfach wird im Neuen Testament betont, daß zur rechten Hand der Ehrenplatz ist, so beispielsweise im Lukasevangelium (22,69): „Aber von nun an wird der Menschensohn sitzen zur Rechten der Kraft Gottes.“
Sehr selten wird der linken Hand in der Bibel Stärke zugesprochen. Doch im Buch Richter ist von dem Benjaminiter und Linkshänder Ehud die Rede, der im Auftrag Gottes den König von Moab besiegte und als einer der Richter über Israel eingesetzt wurde (Ri 3,15-26; 4,1). Seine Feinde dachten, Ehud trüge sein Schwert rechts. Falsches Denken kann gefährlich sein. – Davon, daß die linke Hand mit ihrem Tun manchmal auch im Verborgenen bleiben soll, spricht Jesus: „Wenn du aber Almosen gibst, so laß deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut…“ (Mt 6,3) Das bedeutet: Gutes soll ohne Selbstruhm geschehen.
Besonders schwerwiegend sind die Worte Jesu zum Endgericht: „Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sich setzen auf den Thron seiner Herrlichkeit, und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet, und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken. Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt!“ (Mt 25,31-34) Hier geht es weder um Biologie, noch um Kultur und Religion, sondern um die endgültige Trennung der Menschen in „gerettet“ oder „verloren“ (2Kor 2,15).
Warum ererben gerade die Menschen zur Rechten den Himmel? Die Antwort gibt wiederum das Alte Testament im Psalm 110,1: „Der HERR sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel unter deine Füße lege.“ Es geht um den Platz der Ehre, der dem ewigen König Jesus Christus zugewiesen wird (Hebr 1,3; 10,12; Apg 2,33-35) Wenn Christus selbst zur Rechten des Vaters sitzt, dann werden alle in Christus wiedergeborenen Menschen im Gericht ebenfalls auf der Seite der Annahme (der „Schafe“) stehen. Sie stehen nicht rechts, weil sie besser sind und diesen Platz verdient hätten, sondern weil sie Christus als ihren HERRN und Retter angenommen haben: „Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme.“ (Eph 2,8-9)
Gehörst du dem KÖNIG aller Könige und HERRN aller Herren? Dann hat dir Sein Heiliger Geist die Erkenntnis geschenkt, daß du nicht aus dir selbst heraus die notwendige Gerechtigkeit besitzt, um im Endgericht bestehen zu können (Röm 3,10; 2Kor 5,21). Somit kannst du mit Heilsgewißheit in das alte Lied von Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf einstimmen: „Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid, damit will ich vor Gott bestehn, wenn ich zum Himmel werd eingehn.“ „Zwei linke Hände haben“ ist nach dem Willen Gottes am Ende nicht das Auswahlkriterium für rechts oder links.