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Da läuft mir die Galle über!

Foto: Modellbild

von Thomas Schneider

Die Redewendung „Da läuft mir die Galle über!“ ist im gesamten deutschen Sprachraum bekannt. Es handelt sich um eine stark emotional geprägte Äußerung über Unrecht, Ungerechtigkeit, Willkür oder auch Diskriminierung und Benachteiligung.

Aus medizinischer Sicht wirken sich Streß und Aufregung, Wut und Zorn, nicht nur negativ auf die Galle aus, sondern auf den gesamten Organismus. Wenn bei einem Menschen sprichwörtlich „die Galle überläuft“, werden schlagartig Adrenalin und Cortisol ausgeschüttet und das Nervensystem bleibt für eine bestimmte Zeit in Anspannung. Bleiben Streß und Zorn längere Zeit auf einem hohen Niveau, kann die in der Leber produzierte Gallenflüssigkeit durch langes Verhaftenbleiben in der Gallenblase verschlammen, Gallengänge verstopfen und zur Bildung von Gallensteinen führen.

Es vergeht wohl kaum eine Woche, an dem bei einem Menschen „die Galle“ nicht „überläuft“ oder überzulaufen droht. Es stößt ihm manches bitter auf, was im Alltag geschieht: in der Familie, im sozialen Umfeld, aber auch und immer stärker im Handeln von Staat und Regierung. Dann heißt es: „Das macht mich maßlos wütend“ oder „Jetzt reicht es!“ In einer anderen Redewendung werden solche Äußerungen mit „Gift und Galle spucken“ bezeichnet.

Die Bibel bezieht klar Stellung, wenn es um Bitterkeit und Frustration zu erfahrenem Unrecht geht. Mose hält Rückschau auf die Gräuel der Ägypter und ihre Götzen und fordert das Volk Israel auf, in den Bund mit Gott zu treten. Keiner soll sich von dem HERRN abwenden: „Laßt unter euch nicht eine Wurzel aufwachsen, die da Gift und Wermut hervorbringt.“ (5Mo 29, 17b) Der Prophet Jeremia nimmt Bezug auf das Gericht Gottes: „Denn der HERR, unser Gott, läßt uns umkommen und tränkt uns mit einem giftigen Trank (Gallewasser), weil wir so gesündigt haben wider den HERRN.“ (Jer 8,14) Im Buch Klagelieder (3,19) heißt es: „Gedenke doch, wie ich so elend und verlassen, mit Wermut und Bitterkeit getränkt bin!“

Es ist in den Augen Gottes bestimmt nicht verwerflich, wenn dem Menschen im Leben manches bitter aufstößt. Was er aber nicht tun soll: im Zorn verharren, damit er keinen Schaden an Körper und Seele nimmt. Gott läßt Klage und ehrliche Emotionen zu. So spricht Noomi im Buch Ruth: „Nennt mich nicht Noomi (die Liebliche), sondern Mara (die Bittere); denn der Allmächtige hat mir viel Bitteres angetan.“ Noomi klagt ihren Schmerz nach dem Verlust von Mann und Söhnen. Gott straft sie nicht für ihren Frust und später segnet ER sie.

Als wiedergeborener Christ wirst du sehr wachsam sein und dich auf Grundlage der Bibel über Gegebenheiten und Entwicklungen allseitig informieren und diese auch bewerten – sei es im Privaten oder im Gesellschaftlichen. Aber du wirst mit dem Beistand deines HERRN und Heilandes Jesus Christus nicht in Wutgetöse, Bitterkeit oder Trauergesang hängen bleiben. Dann wird dein Ausblick die unerschütterliche Hoffnung und das feste Vertrauen auf Gottes Gnade sein. Und Kinder Gottes brauchen gerade dann, wenn ihnen „die Galle überläuft“ Mahnung durch Gottes Wort: „Achtet aufeinander, damit niemand sich von Gottes Gnade ausschließt! Laßt nicht zu, daß eine bittere Wurzel zur Giftpflanze wird, durch die dann viele von euch zu Schaden kommen!“ (Hebr 12,15)

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