
von Thomas Schneider
Wer kennt es nicht, dieses alte, weltbekannte Kinder- und Gesellschaftslied von Karl Valentin aus dem Jahre 1939: „Zu Grünwald im Isartal, glaubt es mir, es war einmal, da ham edle Ritter g´haust, denen es hat’s vor gar nix graust. Ja, so warn’s, ja, so warn’s, ja, so warn’s die alten Rittersleut. Ja, so warn’s, ja, so warn’s die alten Rittersleut!“
Die Redewendung „Böses im Schilde führen“ geht zurück auf das mittelalterliche Kriegswesen mit seinen Rittern und Burgen. Das „Schild“ war damals gewissermaßen der Identitätsnachweis des Ritters. Von Weitem schon war zu erkennen, ob es sich um einen Verbündeten handelte oder ob er Böses im Schilde führte. Denn so mancher hinterlistige Ritter verbarg seine feindlichen Absichten, zeigte sich mit einem falschen Wappen, lockte seine Gegner in einen Hinterhalt oder verschaffte sich Zutritt in die gegnerische Burganlage.
Die Ritter verschwanden Jahrhunderte später, die Metapher „Böses im Schilde führen“ blieb erhalten. Die Kriegstaktik mit Rüstung und Schild wandelte sich im 16./17. Jahrhundert in eine allgemeine Redensart mit Mehrfachbedeutungen: ein falsches Spiel spielen; Wolf im Schafspelz sein; hinterlistige Pläne schmieden; hinter dem Rücken agieren; einen Anschlag planen u.a.m.
Die Worte „Böses im Schilde führen“ sind zwar so in der Bibel nicht zu finden, beschreiben aber zutreffend, was Gott in Seinem Wort deutlich macht: den Gegensatz zwischen dem Lebenswandel eines Menschen und allem Verborgenen in seinem Herzen. „Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.“ (1Sam 16,7) Der Mensch läßt sich meist nur vom äußeren Anschein eines anderen beeinflussen. Freundlichkeit kann leicht darüber hinwegtäuschen, daß er in der Tiefe seines Herzens „Böses im Schilde führt“. Gott aber beurteilt einen Menschen nach seinen inneren Werten und Beweggründen, vor IHM kann nichts verborgen bleiben.
In Sprüche 21,2 heißt es: „Jeder Weg eines Menschen ist recht in seinen Augen, aber der HERR prüft die Herzen.“ Damit offenbart Gott die tiefe und schmerzhafte Kluft zwischen menschlicher Selbsttäuschung und der Wirklichkeit aus göttlicher Sicht. Der Mensch kann oft meisterhaft seine verwerflichen Absichten vor anderen rechtfertigen, nicht aber vor dem allwissenden Schöpfer. Da ist – wie es in einer anderen Redensart treffend heißt – „Ende Gelände!“ Erst durch den Heiligen Geist und das Wort Gottes werden die wahren Absichten eines Menschen in seinem Herzen offengelegt. „Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens.“ (Hebr 4,12)
Wie triffst du im Umgang mit anderen Menschen Entscheidungen? So, damit alles gut aussieht? Oder zur Ehre Gottes? Kannst du dich dem Gebet des David anschließen: „Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege“? (Ps 139,23) Vor dem kommenden Heiland und Richter zählt keine äußere Frömmigkeit, sondern ein erneuertes Herz. Ein wiedergeborener Christ sollte nichts „Böses im Schilde führen“. Paulus schreibt an die Gemeinde in Ephesus: „Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit…“ (Eph 4,25a)