AG Welt

Auf keinen grünen Zweig kommen

Foto: Modellbild

von Thomas Schneider

Die Bedeutung von „Auf keinen grünen Zweig kommen“ führt auf unterschiedliche Ursprünge zurück. Im Umgang mit der übernatürlichen Welt herrscht seit der Antike im sog. Volksglauben die Vorstellung, ein immergrüner Zweig von Pflanzen, Sträuchern und Bäumen – die das ganze Jahr über ihre Blätter bzw. Nadeln behalten – seien Zeichen für Glück, Wachstum und Gedeihen.

In der Esoterik, die als Lehrgemisch aus jahrtausendealtem Geheimwissen und Mystik etwa Ende des 18. / Anfang des 19. Jahrhunderts entstand, ist der „grüne Zweig“ Symbol für die Unsterblichkeit der Seele. So wird der „grüne Zweig“ auch als sog. „Wegweiser für die Seele“ auf ihrer Reise ins „Jenseits“ auf Gräber gepflanzt. Immergrüne Zweige werden an Häuser angebracht, um sie nach spirituell-mystischer Denkweise vor „negativen Energien“ und dämonischen Einflüssen zu schützen. Derartige Vorstellungen stehen der Bibel diametral entgegen.

Ein weiterer Ursprung für diese Redewendung ist im Mittelalter im Zusammenhang mit einem Rechtsbrauch zu finden. Beim Erwerb eines Grundstücks wurde vom Vorbesitzer ein Stück Rasen samt einem grünen Zweig in der Mitte überreicht, der den rechtmäßigen Besitzwechsel symbolisieren sollte. Wer nur ein Stück Rasen ohne einen grünen Zweig bekam, ging bei der Grundstücksvergabe leer aus.

Ursprünglich bezog sich die Redewendung „Auf keinen grünen Zweig kommen“ auf Übernatürliches oder altes Rechtsgut. Später wurde sie im Volksmund umgedeutet und darauf bezogen, daß der erfolglose, finanziell nicht vorankommende Mensch „auf keinen grünen Zweig“ gekommen ist und (die Gründe mögen unterschiedlicher Natur sein) es im Leben zu nichts bringt.

Heutzutage wird die Redensart häufig auch dafür verwendet, wenn Teilnehmer einer Versammlung „auf keinen grünen Zweig kommen“ und deshalb Verhandlungen oder Kooperationen platzen. Beispielhaft ist das Auseinanderbrechen einer Parteien-Koalition nach einer Bundestagswahl. Erfolglosigkeit führt immer in eine Sackgasse, in der sich ständig im Kreis gedreht wird, bis sich entweder auf praktikable Lösungen verständigt werden kann oder Neuwahlen ausgerufen werden müssen. Letzteres beschreibt das Scheitern einer Regierung, die immer wieder versucht hat, alle notwendigen Entscheidungen „auf die lange Bank“ zu schieben, weil keiner vor seinen Wählern „Gesicht verlieren“ wollte (wie es in anderen Redewendungen heißt).

Aus dem Wort Gottes heraus verstanden, steht das „Grün“ oft für geistliches, segensreiches und gottgewolltes Leben. Ein schönes Bild wird im Psalm 1, im Vers 3 übermittelt: „Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht. Und was er macht, das gerät wohl.“ Ein Mensch, der sein Leben nach dem Wort Gottes ausrichtet, wird mit einem grünenden, fruchtbaren Baum verglichen. Beim Propheten Jesaja wird dem „Zweig“ eine besondere Bedeutung zuteil: „Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen.“ (Jes 11,1) Der „Zweig“ steht für die kommende Hoffnung als Symbol für Heil, Rettung und Erlösung durch Gottes gnädiges, barmherziges Handeln im Sterben und Auferstehen Seines Sohnes.

Ein Mensch, der nicht an Jesus Christus und Sein heiliges Wort glaubt oder sich bewußt von IHM abwendet, gleicht einer verdorrten Rebe. Der himmlische Vater, „der Weingärtner“, schneidet sie weg, weil sie keine Frucht mehr bringt (Joh 15,2a). Lebst du getrennt von Jesus, bist du geistlich tot und verlierst Sinn und Ziel deines schöpfungsgewollten Lebens. „Auf keinen grünen Zweig kommen“ bedeutet nach konsequenter biblischer Auslegung: ohne Gottes Segen zu sein. Bleibst du fest im Glauben an den lebendigen Gott, in Christus verwurzelt, kommst du am Ende deines Lebens in das Immergrün von Gottes Herrlichkeit. Zum Thron Gottes heißt es in Offenbarung 4,3: „Und den ganzen Thron umleuchtete ein Regenbogen, grün wie ein Smaragd.“

Die mobile Version verlassen