
von Thomas Schneider
Im heutigen Sprachgebrauch bedeutet „den Stein ins Rollen bringen“ soviel wie: eine Entwicklung oder ein Vorhaben oder einen Prozeß anstoßen. Der Stein steht als Sinnbild für etwas Schweres und Unbewegliches. Wenn er aber einmal in Gang gesetzt wird, dann rollt er nach physikalischem Gesetz meist von allein und unaufhaltsam solange weiter, bis er entweder selbst zum Stillstand kommt oder bewußt zum Halten gebracht wird.
Als Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen gegen den Ablaßhandel der katholischen Kirche veröffentlichte, brachte er „einen Stein ins Rollen“, der bis heute unaufhaltsam weiterrollt. Sein Thesenanschlag war kein rein menschenhistorisches Ereignis, sondern – mit seiner Bibelübersetzung in nur elf Wochen, aus dem griechischen Urtext in die deutsche Sprache – ein von Gottes Geist geführter Aufbruch. Der Reformator legte das biblische Fundament frei, das unter Jahrhunderten von menschlicher Tradition verschüttet lag. Ein kleiner Anstoß erschütterte den religiösen Kult einer von Korruption und Machtmißbrauch durchdrungenen Kirche und entlastete mit vier „Allein“-Wahrheiten (Solas) die von Sorge um das Seelenheil getriebenen Menschen: Sola Scriptura (Allein die Schrift); Sola Gratia (Allein durch Gnade); Sola Fide (Allein durch den Glauben); Solus Christus (Allein Christus). Später wurde ein fünftes Sola von der Theologie hinzugefügt: Soli Deo Gloria – Gott allein die Ehre.
Gottes Wort hat durchdringende Wirkung, es erschüttert Mark und Bein. „Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens.“ Wer sich tiefgründig mit dem vom Geist Gottes gewirkten Wort Gottes in der Bibel beschäftigt, der wird feststellen, daß etwas scheinbar schwer Verständliches – wie ein schwerer „Stein“ – das wahre Leben „ins Rollen“ bringt.
Gott beginnt im Leben eines Menschen oft mit etwas Unscheinbaren. Ein Wort, ein Satz, ein Gleichnis oder eine Erkenntnis aus der Bibel können den schweren „Stein“ des Glaubens „ins Rollen“ bringen. Der Gehorsam gegenüber Gott und Seinem Wort wird der erste Antrieb dazu sein, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Das „Ins-Rollen-Bringen“ bedeutet: Der Anfang göttlichen Wirkens im Menschen ist gemacht. Kommt der (für viele unverständliche) Glaube an Jesus Christus bei einem Menschen einmal „ins Rollen“, dann kann er nicht anders: Er muß die frohe Botschaft, die Rettung von Sünde, Tod und Teufel durch Christus verkündigen. Selbst unter Strafandrohung heißt es in der Apostelgeschichte 4,20 von Jesu Jüngern Petrus und Johannes: „Wir können’s ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben.“
Wie denkst du über die Redewendung „den Stein ins Rollen bringen“? Ist dir beim Lesen der Bibel klar geworden, daß im Vergleich zum weltlichen Denken Gott der eigentliche Initiator in allem ist? ER hat die Geschichte der Welt „ins Rollen“ gebracht und lenkt sie von Ewigkeit zu Ewigkeit. Dabei wird nicht außer Acht gelassen, daß auch der schwere „Stein“ Sünde (1Mo 3) eine Kettenreaktion ausgelöst hat, die sich bis heute auf die gesamte Menschheit auswirkt. „Das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf“ (1Mo 8,21b) und kann nur durch den Glauben an die Heilstat Jesu am Kreuz in ein neues Leben durch die Wiedergeburt in Christus gewandelt werden. Hast du diesen Schritt schon gewagt? Wenn Ja, dann bist du ein Kind Gottes und von IHM angenommen in Seinem ewigen Reich. Wenn nicht, dann ist vielleicht heute der Tag für dich gekommen, zu einem Ja für ein Leben mit Jesus Christus zu finden.