
von Thomas Schneider
Die Redewendung „Seine Felle davonschwimmen sehen“ wird zur Realität, wenn der Mensch seine Hoffnungen mehr und mehr schwinden sieht oder sein Vorhaben endgültig zu scheitern droht. Er verliert die Kontrolle über sein Leben oder über eine konkrete Situation und kann den drohenden Verlust nicht mehr aufhalten.
Ursprünglich stammt die Redensart aus dem Gerberhandwerk. Früher mußten Tierfelle stundenlang in fließendem Gewässer gereinigt und gespült werden. War ein Gerber bei starker Strömung unaufmerksam, sah er die kostbaren Felle seiner Kunden davonschwimmen. Passierte das mehrfach, konnte es für ihn schwere finanzielle Einbußen zur Folge haben, bis hin zum Verlust des gesamten Handwerksbetriebes.
Es mag für einen Menschen ein tiefgreifender Schock sein, wenn ihm sicher Geglaubtes im Leben entgleitet und Vorteile, Erfolg und Besitz im Bilde gesprochen davonschwimmen. Die Redewendung „Seine Felle davonschwimmen sehen“ selbst ist nicht biblisch. Aber es darf gefragt werden: Wie bewertet die Bibel die geschilderte Lebenssituation, wenn das, worauf der Mensch gebaut hat, sich plötzlich wie in Luft auflöst?
Im Markusevangelium (8,36) steht: „Was hilft es dem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen und Schaden zu nehmen an seiner Seele?“ Was heißt das? Ein Mensch kann alles besitzen und doch am Ende des Lebens alles verlieren. Er sieht „seine Felle davonschwimmen“, wenn er auf etwas baut, das in letzter Konsequenz nicht trägt.
Gottes Wort warnt vor falscher Sicherheit. Bezeichnend ist das Gleichnis Jesu vom Hausbau (Mt 7,24-27). „Der Kluge baut sein Haus auf Felsengrund … Der Narr aber hat auf Sand gebaut…“ Dieses vom Evangelisten Anton Schulte überlieferte Lied wird bereits mit kleinen Kindern gesungen, um sie auf die ihnen zukommenden Stürme im Leben vorzubereiten.
Die Redewendung mit den „Fellen“ bleibt auf der Verlustebene stehen. Ohne Gott vergeht aller Besitz, Sicherheiten brechen weg, der Mensch sieht „seine Felle davonschwimmen“. Mit Gott kann zwar der gesamte irdische Besitz verloren gehen, nicht aber der Reichtum, der von Gott kommt. Dieser Reichtum reicht unendlich weit über Glanz und Gloria dieser vergänglichen Welt hinaus.
Deshalb heißt es in der letzten Strophe dieses Kinderliedes: „So bau dein Haus auf den HERRN Jesus Christ, so bau dein Haus auf den HERRN Jesus Christ, so bau dein Haus auf den HERRN Jesus Christ, und der Segen strömt herab.“ Denn der Segen Gottes ist höher als alle menschliche Vernunft!
Was ist in deinem Leben geschehen, seit du aus den Kinderschuhen herauswachsen bist? Was ist aus dir geworden und aus deinen Lebensplanungen? Hast du deine „Felle“ davonschwimmen sehen oder gar so manches in den Sand gesetzt, weil es dir an festem Gottvertrauen gemangelt hat? Vielleicht hast du auch erst sehr spät erkannt, daß Jesus Christus für dich der Fels in der Brandung ist. Dann war es noch nicht zu spät!
Bist du aber immer noch dabei, alles (wie der Gerber am Fluß) auf Risiko zu setzen, dann kann heute für dich die Stunde der Wahrheit gekommen sein, altes Leben Revue passieren zu lassen und ein neues Leben mit Jesus Christus zu beginnen. Denn morgen kann es für dich zu spät sein.