
von Thomas Schneider
Wer eine Klinik (außer vielleicht bei einem Krankenbesuch) noch nicht wirklich von innen gesehen hat, der sollte – angesichts der teils schweren Krankheitsfälle auf so manchen Stationen – Gott an jedem neuen Tag viel Lob und Dank entgegenbringen.
Ich warte auf meine Untersuchung. Vor mir im Wartezimmer drei Männer und eine Frau, allesamt in Rollstühlen, schätzungsweise im Alter von 80 Jahren aufwärts. Alle Vier blicken traurig vor sich hin. Dann fängt einer von den Männern (es scheint der Älteste von den vier Rollstuhlfahrern zu sein) an zu reden: „Seitdem ich vor zehn Jahren das erste Mal über die Türschwelle dieser Klinik gegangen bin, finden die immer wieder etwas Neues, was bei mir nicht in Ordnung sein soll.“ Darauf der Mann neben ihm: „Erst sollte es Krebs sein, dann wieder nicht, dann wieder doch. Ich hab´s satt!“ Die den Männern gegenübersitzende Frau im schneeweißen Haar sagt: „Hauptsache gesund!“ Scheinbar hat sie nur einige wenige Wortfetzen mitgeschnitten – sie ist schwerhörig. Der dritte Mann im Bunde sinnt in sich hinein und ist sehr schweigsam.
Solche oder ähnliche Begebenheiten sind sicher keine Seltenheit in den Kliniken. Bei vielen Menschen geht es um Leben oder Tod, es geht um ihre letzten Stunden, Tage und wenn´s hochkommt Monate. Und es geht um die Frage, ob es wirklich das höchste Ziel im Leben sein kann: „Hauptsache gesund!“ Diese beiden Worte sind zu einer unüberlegten Redensart geworden. In einer Statista-Umfrage im Jahr 2025 wird gefragt: „Welche Werte sind den Deutschen wichtig?“ Für 65 Prozent der Befragten steht die Gesundheit an erster Stelle.
Das bedeutet: Keiner will sterben. – Aber wer will das schon? – Außer vielleicht jener Mensch, der lebenssatt ist und den das Gefühl nicht mehr losläßt, genug gelebt zu haben und nun in Frieden sterben will. Der Begriff „lebenssatt“ stammt ursprünglich aus der Bibel. Dort wird er für die Erzväter wie Abraham (1Mo 25,8), Isaak (1Mo 35,29) oder Hiob (Hi 42,17) verwendet, die „alt und lebenssatt“ (Übersetzung nach Martin Luther) starben. Die Worte galten als Zeichen für ein von Gott gesegnetes Leben.
Jeder Mensch muß einmal sterben, ob er es will oder nicht. Es war von Anfang an sein Wille. Er wollte sein wie Gott, konnte es aber nicht – weil es nur einen Gott gibt. Des Menschen Plan, ohne Gott ewig leben zu können, ist krachend gescheitert. Die Erkenntnis paßte nicht in sein Hirn, daß allein der Schöpfer das Leben geben kann und es auch wieder nehmen wird. Heute versucht man mit lebensverlängernden Maßnahmen das menschliche Ableben (1Mo 3,19: „Denn du bist Staub und sollst zu Staub werden.“) oft auf qualvolle Weise für den Betreffenden hinauszuschieben. Meine Großmutter erzählte, dass man zu früheren Zeiten einen Verstorbenen an einen Stuhl festgebunden und noch einige Tage ans Fenster gesetzt habe, damit die Nachkommen die Rente weiter bekommen. Vorgetäuschte lebensverlängernde Maßnahme.
In allgemeinen Umfragen zu den „wichtigsten Dingen im Leben“ steht der Glaube an Jesus Christus meist weit abgeschlagen hinter weltlichen Werten, wie eben die Gesundheit. Ärzte, Medizin und Gesundheit überhaupt werden in der Bibel durchaus in einem positiven Zusammenhang genannt. Doch wenn der Mensch die Gesundheit zum Götzen erhebt, zu einem letztlich unerreichbaren Ideal, dann braucht er Jesus Christus nicht mehr, der das Wichtigste im Leben sein sollte – erst recht im Alter, wo doch der Mensch nicht mehr lange zu leben hat.
Kannst du ehrlichen Herzens beten, wenn es um deine Gesundheit geht: „HERR Jesus, DEIN Wille geschehe“? Vertraust du deinem Schöpfer, wenn ER dir – für dich vielleicht unerklärlich – eine schwere Krankheit auferlegt? Ein rüstiger 80-jähriger sagte einmal schmunzelnd zu mir: „Naja, irgendwie ist das schon komisch. Heute will keiner mehr sterben.“ Und dann fügte er mit ernster Miene hinzu: „Wer nicht weiß, wohin die Reise nach dem Tod geht, der ist nur zu bedauern. Denn was nützt einem über 80-jährigen beste Gesundheit, wenn er doch gesund stirbt und den Herrn Jesus als seinen Herrn nicht angenommen hat?“