
von Thomas Schneider
Es sind Redensarten, die immer wieder einmal im Alltag zu hören sind: „Ich habe mehrere Stunden darüber gegrübelt und bin endlich der Sache auf den Trichter gekommen.“ – „Manchmal fällt der Groschen langsam, doch nun bin ich auf den Trichter gekommen.“
Die Redewendung „Auf den Trichter kommen“ bedeutet also, daß der Mensch eine Angelegenheit nach langem Überlegen endlich begreift, eine Lösung für ein Problem oder einfach eine gute Idee hat. Es dauert manches Mal etwas länger, bis die Ratlosigkeit ein Ende hat. Diese Redensart geht ursprünglich auf die legendenhafte Lernmethode „Nürnberger Trichter“ zurück, die keine eigene Anstrengung erfordert – bei der der Mensch etwas „eingetrichtert“ bekommt.
Der Trichter als kegelförmiges Gefäß, das oben eine weite Öffnung und unten ein schmales Auslaufrohr besitzt, steht symbolhaft für ein Hilfsmittel, durch das etwas in den Kopf des Menschen hineingegossen wird. Wenn dann das Eingegossene endlich ankommt, heißt es: „Auf den Trichter gekommen“. Gibt es eine Parallele zur Bibel?
Jesus redet zu Seinen Jüngern oft in Gleichnissen. Mit einfachen, bildhaften Vergleichen zum alltäglichen Leben erklärt Er ihnen Gottes Wort. Erst dann können sie die geistliche Wahrheit der Schrift verstehen. In Lukas 24,45 heißt es: „Da öffnete er (Jesus) ihnen das Verständnis, so daß sie die Schriften verstanden.“ Die Jünger hatten vieles von Jesus gehört, aber geistlich nicht wirklich kapiert. Selbst Seine drei Leidensankündigungen haben sie nicht auf den Trichter gebracht, was sie in letzter Konsequenz bedeuten.
Erst dann, wenn ein Mensch auf den Trichter kommt, daß allein Gott durch Seinen Heiligen Geist das Verstehen der biblischen Botschaft bewirken kann, wird ihm vieles klar: „Jetzt hab ich’s begriffen!“ Wer die Bibel liest wie ein normales Stück Literatur, wird die ihr innewohnende Wahrheit nicht erkennen können. Deshalb sagt Jesus: „Darum rede ich in Gleichnissen zu ihnen; denn mit sehenden Augen sehen sie nicht und mit hörenden Ohren hören sie nicht und sie verstehen es nicht.“ (Mt 13,13) Das „Auf den Trichter kommen“ geschieht also oft zeitverzögert.
Stehst du auch manchmal auf dem Schlauch und kommst nicht auf den Trichter? Verstehen ist eben nicht nur Denken, sondern von Gott geschenkte Einsicht. „Denn der HERR gibt Weisheit, aus seinem Mund kommen Erkenntnis und Einsicht.“ (Spr 2,6) Wenn dir Jesus Christus durch Seinen guten Geist das Herz auftut, dann wirst du viel mehr darauf achten, welche Bedeutung das Wort Gottes für dein Leben hat. Du kannst Kirchenstühle mit regelmäßigem Gottesdienstbesuch durchscheuern, die gesamte Bibel eingetrichtert bekommen, Tauf- und Konfirmationsurkunde im Schrank liegen haben und dennoch nicht auf den Trichter kommen, was Gottes Gnade für dich bedeutet.
Die Bibel lehrt: Erkenntnis kommt nicht durch bloßes „Eintrichtern“, sondern von Gott. Der Apostel Paulus mahnt im 1. Korintherbrief (2,14): „Ein natürlicher Mensch kann nicht erfassen, was vom Geist Gottes kommt. Er hält es für Unsinn und kann nichts damit anfangen, weil es geistlich beurteilt werden muß.“ Der geistgewirkte Mensch hingegen hat eine neue Erkenntnisfähigkeit von Gott erhalten und kann auch Weltliches nach der Bibel geistlich beurteilen.