
von Thomas Schneider
Die Redewendung „Lügen haben kurze Beine“ bedeutet im Kern: Unwahrheit kommt früher oder später ans Licht. Sie kann sich nicht dauerhaft behaupten, weil sie auf keinem festen Fundament steht.
Thomas kam mit einem schlechten Gewissen von der Schule nach Hause. In seinem Schulranzen trug er schwere Last: eine Mathematikarbeit mit der Note 4. Weil er sich nicht zu seiner Mutter traute, schlich er sich in die Werkstatt seines Vaters. Der schimpfte zwar auch, schob aber dann die Arbeit mit der dicken, roten 4 in eine Schublade und gab sie seinem Sohn am Abend unterschrieben zurück. Als die Mutter Thomas fragte, ob er schon die Mathearbeit zurück habe, sagte er am Mittagstisch – in seiner Suppe rührend: „Die bekommen wir erst noch.“ Später dachte sie nicht mehr daran. Als Thomas auf seinem Halbjahreszeugnis in Mathe die Gesamtnote 3 stehen hatte, sagte seine Mutter zur Klassenlehrerin, daß das ihrer Rechnung nach so nicht stimmen könne. Dann flog der ganze Schwindel auf: „Lügen haben kurze Beine“ Die Strafe der Mutter folgte auf dem Fuße. Sie war aber mild, weil Thomas Reue zeigte und gemeinsam mit seiner Mutter die Schuld der Lüge im Gebet vor Gott brachte.
Ein 66-jähriger Rentner mit Namen Andreas H. wagte es doch einmal, Bundeskanzler Friedrich Merz in einem Facebook-Kommentar als „Pinocchio“ zu bezeichnen und ein Emoji mit einer langen Nase hinzuzufügen. Die Kriminalpolizei leitete daraufhin ein Strafverfahren ein. Die Vorwürfe basierten unter anderem auf dem sogenannten „Politiker-Paragrafen“ (§ 188 StGB), der Beleidigungen gegen Personen des politischen Lebens unter Strafe stellt, wenn diese deren öffentliches Wirken erheblich erschweren können. Ende Februar 2026 stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren ein mit der Begründung: die Bezeichnung des Bundeskanzlers durch den Rentner sei eine von der Meinungsfreiheit gedeckte und damit „zulässige Machtkritik“. Der Rentner selbst gab später an, er habe Friedrich Merz als Pinocchio bezeichnet, um seine Meinung auszudrücken, daß Merz ein Lügner sei.
Mit einer Lüge zur Mathearbeit fängt es an und mit Lügen eines Bundeskanzlers hört es lange noch nicht auf. Bei Friedrich Merz handele es sich – so seine Kritiker – um eine regelrechte Lügenkampagne: „Finanz-Lüge“ (Betrug an der Schuldenbremse); „Migrations-Lüge“ (Das gebrochene Sicherheitsversprechen); „Energie-Lüge“ (Wind- und Solarkraft, Kernkraft, Strompreise); „Sozial-Lüge“ (Renten, Bürgergeld, Mittelstand); „Glaubwürdigkeits-Lüge“ (Egoismus, Selbstüberschätzung, Machtpoker) und vieles mehr. Merz wird als ein Kanzler wahrgenommen, dessen Wortbruch ganze Kataloge füllen könnte. Anstatt dem Volk zu dienen, wie es die biblische und staatspolitische Pflicht wäre, habe er durch gezielte Falschaussagen und taktische Lügen dem deutschen Volk, dem sozialen Frieden und der wirtschaftlichen Substanz Deutschlands massiv geschadet.
In Sprüche 12,22a heißt es: „Lügenmäuler sind dem HERRN ein Gräuel.“ Lügen sind instabil, denn sie brauchen oft weitere Lügen und verstricken sich früher oder später in Widersprüche. Und Lügen haben Konsequenzen: „Denn es ist nichts verborgen, was nicht offenbar werden wird, auch nichts geheim, was nicht bekannt werden und an den Tag kommen wird.“ (Lk 8,17) Lüge kann eine Zeit lang bestehen, sogar erfolgreich erscheinen, aber sie ist letztlich schwankend und unbeständig. Die Lüge trägt den Keim ihrer eigenen Aufdeckung in sich. Vor Gott bleibt nichts verborgen. ER fordert Wahrhaftigkeit von allen Menschen – auch und erst recht von Machthabern, die in allem Gott verpflichtet sind (Röm 13,1b).
Kommst du in Versuchung zu lügen, dann lasse dich vom Wort Gottes leiten: „Prüfe aber alles und das Gute behalte. Meide das Böse in jeder Gestalt.“ (1Thess 5,21-22) Das Böse in Gestalt des Teufels will, daß du ihm dienst und dich der Lüge hingibst. Denn er selbst, der Teufel, „ist ein Lügner und der Vater der Lüge“ (Joh 8,44b). Denke bei deinen Kontakten in Familie, Bildung, Beruf, Freizeit oder auch (solltest du es sein) in politischer Verantwortung immer daran: „Lügen haben kurze Beine“. „Die Augen des HERRN sind an jedem Ort, sie beobachten die Bösen und die Guten.“ (Spr 15,3)