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Heilungsgottesdienste – Ja oder Nein (1. Teil)

Alexander Seibel, Foto: AG WELT

von Alexander Seibel

Immer öfters vernimmt man, wir würden als Evangelisten oder Verkündiger den Heilungsbefehl vernachlässigen. Heilung gehöre mit zur Verkündigung des Evangeliums. Erst dies sei ein „volles“ Evangelium! Entspricht dies wirklich der Lehre des Neuen Testaments?

Ein kurzer Überblick

Im Alten Testament wird das Heil angekündigt bzw. vorausgesagt. Z.B das bekannte Protevangelium in 1. Mose 3,15. In den Evangelien wird das Heil vollbracht. Buchstäblich lesen wir in Joh. 19,30: „Es ist vollbracht“.

In Apostelgeschichte wird das Heil verkündigt. Z.B. Kap. 13, die Verse 38-39: So sei euch nun kundgetan, liebe Brüder, daß euch durch ihn Vergebung der Sünden verkündigt wird; und in all dem, worin ihr durch das Gesetz des Mose nicht gerecht werden konntet, ist der gerecht gemacht, der an ihn glaubt.

In den Briefen (Römer- bis Judasbrief) wird das Heil erklärt. Z.B konstatiert Paulus: seufzen in uns selbst und sehnen uns nach der Kindschaft, der Erlösung unseres Leibes (Röm. 8,23).

In der Offenbarung wird das Heil vollendet. Z.B. Offb. 12,10: Und ich hörte eine große Stimme, die sprach im Himmel: Nun ist das Heil und die Kraft und das Reich unseres Gottes geworden und die Macht seines Christus;

Verkündigung in Apostelgeschichte

Es fällt auf, dass im Buch der Apostelgeschichte in allen Predigten zwar klar die Vergebung von Schuld und Sünde angeboten wird, in Erfüllung von Luk. 24,47, es jedoch nie heißt, dass damit auch Heilung von körperlichen Gebrechen verbunden sei.

Warum wird bei der Evangeliumsverkündigung – selbst in der Apostelgeschichte – den Zuhörern immer nur Vergebung der Sünden angeboten und nie Heilung von Krankheiten? Hätte dann nicht z.B. Petrus im Hause des Kornelius sagen müssen: „Von diesem bezeugen alle Propheten, dass durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfangen (Apg. 10,43) und (nun in diesem Sinne fortsetzend) Heilung von ihren Krankheiten erfahren“?

Gerade Petrus war ja früher von Jesus mit einem ausdrücklichen Heilungsbefehl ausgesandt worden (Matth. 10,8). Sollten die Apostel solch einen wesentlichen Bestandteil des angeblichen Verkündigungsauftrags vergessen haben zu erwähnen?

Sie erfüllten vielmehr den Aussendungsbefehl Jesu: So steht’s geschrieben, daß Christus leiden wird und auferstehen von den Toten am dritten Tage;  und daß gepredigt wird in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern. Fangt an in Jerusalem, und seid dafür Zeugen (Luk. 24,46-48).

Das war von damals an der Inhalt ihrer Verkündigung. So erklären z.B. Petrus und die Apostel: Der Gott unsrer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr an das Holz gehängt und getötet habt. Den hat Gott durch seine rechte Hand erhöht zum Fürsten und Heiland, um Israel Buße und Vergebung der Sünden zu geben (Apg. 5,30-31).

Kein Wort von Heilung oder zu erwartender Gesundheit. Man vergleiche auch Apg. 2,38; Kap. 3:19; 11,18; Kap. 13, 38-39; Kap. 15,11; Kap. 17,30-31; u.a. Der zentrale Punkt ist die Vergebung der Schuld.

Zwar geschehen – gerade auch in diesem erwähnten Buch der Bibel – Heilungen, manchmal ganz spektakulär, doch in keiner Predigt, die wir in der Apostelgeschichte finden, wird dies als zusätzlicher Bestandteil der Erlösung hinzugefügt.

Doch, so erklärt man uns von gewissen charismatischen Kreisen, wir müssen die Kranken heilen, denn Gott sei schließlich derselbe. Als Beleg wird dann Matth. 10,8 und Lukas 10,9 zitiert. Dort stehen tatsächlich Imperative, also Befehlsformen, die Kranken zu heilen. Da heilsgeschichtliches Denken in unserer Zeit immer weniger vorhanden ist, ziehen solche Behauptungen oft weite und erfolgreiche Kreise.

Es stimmt, dass Gott derselbe ist (Mal. 3,6), doch Gott handelt manchmal ganz verschieden (Hebr. 1,1-2). So stellt ein sorgfältiger Bibelleser gewöhnlich fest, dass die Gemeinde Jesu erst an Pfingsten geboren wurde bzw. das Neue Testament mit Golgatha seinen Anfang nahm (Luk. 22,20). Was die Apostel vorher, während des Erdendaseins unseres Herrn, mit Ihm erlebten, war die Arbeit unter dem Volk Israel. Die Gemeinde bzw. der Neue Bund existierte damals noch nicht. Betrachten wir gerade auch Matth 10, wo der Meister die Zwölf aussendet. Dort heißt es ausdrücklich: V.5 „…Gehet nicht auf der Heiden Straße …sondern gehet hin zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.“ In diesem Zusammenhang kommt in V.8 der Befehl: „Machet die Kranken gesund, reinigt die Aussätzigen…“ usw.

In die selbe Kategorie gehört Mark. 6,12-13, wo es heißt: Und sie zogen aus und predigten, man solle Buße tun,  und trieben viele böse Geister aus und salbten viele Kranke mit Öl und machten sie gesund.

Hier ist allerdings kein Imperativ vorhanden, vielmehr eine Erzählform. Zweifelsfrei jedoch bezieht es sich auf Ereignisse vor der Zeit der Gemeinde, vor dem Neuen Bund also. 

Doch, wie bereits dargelegt, verschiebt sich in der Apostelgeschichte – wo wir den Beginn der Gemeinde vorfinden – die Verkündigung zu dem besonderen Schwerpunkt des Angebots der Vergebung der Schuld. Das Einmalige und Unglaubliche war nun geschehen. Das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt, hat den Preis für alle Übertretungen mit seinem Blut bezahlt. Gott macht Sünder gerecht (Röm. 4,5), war nun das zentrale Thema der Jünger Jesu. Das war ihr „volles“ Evangelium.

Als Paulus vor Festus und König Agrippa Zeugnis ablegt, wie ihm Jesus erschienen ist, werden des Auferstandenen eigene Worte zitiert: Und ich will dich erretten von deinem Volk und von den Heiden, zu denen ich dich sende,  um ihnen die Augen aufzutun, daß sie sich bekehren von der Finsternis zum Licht und von der Gewalt des Satans zu Gott. So werden sie Vergebung der Sünden empfangen und das Erbteil samt denen, die geheiligt sind durch den Glauben an mich (Apg. 26,17-18).

Auch hier liest man nur von Sündenvergebung und geistlichen zukünftigen Verheißungen. Wiederum kein Wort von Heilung oder physischer Gesundheit. Ist es denkbar, dass der Herr selber, der hier Paulus autorisiert und ihm seinen Auftrag erteilt, dies unerwähnt lässt, wenn Heilung angeblich zum „vollen“ Evangelium gehört?

Auch bei der Einsetzung des Neuen Bundes, dem letzten Abendmahl, spricht Jesus nur davon, wie sein Blut vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden (Matth. 26,28).

Der 2. Teil zur Frage „Heilungsgottesdienste – Ja oder Nein“ folgt am 16. Juni 2026.

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