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Alles über einen Kamm scheren

Foto: Modellbild

von Thomas Schneider

Im heutigen Sprachgebrauch bedeutet „Alles über einen Kamm scheren“, Menschen oder Sachdinge pauschal gleich zu bewerten und zu behandeln – ohne Beachtung der jeweiligen Unterschiede. Deshalb bekommt diese Redewendung meist eine negative Bedeutung. Welche Schlußfolgerungen ergeben sich daraus? Individualität und Wahrheit werden unterdrückt.

Da ist eine Familie mit vier Kindern, die inzwischen allesamt das Gymnasium besuchen. Die Eltern sind in der Kleinstadt gut bekannt: Der Vater ist Leiter einer Behörde in der kommunalen Verwaltung, die Mutter niedergelassene Ärztin. Beide erwarten von ihren Kindern Bestleistungen, um vor den Menschen, mit denen sie in Behörde und Arztpraxis Kontakt haben, gut dazustehen. Auf die besonderen Gaben der Kinder geben sie wenig Acht und kehren alle vier holzschnittartig über einen Kamm.

Im Unterschied zum Menschen schert Gott nicht alle über einen Kamm, sondern beurteilt jeden einzelnen individuell und gerecht nach Wissen, Gaben und Fähigkeiten – und vor allem, wozu ihn der HERR berufen hat. „Der Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.“ (1Sam 16,7) Gott beurteilt nicht oberflächlich. ER berücksichtigt Herz, Motive und persönliche Verantwortung. Danach sollten sich nicht nur Eltern in der Erziehung ihrer Kinder ausrichten.

Undifferenziertes Urteilen und Bewerten („Alle Politiker sind korrupt“, „Alle Jugendlichen sind faul“, „Alle Ausländer sind kriminell“) widersprechen dem Wesen Gottes. Die Wirklichkeit wird verzerrt, Vorurteile führen zu Konflikten. Es mangelt an fehlendem Verständnis (insbesondere gegenüber Schwächeren). Das führt zu Spaltung und Ungerechtigkeit.

„Alles über einen Kamm scheren“ schiebt Menschen in Schubkästen ohne genau Hinzuschauen, welche Gaben und gottgewollten Kompetenzen in ihnen schlummern. Gott schaut unermeßlich tiefer – ins Herz. ER lehrt uns, daß wir vorsichtig, demütig und gerecht werten sollen. Wie schnell passiert es, daß wir durch die Bank allen den gleichen Stempel aufdrücken. Das ist sehr bequem, macht keine Mühe, ist aber lieblos und fern der Wahrheit.

Wie hältst du es mit dem „Alles über einen Kamm scheren“? Machst du es dir leicht – ohne zu hinterfragen, wie Gott das sieht? Beurteilst du Menschen nur nach ihrem Äußeren, nur nach Aussehen und Auftreten? „Urteilt nicht nach dem äußeren Eindruck“, heißt es in Johannes 7,24. Und Sprüche 21,30 weist darauf hin: „Keine Weisheit, kein Verstand, kein Rat besteht vor dem HERRN.“

Statt alle über einen Kamm zu scheren, betont die Bibel die große Menge an Gaben, die der Schöpfer individuell in jedes einzelne Seiner Geschöpfe hineingefomt hat. So wie du mit ganz besonderen Gaben vom HERRN beschenkt worden bist, so hat ER jeden einzelnen Menschen einzigartig ausgestattet. Jeder Mensch trägt einen von Gott geschneiderten Maßanzug. Diesen muß der Mensch dann aber auch würdevoll dem „himmlischen Schneidermeister“ zur Ehre tragen.

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