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Alle Register ziehen

Foto: Modellbild

von Thomas Schneider

Der eingefleischte Musiker hat bei der Redewendung „Alle Register ziehen“ sicher eine prachtvolle Orgel vor Augen. Je mehr Register ein Organist zieht, desto mehr Pfeifenreihen klingen gleichzeitig. Wenn er buchstäblich alle Register zieht, erklingt das Instrument in seiner vollen, maximalen Klangfülle.

Anfang der 1980-er Jahre, also im DDR-Zeitalter, bekam eine Familie Westbesuch von einem Landwirt aus der Partnerkirchgemeinde. Es wurde alles aufgetafelt, was für einfache Bauersleute in der DDR möglich war. Als sie mit ihrem Besuch zu Tisch saßen, sagte der Landwirt: „Da habt ihr ja alle Register gezogen!“ Und dann ergänzte er noch: „Ich habe sechs Anzüge im Schrank hängen und komme nicht dazu, einen einzigen davon anzuziehen.“

Die umgangssprachlich bekannte Redewendung „Alle Register ziehen“ bedeutet demnach, alle verfügbaren Mittel und Fähigkeiten einzusetzen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Im Fall des Landwirtes aus dem Westen: wertschätzende Gastfreundschaft. Wer alle Register zieht, hört also nicht nur wundervolle Orgelmusik, sondern schöpft alle ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten aus, um anderen Menschen Freude zu bereiten.

„Alle Register ziehen“ ist keine direkte biblische Redewendung, führt aber zu der Frage: Wie bewertet Gottes Wort „alle Mittel“? Im Buch Prediger (9,10a) steht: „Alles, was deine Hand zu tun findet, das tue in deiner Kraft!“ Wie der Organist alle Register zieht, um die vollen Klangfarben ins Ohr zu bringen und alle Register gezogen werden, um Gäste zuvorkommend zu bewirten, so sollte das auch im Glaubensleben sein.

Doch da gibt es wohl größere Schwierigkeiten. Wer zieht schon alle Register für Gott? Die Register sind Bibellesen, Gebet, Gemeinschaft (Gottesdienst), heiliger Wandel im täglichen Leben, Nächstenliebe, die gegenseitige Ermahnung vor dem Überfall der Sünde, das zeugnishafte Weitergeben des Evangeliums und nicht zuletzt der Gehorsam gegenüber dem geistgewirkten und unfehlbaren Wort Gottes.

Als David gegen Goliath kämpfte (1Sam 17), da setzte er alles ein, was er hatte: Mut, Erfahrung, Gottvertrauen. Alles ohne Täuschung und Unrecht. Das Gegenbeispiel ist Jakob (1Mo 27), der alle Register zog, um seinen Vater zum Erstgeburtsrecht hinters Licht zu führen.

Statt „Alle Register ziehen“ würde Gott wohl eher der Formulierung zustimmen: „Handle mit ganzem Einsatz – aber in Wahrheit, Gerechtigkeit und Vertrauen auf Gott.“ – Wie hältst du es in deinem Leben? Ziehst du wirklich alle Register für Gott oder nur dann, wenn du dafür Anerkennung bekommst, also wenn es sich für dich lohnt? „Habt aber acht, daß ihr eure Gerechtigkeit nicht übt vor den Leuten, um von ihnen gesehen zu werden; ihr habt sonst keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel.“ (Mt 6,1)

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