
von Thomas Schneider
Die volkstümliche Redewendung „Zurückrudern“ bedeutet im allgemeinen Sprachgebrauch, eine zuvor getroffene Aussage, Haltung oder Entscheidung teilweise oder ganz zu widerrufen.
Was können Gründe für ein „Zurückrudern“ sein? Augenscheinlich vornean steht die notwendige Fehlerkorrektur. Der Mensch erkennt anhand neuer Fakten und Informationen, daß die ursprüngliche Position schlichtweg falsch war. Auch öffentlicher Druck und Kritik können die eigene Haltung so beeinflussen, daß ein „Weiter so“ sehr riskant wäre. Aber auch die mit einer Entscheidung verbundenen Konsequenzen (rechtliche, finanzielle oder soziale Folgen) können ein „Zurückrudern“ veranlassen. Dann wäre da noch ein strategischer Rückzug mit Kompromissen denkbar, um die Gegenseite nicht zu verschrecken. Am Ende merkt vielleicht der Zurückrudernde, daß er mangels Unterstützung mit seiner Meinung alleine dasteht.
Dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz wird nachgesagt, daß er Meister im „Zurückrudern“ sei. Wohl deshalb, weil er seine Wahlversprechen gebrochen hat und nicht nach Matthäus 5,37 handelt: „Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Bösen“. Besonders gravierend war seine Aussage Ende März 2026 im Rahmen des Antrittsbesuches des syrischen Christenverfolgers und Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa auf dem roten Teppich in Berlin. Merz sagte wörtlich: „In der längeren Perspektive der nächsten drei Jahre – das war auch ein Wunsch von Präsident al-Scharaa – sollten rund 80 Prozent der in Deutschland jetzt sich aufhaltenden Syrerinnen und Syrer zurück in ihr Heimatland kehren.“ Der als Terrorist Abu Mohammed al-Dschulani bekannte Syrer dementierte mit den Worten: „Das habe ich nicht gesagt. Das wurde durch andere gesagt, durch den Bundeskanzler. Er hat das gesagt.“ Merz ruderte zurück. Ob innen- oder außenpolitisch, Merz hat offensichtlich durchgängig nur eine Agenda: „Zurückrudern“.
Läßt sich der Mensch unter Druck setzen und sich voller Angst vom „Vater der Lüge“ (Joh 8,44) treiben, verliert er die Wahrheit aus Augen, Herz und Sinn. Damit sind alle Mühen, Gesicht zu wahren, in den Wind geschlagen. Dem gegenüber berichtet die Bibel beispielsweise von Natanael, zu dem Jesus spricht: „Siehe, ein rechter Israelit, in dem kein Falsch ist.“ (Joh 1,47) Dieser Mann war ein Mensch von aufrichtigem Charakter, ohne Hinterlist oder Heuchelei. Unbestechlich, wahrheitsliebend, konsequent, untadelig, redlich. Er erkannte Jesus – nach anfänglicher Skepsis – als Sohn Gottes, der in Person die Wahrheit ist (Joh 14,6a).
Bist du ein Mensch, der um seiner selbst willen zurückrudert? Oder hast du bereits erkannt, daß du deshalb aus eingefahrenen (vom Teufel bereiteten) Wegen umkehren mußt, um das wahre Ziel des Lebens zu erreichen? Gott zeigt dir (Mt 7,13-14), welcher Weg der richtige (der schmale Weg) und welcher Weg der falsche ist (der breite Weg). Nach der Bibel ist geboten, Wege des Bösen, der Unwahrheit und der Ungerechtigkeit zu verlassen. Hier ist ein „Zurückrudern“ überlebensnotwendig! Wenn du dich geirrt hast oder zu einer unwahren Aussage gedrängt worden bist, dann kehre um und tue Buße (griechisch: metanoia = Sinnesänderung). Wahre Größe zeigt sich darin, Fehler einzugestehen; ganz gleich, ob in Familie oder Regierung.