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Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach

Foto: AG WELT

von Thomas Schneider

„Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach“ ist eine im Volksmund häufig gebrauchte Ausrede, um das eigene Versagen zu verharmlosen bzw. zu bagatellisieren.

Die Bibel beschreibt einen sehr bedrohlichen Sachverhalt. Jesus spricht diese mahnenden Worte im Garten Gethsemane zu seinen Jüngern, unmittelbar vor seiner Verhaftung. Die Jünger sollten wachen und beten. Doch immer wieder werden sie vom Schlaf übermannt. – War ihnen der Ernst der Lage um ihren HERRN nicht bewußt?

Nachdem Jesus seine Jünger aus dem Schlaf weckt, sagt er zu ihnen: „Wachet und betet, damit ihr nicht in Versuchung fallt; der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.“ (Mt 26,41) Jesus muß seine Jünger mehrmals aus ihrem Schlummer wachrütteln. Seine Seele ist sehr betrübt, weiß er doch, welchen harten Weg er im Auftrag seines himmlischen Vaters gehen muß.

Jesu Worte sind keine moralische Klugheit, sondern liebevolle Seelsorge. Er sorgt sich um seine Nachfolger, was aus ihnen werden würde, wenn sie bei heranziehender Todesgefahr dem Schlaf die Macht überlassen, der beharrlich gegen die Wachsamkeit kämpft. Der menschliche „Geist“ (nach der Schrift: der unsterbliche Bestandteil des Menschen) wird dann „schwach“, wenn seine Verbindung zum Schöpfer ermattet. Der ewige Gott aber wird „nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich“ (Jes 40,30).

Die Jünger lieben Jesus und sind ihm treu nachgefolgt. In Matthäus 26,35 spricht Simon Petrus gar zu Jesus: „Und wenn ich mit dir sterben müßte, werde ich dich nicht verleugnen.“ Ergänzend steht dann da noch: „Das Gleiche sagten auch alle Jünger.“ Dann aber konnten sie, angesichts der kommenden Todesstunde ihres HERRN, alle miteinander ihre Augen nicht offen halten.

Wenn Jesus von einem „willigen“ Geist spricht, dann attestiert ER seinen Jüngern, daß sie ein aufrichtiges Herz haben und sie den ehrlichen Wunsch haben, Gott treu zu sein. Der wiedergeborene Christ ist bereit, Jesus zu folgen und bedingungslos Seinem heiligen Wort zu vertrauen – wenn da seine Schwachheit nicht wäre: körperliche Anfälligkeit, Leistungsabfall, weltliche Verführung, Ohnmacht und vieles mehr.

Das „Fleisch“ steht allgemein für den von Sünde umringten Menschen. Obwohl das „Fleisch“ nicht mehr der Zustand des gläubigen Christen ist, ist es dennoch in ihm und wirkt dem Geist entgegen (Gal 5,17) Zwischen „Geist“ und „Fleisch“ besteht lebenslang eine immerwährende Spannung. Der Apostel Paulus erklärt diese Dramatik: „Denn ich weiß, daß in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.“ (Röm 7,18-19)

Jesus macht mit dem Halbsatz „der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach“ klar, daß wir keine Chance haben, unser Versagen zu verbergen. Wir müssen als sündige Menschen eingestehen, daß wir ohne die Rettungstat Jesu am Kreuz vor die Wand fahren – oft mit katastrophalen Folgen.

Wenn du schläfrig dahindämmerst und plötzlich aufschreckst, weil Unheil über dich hereinbricht, dann erlebst du hautnah, wie notwendig (Not wendend) Wachsamkeit ist. Erkenne vor deinem Schöpfer die Realität deiner Schwachheit an. Dein Wille, dein Geist, wird niemals ausreichen, um gegen deine Schwächen anzukämpfen und den immer stärker werdenden Versuchungen der Welt standzuhalten.

Du brauchst zum „Ich wollte doch eigentlich…“ Gottes helfendes Wort und Seinen Geist, eine wache Beziehung zu Jesus Christus und volles Vertrauen auf seine nie versiegende Kraft. Vergiß niemals: „Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte.“ (Ps 103,8) Sein Heiliger Geist führt deinen „Geist“ aus allem „Fleisch“ zur Wachsamkeit. Also: Wache und bete, damit du nicht in Versuchung fällst!

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