
von Thomas Schneider
Die Redewendung „Wie ein Elefant im Porzellanladen“ soll bis in das 18. Jahrhundert zurückgehen und seinen Ursprung im englischsprachigen Raum haben: „a bull in a china shop“. Sie beschreibt einen Menschen, der entweder ungeschicktes oder aber unsensibles, rücksichtsloses Verhalten an den Tag legt.
Aus biblischer Sicht läßt sich diese Redensart nicht nur moralisch, sondern auch zutiefst geistlich beurteilen. Gottes Maßstab ist Sanftmut statt Grobheit. In Sprüche 15,1 heißt es: „Eine sanfte Antwort wendet Grimm ab, aber ein kränkendes Wort erregt Zorn.“
Ein Mensch, der in seiner Umgebung umhertrampelt „wie ein Elefant im Porzellanladen“, leidet an mangelnder Kontrolle über sein Auftreten, handelt aus Unbedachtheit oder Überheblichkeit. Die Bibel bezeichnet solche Wesenszüge als „Werke des Fleisches“. Der Apostel Paulus beschreibt sie detailliert in seinem Brief an die Gemeinde in Galatien (5,19-21), wo er u.a. Zornausbrüche, Selbstsüchteleien und Zwistigkeiten anspricht.
Den „Werken des Fleisches“ steht die „Frucht des Geistes“ gegenüber, die Paulus im gleichen Brief beschreibt: „Doch die Frucht, die der Geist wachsen läßt, ist: Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung.“
Ein Nachfolger von Jesus Christus ist dazu berufen, gerade dort umsichtig zu handeln, wo Zerbrechliches („im Porzellanladen“) betroffen ist – seien es Beziehungen, Gewissen oder empfindsame Herzen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie ungeheuer groß diese Herausforderung ist. Immer wieder brauche ich „Elefant“ Ermahnung und Ausrichtung durch Gottes Wort und Führung durch Seinen guten Geist.
Gutes „Porzellan“ ist nicht nur preisintensiv, sondern auch sehr zerbrechlich. Es kann beispielsweise bildhaft für das Herz meines Nächsten stehen. In Sprüche 4,23 steht: „Behüte dein Herz mit allem Fleiß, denn daraus quillt das Leben.“ Mit dem zerbrechlichen „Porzellan“ kann auch das Gewissen eines glaubensschwachen Menschen gemeint sein (1Kor 8,9-12) oder die Zerbrechlichkeit der christlichen Gemeinde (Eph 4,1-3).
Wer rücksichtslos handelt, kann großen Schaden anrichten in Ehe, Familie, Gemeinde und Gesellschaft. Deshalb mahnt Gottes Wort: „Laßt uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus.“ (Eph 4,15)
Ein „Elefant“ ist sehr stark. In der Redewendung „Wie ein Elefant im Porzellanladen“ steht er für ungezügelte Kraft. Kraft an sich ist nicht sündhaft – Gott selbst verleiht Kraft! Doch Kraft ohne Weisheit wird zur Gefahr. Wahre Größe und Stärke sind weder gewissenlos noch selbstsüchtig, sondern haben sich „in der Gewalt“, sind besonnen und diszipliniert.
Jesus Christus sagt: „Lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig.“ (Matthäus 11,29) Obwohl er alle Macht hatte, rang Jesus liebevoll um jedes Menschenherz, um es zu Buße und Umkehr zu führen. Selbst mit Sündern, Schwachen, Zweiflern und Gegnern ging er nicht um „wie ein Elefant im Porzellanladen“, sondern erklärte ihnen, wie Stolz, Mangel an Liebe und fleischliche Gesinnung zerstören.
Bist du sensibel im Umgang mit anderen in ihren Nöten und Ängsten? Dienst du dem Frieden in deinen vier Wänden und in deiner Gemeinde oder verursachst du unnötige Spannungen? Vertrittst du die Wahrheit (Jesus sagt: „Ich bin die Wahrheit“, Joh 14,6) mit Härte oder Fürsorglichkeit? „Laßt uns aber die Wahrheit reden in Liebe.“ (Eph 4,15)
Seit dem Verfall des Menschen in Sünde, ist er eher „Elefant“ – selbstbezogen und unachtsam. Die Wiedergeburt in Christus und das Wirken des Heiligen Geistes führen zur Veränderung: Weg vom Zerstören, hin zum Bewahren. Weg vom Verletzen, hin zur Heilung. Weg von der Herrschsucht, hin zum demütigen Dienst.