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Seine Haut retten

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von Thomas Schneider

Die Redewendung „Seine Haut retten“ ist der Bibel entlehnt und geht auf das Buch Hiob zurück. Dort spricht Satan zu Gott (Hiob 2,4): „Haut um Haut! Alles, was der Mensch hat, gibt er für sein Leben.“

Gott beschreibt – einen Vers vorher, im Dialog mit Satan – Hiob mit den Worten: „Hast du auf meinen Diener Hiob geachtet? Auf der Erde gibt es keinen Zweiten wie ihn. Er ist aufrichtig und anständig. Er fürchtet Gott und meidet das Böse. Und noch immer hält er an seiner Rechtschaffenheit fest. Du hast mich aufgereizt, ihn ohne Grund zu verderben.“

Bei „Haut um Haut! Alles, was der Mensch hat, gibt er für sein Leben“ handelt es sich um eine zynische Aussage Satans. Er wandelt Gottes Wort für seine Zwecke und unterstellt quasi dem gläubigen Hiob, daß dieser nur solange Gott treu bleiben würde, wie es ihm gut gehe. Würde aber seine nackte Existenz auf dem Spiel stehen, dann würde Hiob, um sich selbst zu schützen, seinen Glauben aufgeben.

Satan weiß um die Ursünde des Menschen, um sein egoistisches und hochmütiges Denken. Der gottesfürchtige Hiob aber durchschaut den satanischen Plan. Auch seine Frau hat keine Chance, den mit schwerer Krankheit geschlagenen Hiob mit ihrer skurillen Forderung („Hältst du noch fest an deiner Frömmigkeit? Fluche Gott und stirb!“, Hiob 2,9) vom Glauben abzubringen. Hiob antwortet darauf: „Du redest, wie die törichten Frauen reden. Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?“

Der Mensch ist bereit alles zu opfern, um sein eigenes Leben – „seine Haut“ – zu retten. Überleben um jeden Preis. Das ist zutiefst menschlich. Die Bibel vermittelt eine Diagnose zum Selbsterhaltungstrieb des Menschen. Diese Analyse kommt aber nicht von Gott, sondern von seinem Widersacher, der die Seele des Menschen gebrochen sehen will.

Gottes Wort verurteilt Selbsterhaltung an sich nicht. David floh mehrfach vor König Saul, um sein Leben zu retten (1Sam 19-27). Josef floh vor der Frau des Potifar (1Mo 39,12). Paulus wurde in einem Korb über die Stadtmauer hinabgelassen, um zu entkommen (Apg 9,25). Hier retteten Menschen ihre „Haut“, ohne daß ihr Tun kritisiert wird.

Doch wo ist die Grenze? Der Jünger Petrus verleugnete – aus Angst, er würde wohl auch bald festgenommen und gekreuzigt –, seinen HERRN. (Mt 26,69-75) Petrus versuchte tatsächlich, seine Haut zu retten und bereute seine Tat: „Und er ging hinaus und weinte bitterlich.“ Selbstschutz wird dann fragwürdig, wenn beispielsweise Feigheit zum Verrat an Gott führt.

Der Versuch, dein Leben um jeden Preis abzusichern, kann dazu führen, daß du das wahre Leben bei Gott verliert. „Wer sein Leben retten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es finden.“ (Mt 16,25) Das Leben und Wesen Jesu ist das ganze Gegenteil jeder menschlichen Logik.

Ja, du darfst fliehen, wenn Gefahr droht. Ja, du darfst deine Familie vor Angriffen schützen und verteidigen. Kommt es aber zum geistlichen Konflikt – wie es bei Hiob mit seiner Frau und seinen Freunden der Fall war –, dann gilt: „Du mußt Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apg 5,29) und deine Sorge um deine „Haut“ auf Jesus Christus werfen, denn ER sorgt für dich (1Petr 5,7). Das ist gewiß!

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