
von Thomas Schneider
Ein Scheffel war über viele Jahrhunderte hinweg ein übliches Hohlmaß für Getreide, Hülsenfrüchte und andere Schüttgüter. Mit Gründung des Deutschen Reiches 1872 verlor der Scheffel zugunsten von Meter, Liter und Kilogramm seinen Status.
Jesus verwendet den Scheffel u.a. in seiner Bergpredigt (Mt 5-7), unmittelbar nach den Seligpreisungen: „Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. So laßt euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ (Mt 5,14-16)
Immer wieder veranschaulicht Jesus den Menschen mit den ihnen vertrauten Bildern und Gegenständen, was für ihr Leben wichtig und wertvoll ist. So hält er uns vor Augen, was passiert, wenn wir ein brennendes Licht (damals eine Öllampe) unter einen Scheffel stellen. Es wird verdeckt, erfüllt seinen Zweck nicht und geht nach und nach durch Sauerstoffentzug aus.
Manchmal versteht der Mensch das Evangelium erst dann, wenn es ihm mit einfachsten, alltagsnahen und oft paradoxen Gegebenheiten erklärt wird. So ist ein Licht eben nicht zum Verbergen da, sondern zum Leuchten. Was ist nun für einen wiedergeborenen Christen das „Licht“, das er „vor den Leuten“ (vor der Welt) nicht verbergen soll?
Da ist zuerst das neue Leben aus Gott, der unerschütterliche Glaube an Jesus Christus samt Seinem Opfertod am Kreuz und Seiner leibhaftigen Auferstehung. Daraus folgt das Festhalten an der Wahrheit der Bibel als das unfehlbare und irrtumslose Wort Gottes. Auch die Früchte („die guten Werke“), die aus diesem Glauben erwachsen und ein Leben in Heiligung (durch das Blutvergießen Christi) gehören zu diesem „Licht“. Und schließlich das sichtbare Zeugnis, das tägliche Leben für Christus.
Bei dem Hinweis „Sein Licht nicht unter den Scheffel stellen“ geht es nicht um menschliche Selbstdarstellung, sondern um das Wirken des Heiligen Geistes im Leben eines Menschen. Die Bibel bezeugt eindeutig und klar den Alleinvertretungsanspruch von Jesus Christus: „Ich bin das Licht der Welt.“ (Johannes 8,12) Seine Jünger damals, wie auch wir heute, können nur „Licht“ in Verbindung mit dem Gottessohn sein.
Christsein ist keine Privatangelegenheit. Der Glaube an Jesus Christus soll für alle sichtbar sein – nicht zur Selbstverherrlichung, sondern zur Verherrlichung Gottes. Und wie kann solcher Glaube sichtbar werden? Durch ein Leben in Demut, Sanftmut, Barmherzigkeit und Friedfertigkeit, mit der Bereitschaft zum Leiden um der Wahrheit der biblischen Botschaft willen. Mit dem einen Ziel: „… daß sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ Dein Leben in dieser Welt soll Evangelisation sein, eine Einladung der Menschen zu einem Leben mit Jesus.
Stehst du im festen Glauben an Jesus Christus? Dann wirst du vor allen Menschen die Wahrheit Seiner Rettungsbotschaft nicht verschweigen, deinen Glauben nicht aus Angst oder Bequemlichkeit verschweigen, dich nicht dem Zeitgeist anpassen. Menschenfurcht, falsche Bescheidenheit, Anpassung an gottlose Strukturen und geistliche Trägheit sollten einem wiedergeborenen Christen fremd sein.
„Sein Licht nicht unter den Scheffel stellen“ heißt: zu Christus stehen, sich nicht des Evangeliums schämen (Röm 1,16), Gottes Gaben einsetzen, Glauben im Alltag leben, die Wahrheit des Wortes Gottes in Liebe bekennen. Die Gemeinde Jesu hat den Auftrag, öffentlich Zeugnis für Christus abzulegen und der Welt moralische Orientierung nach Gottes Geboten zu geben. Nicht nach dem Motto: „Schaut mich (uns) an!“, sondern: „Ehre Gott, unseren Vater im Himmel!“