
von Thomas Schneider
„Neid ist die Wurzel allen Übels“ steht zwar so nicht wörtlich in der Bibel. Doch der Neid hat nach der Bibel seinen Ursprung im Verlangen des Menschen nach Dingen, die er selbst nicht besitzt, die aber andere haben. So heißt es beispielsweise (1Tim 6,10): „Denn Geldgier ist eine Wurzel allen Übels…“
Neid lebt von unentwegtem Vergleichen. Wenn sich der Nachbar ein neues Auto mit 240 PS gekauft hat, möchte man nicht mit seinem mickrigen Kleinwagen daneben stehen. Hat sich die Freundin ein schickes, modisches Kleid gekauft, dann muß man auch gleich mal die Modekataloge wälzen oder im Webshop stöbern. Neid wird als Mangel wahrgenommen. Auch dann, wenn man gar keinen Mangel leiden muss. Auch dann, wenn es um das Erbe der Eltern geht. Neid führt zu Erbstreitigkeiten bis hin zu einer unversöhnlichen Geschwisterrivalität, die oft zu jahrelanger Bitterkeit und Spaltung führt.
Wenn Neid zu Mißgunst entartet, dann gönnt man dem anderen seinen Besitz und seine Segnungen nicht und versucht – wie es der Volksmund sagt – beim anderen alles madig zu machen und keinen guten Faden daran zu lassen. Neid wird zur Feindseligkeit, die anderen Unseriosität und Unredlichkeit unterstellt; sie kann bis zum Verrat (Josephs Brüder: 1Mo 37,11-28) und schlimmstenfalls bis zum Mord führen (Kain und Abel: 1Mo 4,8; 1Joh 3,12).
Neid und Streit sind unselige Geschwister, von denen der Jakobusbrief (3,13-18) berichtet. Im Gegensatz zum Weisen – dem die Fähigkeit geschenkt ist, Gutes von Schlechtem zu unterscheiden – gibt es solche, die in ihren Herzen bitteren Neid und Streitsucht aufkommen lassen. Das Böse beginnt immer im Herzen!
Im Römerbrief (1,28-31) wird Neid denen zugeschrieben, die es „für nichts geachtet haben, Gott zu erkennen“. Deshalb hat sie Gott „dahingegeben in verkehrten Sinn, so daß sie tun, was nicht recht ist…“ Dann steht Neid, wie aufgefädelt, zusammen in einer Reihe mit: „Ungerechtigkeit, Schlechtigkeit, Habgier, Bosheit, voll Neid, Mord, Hader, List, Niedertracht; Ohrenbläser, Verleumder, Gottesverächter, Frevler…“.
Neid ist Sünde vor Gott. Im Galaterbrief (5,19-21) wird Neid als „Werk des Fleisches“ bezeichnet: „Offenkundig sind aber die Werke des Fleisches, als da sind: Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Hader, Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Spaltungen, Neid, Saufen, Fressen und dergleichen. Davon habe ich euch vorausgesagt und sage noch einmal voraus: Die solches tun, werden das Reich Gottes nicht erben.“
Im 9. und 10. Gebot (Zählweise nach Martin Luther) steht ausführlich, was Neid in den Augen Gottes praktisch und lebensnah bedeutet: „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat.“ (2Mo 20,17; 5Mo 5,21)
Neid in der Gemeinde Jesu verursacht Bosheit, Streit und Spaltung. Deshalb schreibt der Apostel Petrus in seinem ersten Brief: „So legt nun ab alle Bosheit und allen Betrug und Heuchelei und Neid und alle üble Nachrede. Verlangt stattdessen wie Neugeborene nach der reinen Muttermilch – dem unverfälschten Gotteswort!“ (1Petr 2,1) Das Wort Gottes schafft Klarheit zum eigenen Versagen.
Jesus wußte, daß man ihn aus Neid zum Tod verurteilt hatte (Mt 27,18; Mk 15,10). Im Schulterschluß von geistlichen Führern mit weltlichen Herrschern war sein vollkommener Gehorsam gegenüber seinem himmlischen Vater, sein sündloses Leben, seine großen Wundertaten und sein Ruf zu Buße und Umkehr ein Dorn im Auge. Neid war die tödliche Wurzel.
Wenn Neid in deinem Herzen erwächst, dann bitte Jesus Christus um Beistand und Kraft durch Sein Wort und durch Seinen Geist. ER will dir helfen, daß Neid nicht deinen inneren Frieden raubt; daß Neid nicht deine Freude am HERRN; daß Neid deinen Leib und deine Seele nicht krank macht. „Die Liebe neidet nicht…“ (1Kor 13,4). Nicht der Neid als moralisches Problem ist die tiefste Wurzel, sondern die Sünde im Herzen des Menschen (Jer 17,9).
Wenn du Gottes Gnade erkennst, dann kannst du dich mitfreuen über den Segen, den Gott über andere ausschüttet. In Demut achtest du dann den anderen höher als dich selbst (Phil 2,3). Dann hat Gottes guter Geist dein Herz verwandelt – weg von Neid und Mißgunst, hin zum Guten, zur Ehre Gottes (Gal 5,26). Nur durch Wiedergeburt, also nur dann, wenn du ein neues Leben mit Christus beginnst, ist die Bewahrung vor einem neidvollen Leben möglich. Dann kannst auch du frohen Herzens bekennen:
„Denn auch wir waren früher unverständig, ungehorsam, gingen in die Irre, waren mancherlei Begierden und Gelüsten dienstbar und lebten in Bosheit und Neid, waren verhaßt und haßten uns untereinander. Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilands, machte er uns selig – nicht um der Werke willen, die wir in Gerechtigkeit getan hätten, sondern nach seiner Barmherzigkeit – durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist, den er über uns reichlich ausgegossen hat durch Jesus Christus, unsern Heiland, damit wir, durch dessen Gnade gerecht geworden, Erben seien nach der Hoffnung auf ewiges Leben. Das ist gewißlich wahr.“ (Tit 3,3-7)