
von Thomas Schneider
Um es gleich vorwegzunehmen: Glaube ist kein psychologisches Selbstprogrammieren, das in der Esoterik und fernöstlichen Religionen, aber leider auch in pfingstlich-charismatischen Kirchen und Gemeinden anzutreffen ist.
Der Ausdruck „Glaube versetzt Berge“ ist Jesu Worten im Matthäusevangelium (17,20) entlehnt. Als seine Jünger Jesus fragen, wieso sie den bösen Geist aus einem Jungen nicht austreiben konnten, da antwortet Jesus: „Wegen eures Kleinglaubens. Ich versichere euch: Wenn euer Vertrauen nur so groß wäre wie ein Senfkorn, könntet ihr zu diesem Berg sagen: ‚Rück weg von hier nach dort!‘ Und er wird wegrücken. Nichts wird euch unmöglich sein.“
Worauf zielt denn Jesus mit seinem Vergleich ab? Jesus hält seinen Jüngern eine Lehrstunde über Glauben, Vertrauen und ihre Abhängigkeit von Gott. Das sprachliche Bild „Berge versetzen“ ist eine im Judentum bekannte Redewendung und bezeichnet scheinbar Unmögliches, ein gewaltiges Hindernis, menschlich unüberwindbare Schwierigkeiten.
Es geht beim „Berge versetzen“ nicht um eine vom Menschen ausgehende Machtdemonstration, sondern um einen unerschütterlichen Glauben daran, daß bei Unmöglichkeiten Gott eingreifen und Hindernisse aus dem Weg räumen kann. Gott kann höchste „Berge“ versetzen, wo menschliche Kraft kapitulieren muß.
In dem Lied „Wer Gott folgt, riskiert seine Träume“ von Dr. Theo Lehmann und Jörg Swoboda heißt es im Refrain: „Vertraut auf den HERRN für immer, denn ER ist der ewige Fels.“ Es geht weder um Psychologie, noch um geistliche Kraftproben, sondern um die Überwindung mangelnden Vertrauens zu dem, der Macht hat über Himmel und Erde.
Was machst du, wenn du vor einem scheinbar unlösbaren Problem stehst? Du versuchst es zu lösen. Oder greifst du sofort zur Bibel und wählst in den Psalmen die Notrufnummer 5015? Erinnerst du dich nach dem Erblicken einer Katastrophe schlagartig an den Zuspruch aus der himmlischen Rettungswacht: „Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen.“? (Ps 50,15)
Immer wieder erliegt der Christ (wie Jesu Jünger damals auch) menschlicher Ohnmacht. – Sie gleicht einer Minderversorgung des Gehirns mit Blut und Sauerstoff, die einem durch Angst und Schmerzen die Kontrolle über das Bewußtsein raubt. – Der Nachfolger Jesu ist geistlich lahmgelegt.
Eine Erlahmung im Glauben hat zur Folge, daß der Heiland seine Kraft nicht entfalten kann. Wie soll ER das auch können, wenn so manchen Geistern eine Hintertür offen gelassen wird, die eine andere Botschaft im Gepäck haben, als allein Gottes Wort? Jeder Christ muß sich fragen: „Welcher Müll muß entsorgt werden, um in allen Situationen meines täglichen Lebens volles Vertrauen in den lebendigen Gott zu haben?“
Wenn Jesus sagt: „Wenn euer Vertrauen nur so groß wäre wie ein Senfkorn …“, dann will er dir Mut zusprechen. Auch ein schwacher Glaube ist, wie ein Senfkorn, wachstumsfähig. Entscheidend ist nicht die Größe des Glaubens, sondern seine Echtheit, sein Ausgerichtetsein auf Gott, sein zweifelloses Vertrauen zu Jesus.
Hinter der Aussage „Glaube versetzt Berge“ verbirgt sich kein magisches Denken. Erst recht erhebt sie keinen Anspruch auf Wunscherfüllung. Glaube wirkt niemals losgelöst vom Willen Gottes: „Und das ist die Zuversicht, mit der wir vor ihm reden: Wenn wir um etwas bitten nach seinem Willen, so hört er uns.“ (1Joh 5,14) Beachte: „nach seinem Willen“! Diese Ausrichtung braucht es im Glauben. Wo es an Gottvertrauen und Gebet mangelt, wo keine Vergebungsbereitschaft vorhanden ist, dort wird Gottes Kraft blockiert.
Wenn du sagst: „Du mußt nur positiv denken!“, dann betrügst du nicht nur dich selbst, sondern auch andere. Negative Umstände, Leid und Sünde sollen durch positives Denken weggedacht werden. Es konzentriert sich auf die Kraft deiner eigenen Gedanken und nicht auf die Kraft Gottes. Die Bibel ist realistisch, spricht alles offen an und lehrt nicht die Leugnung von Not. Sie lehrt, daß das Vertrauen auf Gott und Sein Wort entscheidend ist und nicht die Macht des menschlichen Geistes.
Gott kann das Unmögliche möglich machen, wenn ER es will. Echter Glaube vertraut auf Gottes Macht, richtet sich nach dem Willen Gottes und wirkt in einer persönlichen Beziehung zu Jesus Christus. „Berge“ können im Leben Sorgen, Angst, Schuld, Krankheit und vieles mehr sein. Sie wollen oft einfach nicht weichen und du schaffst es nicht, sie wegzudrücken. Vertraust du dir und deiner Kontrolle über dich selbst oder vertraust du dem Retter und Erlöser Jesus Christus?
„Glaube versetzt Berge“ heißt nicht: „Alles geschieht, was ich will“, sondern: Gott wirkt durch Menschen, die IHM vertrauen. Kein Hindernis ist größer als Gottes Macht! In einem Lied von Herbert Masuch heißt es im Refrain: „Immer auf Gott zu vertrauen, immer auf Gott zu vertrauen, immer auf Gott zu vertrauen, das ist der beste Weg.“