
von Thomas Schneider
Im allgemeinen Sprachgebrauch ist immer wieder der Spruch zu hören: „Es ist noch nicht aller Tage Abend“. Wird eine solche Denkweise von der Bibel bestätigt, oder wird sie von ihr korrigiert?
Im Buch Prediger (7,8a) heißt es: „Der Ausgang einer Sache ist besser als ihr Anfang.“ Der Mensch beurteilt oft seine Lebenslage oder auch eine „Sache“ vorschnell, ungeduldig, ohne sie tiefgründig zu überdenken.
Gott führt die Geschichte größtenteils anders zum Ende, als es für einen Menschen scheint bzw. erkennbar ist.
Für jeden Menschen ist, solange er lebt, „noch nicht aller Tage Abend“. Noch kann er mit dem lebendigen Gott klar Schiff machen und seine ungeklärten Angelegenheiten bereinigen. Die Voraussetzungen sind das bewußte Öffnen des Herzens für Gottes Wort und – nach Buße und Vergebung – das Durchhalten bis zum Ende. Jesus verspricht seinen Nachfolgern im Matthäusevangelium (24,13) „Wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden“.
Solange Gottes Heilsgeschichte noch nicht vollendet ist, ist der letzte „Abend“ noch nicht gekommen. Trotz aller gegenwärtigen Not – im Persönlichen, wie auch mit Blick auf die Katastrophen in dieser Welt –, können die Worte „Es ist noch nicht aller Tage Abend“ einen gewissen Trost geben, denn: „Die Güte des HERRN ist’s, daß wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu … Denn der HERR ist freundlich dem, der auf ihn harrt, und dem Menschen, der nach ihm fragt. Es ist ein köstlich Ding, geduldig sein und auf die Hilfe des HERRN hoffen.“
Ist dir bewußt, daß Gott in seinem Erbarmen bis zum Abschluss dieser Weltzeit ungeahnte Möglichkeiten schafft? Selbst nach schwerem Versagen darfst du mit bußfertigem Herzen die Chance zur Umkehr annehmen – wie Petrus nach der Verleugnung des HERRN Jesus. Auch wenn du den Ausgang noch nicht einsehen kannst: Der himmlische Vater führt Seine Kinder immer zu einem guten Ende. „Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.“ (Röm 8,28)
Wird aber der Spruch „Es ist noch nicht aller Tage Abend“ mißverstanden oder gar mißbraucht, muß er vom Wort Gottes korrigiert werden. So kann es sein, daß du dich zwar mit der Schuldfrage beschäftigst, aber die Buße bisher leichtfertig hinausgeschoben hast. In 2. Korinther 6,2 heißt es deshalb: „Siehe, JETZT ist die angenehme Zeit, siehe, JETZT ist der Tag des Heils.“ Wenn du also denkst: „Ich habe doch noch Zeit, es ist doch ’noch nicht aller Tage Abend’“, dann entehrst du Gottes Gnade und Barmherzigkeit, schlägst Seine liebevolle Mahnung zur Umkehr in den Wind und verachtest Sein Heil für dich.
Wann der „Abend“ deines Lebens sein wird, ist ungewiß – wie auch die Tage bis zu deinem letzten Atemzug. „Ihr wißt nicht, was morgen sein wird.“ (Jak 4,14) Jedes bewußte Hinauszögern des Neubeginns, eines Lebens mit Jesus Christus, ist ein riskantes Manöver. Denn es gibt ein Zuspät. Auch der reiche Kornbauer (Lk 12,16-21) dachte, daß er noch lange Zeit leben würde und für ihn „noch nicht aller Tage Abend“ sei. Zu ihm spricht Gott: „Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern.“
Auch für dich, der du vielleicht bislang Buße und Umkehr hinausgeschoben hast, kann der „Abend“ schnell und unverhofft kommen. Die Tage fliegen nur so dahin. Deshalb habe immer vor Augen: Der endgültige „Abend“, das Endgericht Gottes, kommt gewiß!