
von Thomas Schneider
Die Redewendung „Da stehen einem die Haare zu Berge“, hören und sagen wir immer wieder mal. Besonders dann, wenn wir über ein Geschehen schlagartig erschrecken. Es macht uns sprachlos und manchmal auch wütend. Unsere Sinne reagieren auf Angst, Abscheu und Empörung.
Was sind solche haarsträubenden Situationen? Wenn es frühmorgens, noch vor dem Aufstehen, an der Haustüre klingelt und Polizeibeamte draußen stehen. Sie halten eine richterliche Anordnung in den Händen, die das Durchsuchen der Wohnung erlaubt. Dann durchstöbern diese Staatsdiener die intimste Sphäre eines Menschen, um einen gegen ihn erhobenen Tatvorwurf durch Beweismittelsicherung zu erhärten. – Schon vergessen? In der Corona-Zeit haben mutige Ärzte und Oppositionelle eine solche haarsträubende Erfahrung aushalten müssen, bis hin zu Kontensperrungen, Erniedrigung, Geld- und Gefängnisstrafen. Wie wir längst wissen: oft zu Unrecht!
Auch in der Bibel, im Buch Hiob (4,15) finden wir dieses Bild von zu Berge stehenden Haaren. Eliphas von Teman, das Haupt der drei Freunde Hiobs, berichtet von einer nächtlichen Vision. Er beschreibt eine unheimliche, ehrfurchtgebietende Begegnung mit einer geistlichen Erscheinung. Seine körperliche Reaktion: „Und ein Hauch fährt an mir vorüber; es stehen mir die Haare zu Berge an meinem Leibe.“ Aufgerichtete Haare sind Ausdruck tiefsten Erschreckens angesichts einer übernatürlichen Erfahrung. Ein solches Erleben ist Zeichen heiliger Furcht, ein Zeichen von Ehrfurcht vor Gottes Majestät.
Nach allem, was wir heutzutage in unserem Land und weltweit Erschreckendes erleben, müßten wir alle mit aufgestellten Haaren umherwandeln. Wieso stehen wir oft Dingen, die uns früher aufgeregt und gestört haben, inzwischen so apathisch gegenüber? Sind die meisten Menschen durch mediale Überflutung und ideologische Indoktrination schon so abgebrüht, daß sie es kaum noch juckt, wenn Ausländerkriminalität, Kindesmißbrauch, Korruption, Machtmißbrauch u.v.m. rasant zunehmen?
Hiobs Freund verspürte noch eine leibliche Reaktion auf die Offenbarung göttlicher Heiligkeit und ernster Wahrheit. Aus biblischer Sicht liegt der Schwerpunkt weniger auf Empörung – „Das ist ja schrecklich!“ –, sondern auf Ehrfurcht vor dem Wirken Gottes in dieser Welt; auf Erschütterung unseres Lebens durch Gottes Plan; auf die Begegnung mit dem lebendigen Gott in Seinem Wort und durch Seinen Geist; in der Ernstnahme des künftigen Endgerichts.
Es kommt darauf an, wer unser Leben regiert: Panikmacher oder Jesus Christus. Panikmacher haben nur ein Ziel: Menschen pausenlos in Angst und Schrecken zu versetzen, um sie gefügig zu machen. Wenn uns Gottes Wort trifft, wenn wir Seine Heiligkeit erkennen und Seine Wahrheit unser Gewissen aufdeckt, dann darf uns innerlich ein „heiliger Schauer“ erfassen, so daß uns die „Haare zu Berge“ stehen. Nicht panische Angst vor den Schrecken dieser Welt, sondern ehrfürchtiges Erschrecken vor der Größe und Reinheit Gottes. „Laßt uns Gott dienen mit Scheu und Furcht; denn unser Gott ist ein verzehrendes Feuer.“ (Hebräer 12,28–29)