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Adventisten feiern ihr 150-jähriges Bestehen

Ernst-Martin Borst, 1. Vorsitzender AG WELT, Foto: Thomas Schneider/agwelt

von Ernst Martin Borst

Die größte Gruppe innerhalb der Adventbewegung ist die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten (STA), vormals „Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten“. Sie feiert in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen.

Sie schreibt: „Sei dabei, feiere 150 Jahre Adventgemeinde in Deutschland und hab ‚Mut für morgen‘ … jede Gelegenheit ist eine Einladung, Gemeinschaft zu erleben, Glauben zu teilen und Gott die Ehre zu geben und gemeinsam mutig nach vorne zu schauen.“

Entstehung und Geschichte der STA

1876 entstanden in Solingen und Vohwinkel die beiden ersten Gemeinden dieser Bewegung in Deutschland. Heute gibt es deutschlandweit 560 Gemeinden mit rund 34.000 Mitgliedern. Die Entstehung der STA geht zurück auf die Adventbewegung, die sich durch den US-amerikanischen Baptisten-Pastor William Miller (1782-1849) entwickelte.

Miller proklamierte für Jesu Wiederkunft den 22. Oktober 1844. Als nach herber Enttäuschung die sogenannte „Millerbewegung“ mit ihren etwa 100.000 Anhängern in mehrere Splittergruppen zerfiel (daraus erwuchs u.a. auch die Gemeinschaft „Jehovas Zeugen“), schlossen sich führende Unterstützer der Adventbewegung am 21. Mai 1863 in der US-amerikanischen Stadt Battle Creek (Michigan) zur „Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten“ (STA) zusammen.

Eine der einflussreichsten Personen des Adventismus wurde sehr schnell Ellen Gould Harmon White (1827-1915). Sie sah sich als „Botin des Herrn“ und wurde als Prophetin von der STA anerkannt. Ihre mehr als 5.000 Zeitschriftenartikel und 40 Bücher dienen der STA heute noch, neben der Bibel, als Glaubensgrundlage. Große Bedeutung haben auch ihre mehrere hundert Träume und Visionen. EW schreibt über ihre Visionen:

„Häufig werden Fragen nach meinem Zustand während einer Vision und danach gestellt. Darauf möchte ich antworten, dass ich, wenn der Herr es für nötig hält, eine Vision zu geben, in die Gegenwart Jesu und der Engel versetzt und von irdischen Dingen völlig gelöst werde. Ich kann nicht weitersehen, als der Engel mir zeigt. Oft wird meine Aufmerksamkeit auf Szenen gerichtet, die sich auf der Erde ereignen. Gelegentlich werde ich weit in die Zukunft getragen, und es wird mir gezeigt, was einmal stattfinden wird. Dann werden mir wieder Dinge gezeigt, die in der Vergangenheit stattgefunden haben. Wenn ich aus der Vision komme, erinnere ich mich nicht sofort an alles, was ich gesehen habe, und die Dinge stehen nicht völlig klar vor mir, bis ich schreibe, dann erscheint die Szene vor mir, die mir in der Vision gezeigt wurde, und ich kann sie ungehindert niederschreiben. Manchmal werden die Dinge, die ich gesehen habe, wieder von mir genommen, nachdem ich aus der Vision gekommen bin, und ich kann sie nicht in mein Gedächtnis zurückrufen, bis ich vor eine Gruppe gebracht werde, auf die sich diese Vision bezieht. Dann kommen mir die Dinge, die ich gesehen habe, wieder mit Macht zum Bewusstsein.“

Viele ihrer Visionen flossen in die Lehre der STA ein. Die STA schreibt zwar auf ihrer Homepage:

„Wir werten die Visionen der Mitbegründerin unserer Kirche, Ellen Gould White (1827-1915), als eine Erfüllung solcher Bibeltexte. Sie selbst wollte mit ihren Schriften keinen Ersatz oder eine Ergänzung der Bibel sein, sondern die Lesenden zur Bibel hinführen. Obwohl Adventisten glauben, dass Ellen White inspiriert war, hat sie dafür nie biblische Autorität beansprucht. Das Sola-Scriptura-Prinzip – allein die Bibel ist grundlegend für den Glauben – wird mit diesem Verständnis gewahrt. Es gibt aber auch Adventisten, welche Ellen White neben oder über die Bibel stellen. Dies entspricht jedoch nicht der Lehre der Kirche. Adventisten billigen Ellen White eine prophetische Rolle zu. Sie ist nach diesem Verständnis aber keine Schrift-Prophetin, sondern eine Nicht-Schrift-Prophetin, deren Aussagen immer an der Bibel zu messen sind.“

Doch trifft diese Aussage nicht zu! In Büchern, Zeitschriften, Predigten, Gesprächen, Glaubenskursen und im Internet wird immer deutlich auf die Prophetin White und ihre Lehren hingewiesen. Ein Beispiel:

„Liebe christliche Freunde! Nachdem ich einen sehr kurzen Abriss meiner Erfahrungen und Visionen im Jahre 1851 herausgegeben habe, halte ich es für meine Pflicht, manche Punkte in diesem kleinen Buch zu erklären sowie mehrere neue Visionen zu berichten.“

Die Lehre der STA

Adventisten leben (geprägt von Millers Berechnungsansätzen) nach wie vor in der Naherwartung der Wiederkunft Jesu. Nachdem Jesus Christus 1844 nicht wie erwartet auf der Erde sichtbar erschien, entstand – geprägt von Whites Visionen eine spezielle „Heiligtumslehre“ mit „Untersuchungsgericht“ und der „Reinigung des himmlischen Heiligtums“. Demnach sei Christus mit Bezug auf Matthäus 24,26 im Jahr 1844 zum ersten Mal ins Allerheiligste eingetreten und untersucht angeblich bis heute alle Sünden der Menschen, die sich zu ihm bekannt hätten. White schreibt dazu in ihrem Buch „Wir glauben noch“ auf Seite 25:

„Aber an diesem Tag kam Christus tatsächlich zum großen Gericht im himmlischen Gerichtssaal, in dem sein Vater den Vorsitz führt.“

Demzufolge wird davon ausgegangen, dass Jesus nach Abschluss der „Prüfung der Sündenkarteien“ wieder sichtbar auf die Erde zurückkehren werde. Beim „Untersuchungsgericht“ würden, so White in ihren Visionen („Der große Konflikt“ Seite 453 „der berichtführende Engel“), alle Namen aus dem Buch des Lebens gelöscht, die den Sabbat als Ruhetag und die 10 Gebote nicht eingehalten und unbekannte Sünden hätten. Eine Auslöschung hätten die nicht zu befürchten, die sich würdig erwiesen und ihren Glauben bewahrt hätten.

Erst 1844 hätte, so diese Prophetin, Christus damit begonnen, die Sünden der Gläubigen auszulöschen. „Finden sich dagegen bei manchen Namen in den Büchern Sünden verzeichnet, die nicht bereut und vergeben sind, so werden ihre Namen aus dem Buch des Lebens entfernt.“ (Ellen White „Der große Kampf“). Zuerst müsse die Reinigung im Heiligtum erfolgen und die Sünden auf Azazel (ein Wüstendämon; 3.Mose 16,8) gelegt werden. Die Bibel hingegen belegt eindeutig, dass Jesus nach seiner Himmelfahrt direkt in das Allerheiligste zum Vater gegangen ist (siehe z.B. Hebräer 1,3).

Über weitere Lehren der STA, die nicht mit dem Wort GOTTES zu belegen sind (Sabbatgebot, das Halten von mosaischen Gesetzen, Lehre zur Ernährung, Eschatologie) finden Sie in unserem AG WELT – Flyer Siebenten-Tags-Adventisten AG1055.

Die STA ist seit einigen Jahren sehr ökumenisch ausgerichtet. So ist sie inzwischen Gastmitglied der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) und Mitglied in vielen Ortsgruppen der Evangelischen Allianz Deutschlands (EAD). Vielen Gemeinden fällt eine klare Bewertung der STA schwer, da diese versucht sich biblisch darzustellen, intern aber nach wie vor an den Visionen und Lehren von White festhält. Die Verantwortlichen der EAD, die diese Hintergründe genau kennen, lassen ihre Ortsgruppen leider im Stich und werben sogar noch für mehr Zusammenarbeit mit der STA. Anstatt der Verführung Einhalt zu gebieten, wird die Verführung noch gefördert. Die Bibel sagt:

„So sei nun stark, mein Sohn, durch die Gnade in Christo Jesu. Und was du von mir gehört hast durch viele Zeugen, das befiehl treuen Menschen, die da tüchtig sind, auch andere zu lehren.“  2. Timotheus 2, 1-2

Gefragt sind Menschen, die treu und kompromisslos zum WORT GOTTES und zu JESUS CHRISTUS stehen. Die STA, die EAD und wir alle sind aufgerufen, alles Eigene abzulegen und nur dem WORT GOTTES und unserem HERRN treu nachzufolgen.

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Bitte lesen Sie auch unsere AG WELT – Publikationen:

Siebenten-Tags-Adventisten AG1055

Adventistische Reformationsbewegung AG1097

Jehovas Zeugen AG1025

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