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Der Zeitgeist und seine Weltanschauung (Teil 2)

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von Thomas Schneider

Der Zeitgeist macht es den Menschen schmackhaft, übernatürliches Wissen, Auskunft über die eigene Persönlichkeit und die persönliche Zukunft zu erhalten. Danach folgt seine Einladung zum Ausprobieren.

Obwohl der Mensch von seinem Schöpfer abhängig ist, will er alles selber machen und in Selbsterkenntnis, Selbstbefriedigung und Selbsterlösung sein Leben fristen. Er versucht, sein „inneres Vakuum“ zu füllen, letztlich durch Religion, Ideologie und Philosophie. Er verspürt eine unbeschreibliche Sehnsucht nach Erlösung von Sorgen, Nöten, Krankheit, Leid und Ängsten.

Der Zeitgeist ist der Türöffner für eine neue Religion, die sich dem Menschen wie ein Supermarkt präsentiert, gemixt aus Teillehren der Weltreligionen, dem Gedankengut aus Esoterik und Okkultismus und der Verfälschung der Heiligen Schrift. Der Mensch sucht sich das heraus, was ihm schmeckt und was ihm vollkommenes Lebensglück verspricht.

Der Apostel Paulus schreibt an die christliche Gemeinde in Ephesus (2,1-2): „Auch euch hat Gott mit Christus lebendig gemacht, obwohl ihr durch eure Sünden und Verfehlungen tot wart. Darin habt ihr früher gelebt, abhängig vom Zeitgeist der Welt, abhängig von der Geistesmacht, die in der Luft herrscht und jetzt noch in den Menschen wirksam ist, die Gott nicht gehorchen wollen.“

Die Bibel schreibt von einem Geist, der jetzt noch in den Menschen wirksam ist und zum Ungehorsam gegen Gott anstachelt. Der Zeitgeist hat eine unvorstellbare Sogkraft, weil er sich wohlbekannter Argumente bedient. Orientiert sich eine christliche Gemeinde nicht allein am Wort Gottes, schafft sie nach und nach dem Zeitgeist Freiraum. So stellt sich der Zeitgeist vehement gegen Menschen, die daran festhalten, daß allein im Glauben an Jesus Christus der Sinn des Lebens und die einzig gültige Wahrheit zu finden sind.

Das Harmoniebedürfnis (das heute mit dem Begriff Toleranz manifestiert werden soll) ist der stärkste Partner des Zeitgeistes. Das Harmoniebedürfnis frißt sich bis in die frommsten Kreise hinein wie eine Zecke und kann zur tödlichen Gefahr für die gesamte christliche Gemeinde werden. Man will sich dem gesellschaftlichen Mainstream anpassen, um nicht mit einem Absolutheitsanspruch als Glaubensfanatiker zu erscheinen.

Der Zeitgeist ist insbesondere daran zu erkennen, daß er sich zwar im frommen Gewand der Nächstenliebe präsentiert, bibeltreue Glaubensgeschwister aber im direkten Angriff als Ewiggestrige abstempelt. Der Zeitgeist ist sehr raffiniert! Es bedarf höchster Wachsamkeit, eines festen und unerschütterlichen Glaubes an das Wort Gottes und einen vom Heiligen Geist gewirkten Mut, um den Zeitgeist öffentlich bloßstellen zu können.

Wie treibt der Zeitgeist sein Unwesen? Um hier den Rahmen nicht zu sprengen, sollen nur zwei Beispiele genannt werden – die es aber faustdick hinter den Ohren haben:

Beziehungen mit mehreren Sexualpartnern oder auch Sex nach Absprache sind keine Spinnereien, sondern im Trend. In einem Seelsorgegespräch mußte ich mir von einer jungen Christin anhören: „Das gab es doch schon immer. Sind Sie doch nicht so prüde!“ Demnach ist ein Christ dann übertrieben schamhaft, zimperlich und sexuell verklemmt, wenn er in Fragen zur Sexualität und zu anderen Lebensfragen Gottes Wort ernst nimmt. Aber erstaunlich ist doch, daß eine Civey-Umfrage im Juli 2025 ergab, daß sich die Mehrheit der Deutschen (72 Prozent) nicht vorstellen kann, eine sexuell freizügige Beziehung zu führen.

Das Wirken des Zeitgeistes kann man auch daran erkennen, daß er Gottes Wort relativiert und spricht: „Weißt du, man darf sich nicht so sehr am Buchstaben der Bibel festklammern. Hauptsache du bist getauft. Alles andere ist Nebensache.“ Der Zeitgeist kommt überheblich daher, schürt Zweifel und Lügen. Er will die Wahrheit des Wortes Gottes zerstören und den vernichten, der im Johannesevangelium (14,6) von sich sagt: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“

Menschen, die dem Zeitgeist mit Gottes Hilfe widerstehen, sind keine Siege verheißen. Dennoch ist es die Aufgabe der Christen, dem Zeitgeist entgegenzutreten, wie es Philipp Spitta in einem Lied aus dem Jahre 1833 geschrieben hat: „Es gilt ein frei Geständnis in dieser unsrer Zeit, ein offenes Bekenntnis bei allem Widerstreit, trotz aller Feinde Toben, trotz allem Heidentum zu preisen und zu loben das Evangelium.“

Christen haben eine Leuchtturmfunktion, die anderen Menschen im Nebel des Zeitgeistes Orientierung geben sollen. Das können Christen aber nur dann, wenn sie die reine Lehre des Evangeliums wahren. In allen Bereichen unserer Gesellschaft haben Menschen Sehnsucht nach Werten und wahrem Leben. Menschen sollen die Chance bekommen, Christen zu werden, Zeugen der Wahrheit Jesu zu sein und ein befreites Leben unter dem Evangelium zu führen. Denn: „Unser Heiland will, daß allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.“ (1. Timotheus 2,4)

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